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Oberndorf

17.01.2015

Nina Friedl: Frau aus Oberndorf trainiert nun mit Weltklasse-Pferden

Um ihren Traum zu verwirklichen, ist Nina Friedl von Oberndorf nach Warendorf gezogen. Dort arbeitet sie an der Sportschule der Bundeswehr mit insgesamt zwölf Pferden.
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Um ihren Traum zu verwirklichen, ist Nina Friedl von Oberndorf nach Warendorf gezogen. Dort arbeitet sie an der Sportschule der Bundeswehr mit insgesamt zwölf Pferden.

Nina Friedl zog im vergangenen Jahr von Oberndorf nach Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Dort kümmert sie sich um die Tiere eines internationalen Top-Reiters.

Mit 17 brach sie das Gymnasium ab, um Pferdewirtin zu werden. Mit Mitte Zwanzig trat sie innerhalb von drei Wochen einen Job auf einer Pferdezucht in Australien an. Vor spontanen Veränderungen hat Nina Friedl noch nie zurückgeschreckt. Sie will die Möglichkeiten nutzen, die sich ihr bieten. So auch diese, in Warendorf, 540 Kilometer weit entfernt von zu Hause.

Die 31-Jährige sitzt im Sattel, drückt ihre Beine an das schwarzglänzende Fell eines Pferdes. Das setzt sich alsdann in Bewegung, trägt die junge Frau durch die Halle an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf. Im März des vergangenen Jahres hat Nina Friedl ihr Leben in Oberndorf aufgegeben und ist in die Stadt im Norden Nordrhein-Westfalens gezogen. Dort arbeitet sie als Pferdewirtschaftsmeisterin mit ganz besonderen Pferden.

In den Ställen auf dem weitläufigen Gelände der Bundeswehr sind nämlich die Vierbeiner von Andreas Ostholt untergebracht. Ostholt ist ein internationaler Top-Reiter. Er nimmt an Weltmeisterschaften im Vielseitigkeitsreiten teil, ist auf Rang 14 der Weltrangliste, Rang 5 in Deutschland. Nina Friedl hat die Chance bekommen, seine Pferde in den Vielseitigkeitsdisziplinen Dressur, Springen und Geländeritt zu trainieren. Sie fit zu machen für die Turniere, die Ostholt mit ihnen bestreitet. Was zunächst als eine Art Praktikum für ein halbes Jahr gedacht war, mündete im Oktober in einen festen Job. Für diesen hat Friedl ihre Zelte in Schwaben abgebrochen.

Sie steht gerne in der zweiten Reihe

Das sei für sie kein Problem gewesen. Auch wenn sie ihre Familie vermisse. „Ich bin schon oft umgezogen. Ein wenig bin ich wohl ein Vagabund“, sagt die junge Frau, die in Bayreuth geboren und aufgewachsen ist. Außerdem habe sie schon lange das Gefühl gehabt, mit der eigenen Sportreiterei auf der Stelle zu treten. „Eigentlich sogar schon Rückschritte zu machen.“ In Oberndorf und Umgebung arbeitete sie freiberuflich – sie kümmerte sich um die Pferde anderer, trainierte sie und gab als Reitlehrerin Unterricht. Die eigene sportliche Fortbildung kam dabei aber meistens zu kurz. Im Vielseitigkeitsreiten ging es nicht voran.

Als Andreas Ostholt im Februar des vergangenen Jahres für einen Lehrgang nach Mertingen kam, merkte Nina Friedl schnell: Seine Art im Umgang mit den Pferden liegt ihr. „Also fragte ich ihn, ob ich für eine Woche zum Training mit meinen eigenen Pferden nach Warendorf kommen könnte.“ Da Ostholt damals sowieso gerade auf der Suche nach Unterstützung war, bot er ihr an, gleich ein halbes Jahr zu bleiben und sich mit um seine Tiere zu kümmern. Zwei Tage später sagte Nina Friedl zu.

Zum Glück. Denn in Warendorf kann sie nun auf Pferden reiten, die ein Niveau von Weltklasse besitzen. Die 31-Jährige strahlt und sagt: „Es ist schon nett, einen Ford Fiesta zu fahren. Aber einen Porsche zu fahren, ist schon ein Unterschied – mit dem macht es mehr Spaß. So ist es auch mit den Pferden.“

Die Übungsmöglichkeiten für Nina Friedl sind jetzt viel größer. Auch, was das Gelände angeht. Die junge Frau mit den rötlichen Haaren steigt von dem Pferd herab und geht aus der Reithalle heraus. Für den Betrachter, der nicht so viel mit Pferdesport zu tun hat, ist der Platz davor einfach ein Areal mit ein paar Baumstämmen, Wassergräben und Hürden aus Holz. Für Nina Friedl hingegen ist er „gigantisch“.

„Hier kann man alle Hindernisse des Vielseitigkeitssports, die es weltweit gibt, im Kleinformat üben“, erklärt sie. Besonders sei dabei auch der Boden, der aus einem Gemisch aus Quarz, Sand und Fließ besteht. Das speichere die Feuchtigkeit besonders gut. So viele Möglichkeiten – die große sportliche Karriere winkt für Friedl trotzdem nicht mehr. „Der Zug ist längst abgefahren“, sagt sie. Dafür habe sie viel zu spät mit dem Sport angefangen. „Aber das Gefühl, in der zweiten Reihe hinter jemandem zu stehen, der so erfolgreich ist, das ist viel wert.“

Mindestens zehn Stunden Arbeit pro Tag

Dafür muss Friedl aber auch viel Zeit investieren. Jeden Tag verbringt sie mindestens zehn Stunden bei den Pferden. In der Saison waren es zeitweise noch mehr. Und das sieben Tage pro Woche. Wie das funktioniert? „Indem man das, was man tut, liebt“, sagt die hochgewachsene Frau. Ihre Wangen haben sich rosa gefärbt. „Und mit einer Familie, die mir den Rücken frei hält, die hinter mir steht.“

Ihr Mann zum Beispiel kümmert sich um den Haushalt, wenn sie mal wieder viel zu tun hat. Und am Wochenende sitzt er oftmals stundenlang bei ihr in der Reithalle, schaut ihr bei der Arbeit zu. Auch er zieht jetzt aus Oberndorf weg, rauf nach Warendorf. „Er hat sich beruflich nach Varrel in der Nähe von Bremen versetzen lassen“, sagt Friedl. „Er hat einfach gemerkt, wie gut es mir mit diesem Job geht.“

Damit es ihr finanziell auch gut geht, hat die 31-Jährige im 35 Autominuten entfernten Münster noch einen Halbtagsjob als Bereiterin auf einem Hof angenommen. Vormittags arbeitet sie dort, am Nachmittag und an den Wochenenden bei Andreas Ostholt in Warendorf. „Es ist wirklich toll hier. In Bayern habe ich oft gehört, ich sei nicht gut genug, ich solle mir etwas anderes suchen. Hier bin ich nun für jemanden, der viel, viel besser ist als die, die das gesagt haben, gut genug.“ Nina Friedl strahlt. Die spontane Veränderung hat sich mal wieder ausgezahlt.

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