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Kreis Starnberg

29.01.2020

Stockdorf am Tag nach Corona-Infektionen: So ist die Stimmung bei Webasto

Die Stimmung am Sitz des Automobilzulieferers Webasto war schlecht, als am Dienstag die Nachricht vom ersten Infizierten die Runde machte.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Plus Vier Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto haben sich mit dem neuen Virus infiziert. Das weiß jeder im Ort. Manche schniefen schon selbst. Sind sie auch besorgt?

Am Eingang der Unternehmenszentrale der Firma Webasto in Stockdorf steht ein Sicherheitsmann. „Zum Schutz“, wie er sagt. Zum Schutz vor dem Coronavirus oder zum Schutz vor Neugierigen, es kann beides bedeuten. Der Security ist einer der wenigen, die sich heute länger auf dem Betriebsgelände des Automobilzulieferers aufhalten. Alle anderen kommen nur, um kurz ihre Notebooks für die Heimarbeit zu holen. Seit bekannt ist, dass vier Mitarbeiter des Unternehmens sich mit dem Coronavirus infiziert haben – als erste in Deutschland – hat Webasto seine Zentrale bis einschließlich Sonntag geschlossen.

Video: Sarah Ritschel

Nach Ausbruch des Coronavirus: Stimmung unter Webasto-Mitarbeitern war schlecht

Das wissen an diesem Mittwochmorgen noch gar nicht alle Angestellten. Wer seine Mails vom Abend nicht gelesen hat, den empfängt eine dunkle Zentrale. Der Mann mit Anzughose, dicker Jacke und Wollmütze zum Beispiel. „Ich wollte heute arbeiten“, sagt er. „Da habe ich gesehen, dass alles zu ist.“

Als am Dienstag die Nachricht vom ersten Infizierten die Runde machte, sei die Stimmung schlecht gewesen. „Einige Kollegen sind sofort nach Hause gegangen, andere geblieben.“ Auch er selbst. 20 Meter entfernt von seinem Arbeitsplatz habe die Schulung stattgefunden, an der auch die infizierte Frau aus China teilgenommen hatte. 

Sie ist den Behörden zufolge der Ursprung der vier Krankheitsfälle. Direkt mit ihr Kontakt hatte der Mitarbeiter nicht. „Aber ich glaube, mich hat auch etwas erwischt.“ Er deutet vage auf Hals, Nase, Mund. Verrückt machen lässt er sich nicht. „Corona ist ja bisher auch nicht schlimmer als andere Grippeviren.“ Er huscht in das verglaste Gebäude.

So ist die Stimmung unter Webasto-Mitarbeitern und Stockdorfern

Auf der viel befahrenen Einfallstraße zu dem Ort im Kreis Starnberg finden sich immer mehr Medienvertreter ein. Stockdorf ist seit Dienstag das Zentrum Deutschlands. Lothar Grund, ein älterer Mann mit Rucksack, kommt gerade aus seinem Haus, 200 Meter entfernt von Webasto. Er muss lachen. „Das ist das einzig Überraschende an der Sache, dass plötzlich alle über Stockdorf reden.“

Dass sich auf lange Sicht auch Deutsche mit dem Virus infizieren würden, wundert ihn hingegen überhaupt nicht. „Aber wir erfahren ja von unserem Medizinern, dass eine normale Grippe schlimmer zu sein scheint als das Coronavirus.“

Aber er verstehe, dass Leute sich Sorgen machen. Er selbst nicht. „Ich habe keine Vorerkrankungen, meine Lunge ist gesund.“ Er rückt seinen Rucksack zurecht und geht weiter, vorbei an Webasto.

Bei den Erkrankten handelt es sich um eine 33-jährige Frau und drei Männer, 27, 33 und 40 Jahre alt. Sie alle werden auf der Isolierstation der Münchner Klinik Schwabing betreut und seien komplett „symptomfrei“, wie Chefarzt Clemens Wendtner am Mittwochnachmittag mitteilte. „Die Vier sind pumperlgsund.“ Ihnen sei so langweilig, dass sie ständig fragten, wann sie entlassen werden. Das geschehe aber nicht, solange sie positiv auf das neuartige Virus getestet würden. 80 Menschen im Umfeld der Betroffenen werden noch untersucht. Die Ergebnisse sollen an diesem Donnerstag vorliegen.

Auf den Straßen von Stockdorf ist weniger los als sonst

In Stockdorf, das zum größeren Gauting gehört, ist auf den Straßen auch weniger los als sonst. Das merkt Klaus Wender, der in der nahen Jet-Tankstelle arbeitet. Er deutet Richtung Webasto-Parkplatz. „Schauen Sie sich um, der ist ja fast komplett leer.“

Die Tank-Kunden sprächen schon über das Virus. Bisher aber seien die Unterhaltungen noch entspannt, fast spaßig. „Die Leute sagen, pass auf, als nächstes kommt es zu euch.“ Er selbst, ein hemdsärmeliger Mann mit freundlichem Lächeln, hat kein Desinfektionsspray hinter der Theke und zieht auch nicht bei jedem, der angeschlagen aussieht, den Mundschutz hervor. „Wir haben so hohe Hygienevorschriften, weil wir hier auch Backwaren verkaufen. Die reichen völlig, um sich auch vor Corona zu schützen.“ Hofft er jedenfalls.

Lesen Sie dazu auch: Coronavirus: Warum der Kindergarten in Kaufering nicht geschlossen wird

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