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Betreuung

24.06.2019

Stau im Kindergarten

Eltern dürfen bei der Einschulung ihrer Kinder mehr mitreden als früher und stellen damit die Kitas vor Probleme

In mehreren bayerischen Kommunen sorgt der neue Einschulungskorridor für Grundschulkinder für Wirbel. Denn dort blockieren Kinder, die nun ein Jahr länger im Kindergarten bleiben, Plätze für nachrückende Dreijährige – die somit zunächst leer ausgehen.

In diesem Jahr können erstmals die Eltern entscheiden, ob ihre Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, nach dem Sommer oder erst ein Jahr später eingeschult werden. Dadurch ist die Zahl der zurückgestellten Kinder nahezu überall gestiegen, in einigen Landkreisen sogar um ein Drittel. Von den 32216 Kindern, die in den Korridor fallen, werden heuer 44 Prozent nicht eingeschult – neun Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt sind es rund 2800 Kinder, die wegen der neuen Wahlfreiheit der Eltern erst ein Jahr später eingeschult werden, bilanziert das Kultusministerium.

Bei mehr als 3000 Grundschulen und gut 7000 Kindergärten im Freistaat sei das kein großes Problem, findet Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). „Es trifft statistisch nicht mal jede Grundschule und jeden Kindergarten mit einem Kind. Aber natürlich gibt es die ein oder andere Gruppe vor Ort, die genau deshalb einen zuviel hat oder zwei.“

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Die Situation ist je nach Kommune sehr unterschiedlich, wie der Dachverband Bayerischer Träger für Kindertageseinrichtungen oder der Evangelische Kita-Verband Bayern berichten. Auch sie wissen von Regionen, in denen der Einschulungskorridor kein Problem darstellt. Doch es gibt eben auch andere. Rosenheim zum Beispiel. Mit einem Plus von neun Prozentpunkten liegt der Schulamtsbezirk genau im bayerischen Schnitt. „Wir haben errechnet, dass wir aufgrund des Korridors eine ganze Kindergartengruppe mehr brauchen werden“, schildert die zuständige Sachgebietsleiterin der Stadt Rosenheim, Sabine Hilger. „Und das wird sich die nächsten Jahre durchziehen.“ Nach der zentralen Anmeldewoche für die Kindergärten blieben in Rosenheim 95 Kinder übrig, denen die Stadtverwaltung zunächst keinen Platz anbieten konnte.

In Schwabach sind aktuell noch rund 90 Kinder ohne Platz – von anfangs 170. Mit einem Zuwachs von 32 Prozentpunkten wurden in der mittelfränkischen Kleinstadt so viele zusätzliche Kinder zurückgestellt wie nirgendwo sonst in Bayern. In der Statistik folgen Bayreuth mit einem Plus von 29 Prozentpunkten und Hof mit plus 28 Punkten den Schwabachern dicht auf den Fersen.

Die Kritik der Kommunen bezieht sich vor allem auf den kurzen Vorlauf – Piazolo hatte den Einschulungskorridor Ende Januar verkündet. Genug Zeit zur Vorbereitung, findet der Minister. Zuwenig für qualitativ hochwertige Angebote, finden die Kita-Experten. Schließlich könne es nicht die Lösung sein, einfach die Gruppen zu vergrößern oder den Personalschlüssel zu verringern.

Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband stört zudem noch etwas anderes: „Das Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht, das ist schwierig, weil wir dadurch signalisieren: Die Kinder sollen lieber älter sein, lieber fitter sein, um diese schwierige Grundschulzeit durchzustehen und den Übergang zu schaffen.“ Dabei sollten die Kinder doch motiviert und voller Vorfreude zur Einschulung kommen – und nicht das Gefühl haben, vor der Schule beschützt werden zu müssen. (dpa)

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