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Oberbayern
10.05.2016

Er war ein Zufallsopfer: 27-Jähriger ersticht Mann am Bahnhof Grafing

Blumen liegen am Bahnhof in Grafing bei München auf den Stufen zum Bahnsteig für die S-Bahn.
Foto: Andreas Gebert, dpa

Am Bahnhof Grafing im Kreis Ebersberg hat ein Mann vier Passanten mit einem Messer verletzt - eines der Opfer starb. Warum stach der Täter wahllos auf Menschen ein?

Messer-Attacke am frühen Dienstagmorgen am Bahnhof in Grafing im Landkreis Ebersberg: Ein Mann griff nach ersten Ermittlungen der Polizei wahllos vier Menschen zwischen 43 und 58 Jahren mit einem Messer an und verletzte sie. Eines der Opfer im Alter von 50 Jahren starb wenig später im Krankenhaus, ein anderes wurde schwer verletzt.

Die Polizei nahm noch am Bahnhof einen 27-jährigen Verdächtigen fest, der die Tat gestanden haben soll. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll der Mann aus dem hessischen Gießen stammen. Er soll seit zwei Jahren arbeitslos gewesen sein und zuvor als Schreiner gearbeitet haben. Hinweise auf Mittäter gebe es nicht, hieß es am Nachmittag auf einer Pressekonferenz.

Auch Indizien für einen islamistischen Hintergrund liegen den Ermittlern bislang nicht vor. Weder aus dem Staatsschutzbereich noch von Nachrichtendiensten gebe es Hinweise darauf, dass der Täter "in irgendeiner Form" Bezüge zu islamistischen, salafistischen Gruppierungen oder Personen gehabt habe, sagte Kriminaldirektor Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass etwa Videos zur Radikalisierung des 27-Jährigen beigetragen hätten.

Täter von Grafing rief "Ungläubiger, du musst jetzt sterben"

Die Polizei bestätigte am Nachmittag aber, dass der Messerstecher am Grafinger Bahnhof "Ungläubiger, du musst jetzt sterben" und "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen hat. Das hatten nicht nur Zeugen beobachtet, auch der Angreifer selbst gab dies bei seiner Vernehmung an. Die Ermittler wollen nun einen möglichen Glaubenswechsel des Täters zum Islam prüfen.

Bei der Festnahme um kurz nach 5 Uhr habe der Mann ein Messer am Gürtel getragen, sagte Polizeivizepräsident Günther Gietl vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. In der Nähe des Tatorts seien ein Personalausweis, ein Führerschein, persönliche Unterlagen, ein Rucksack und Schuhe gefunden worden.

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Bislang sei es den Ermittlern nicht gelungen, einen Bezug des in Hessen gemeldeten Mannes nach Bayern oder Grafing herzustellen, sagte Gietl. Er habe wohl in einem Münchner Hotel übernachten wollen, aber nicht genug Geld bei sich gehabt. So verbrachte der junge Mann den ersten Teil der Nacht am Münchner Hauptbahnhof, bevor der dann mit der S4 nach Grafing aufbrach.

Der Angreifer wurde noch an der S-Bahn-Station Grafing von der Polizei überwältigt und festgenommen.
Foto: Andreas Gebert (dpa)

Schon am Mittag teilte Bayerns Innenminister Joachim Hermann mit, dass der 27-jährige Deutsche nach ersten Ermittlungen offenbar psychische Probleme habe und auch drogenabhängig sei. Auf der Pressekonferenz hieß es später, der Mann sei schon vor zwei Tagen in Gießen auffällig geworden. Er habe "wirres Zeug geredet" - womöglich habe er unter Drogeneinfluss gestanden. Hinweise auf eine Gefährdung für sich oder andere habe es allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.

Auch die Aussagen des jungen Mannes seien bislang "verwirrend" gewesen, so Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. An der Schuldfähigkeit des 27-Jährigen gibt es deshalb Zweifel. Er soll am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Messerstecher greift Opfer in Bahn und am Bahnhof Grafing an

Die Tat ereignete sich laut Polizei gegen 4.45 Uhr am Dienstagmorgen am Grafinger Bahnhof. Der Angreifer soll in einer Bahn kurz vor der Abfahrt auf den 50-Jährigen eingestochen haben, der später starb. Dann soll er am Bahnsteig die weiteren Männer angegriffen haben, ein Opfer schwebte danach zeitweise in Lebensgefahr. Zwei der Männer sollen mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sein, sie erlitten Schnittwunden. Der 27-Jährige habe dabei ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge benutzt.

Er war ein Zufallsopfer: 27-Jähriger ersticht Mann am Bahnhof Grafing
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Tödliche Messerattacke am Bahnhof Grafing schockiert die Menschen
Foto: Andreas Gebert dpa/ Christof Stache afp

Stunden nach der Tat sind Beamte am Bahnsteig mit der Spurensicherung beschäftigt. Blutspuren am Bahnsteig deuten daraufhin, dass der Täter wie wild auf seine Opfer einstach. Der Zug, in dem er einen der Männer angriff, ist nach wie vor sichergestellt. Auch dort sichern Beamte Spuren. Der rund 30 Kilometer östlich von München gelegene Bahnhof ist teils mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt. 

Bürgermeisterin von Grafing nach Messerattacke am Bahnhof fassungslos

Die Erste Bürgermeisterin von Grafing, Angelika Obermayr, zeigte sich nach der Messerattacke schockiert. "Wir sind ein absolut friedliches oberbayerisches Kleinstädtchen im Münchner Umfeld", sagte sie am Dienstag dem Sender n-tv. "So was ist absolut neu und erschüttert hier die Menschen wirklich zutiefst, die so was halt nur aus dem Fernsehen kennen", führte sie weiter aus.

sg/fla mit dpa, afp

Wir aktualisieren diesen Text laufend mit neuen Erkenntnissen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

10.05.2016

Nö, das war Paul H. (s. Bild online).

Hoffe das zerstört nicht ihre kleine Sicht auf die Welt.

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10.05.2016

Aha "ein Deutscher".

Ich vermute mal das Franz Huber sine islamistischen religiösen Wahnvorstellung nicht in Zaum halten konnte.

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