1. Startseite
  2. Bayern
  3. Teure Therapie für Ansbacher Attentäter beim Verein Exilio

Lindau

18.10.2016

Teure Therapie für Ansbacher Attentäter beim Verein Exilio

Tatort Ansbach: Der 27-jährige Syrer Mohammad D. hatte im Juli in der Nähe einer Weinstube einen Sprengsatz gezündet.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Für die Behandlung des späteren Ansbacher Attentäters beim umstrittenen Lindauer Verein Exilio hat der Freistaat 6600 Euro ausgegeben.

6632 Euro hat der Freistaat Bayern für die Therapie ausgegeben, die Mohammad D., der spätere Attentäter von Ansbach, beim umstrittenen Lindauer Verein Exilio gemacht hat. Das erfuhr der Würzburger Abgeordnete Georg Rosenthal (SPD) durch eine Anfrage im Landtag. An der Eignung des Exilio-Therapeuten bestand laut Recherchen unserer Zeitung schon vor dem Attentat Zweifel. Und auch die dubiosen Geschäftspraktiken Exilios werden seit Langem kritisiert – unter anderem von ehemaligen Mitarbeitern und Mitgliedern (wir berichteten). Von alledem will Sozialministerin Emilia Müller aber nichts gewusst haben.

Der Landkreis hatte die Zusammenarbeit mit Exilio 2015 aufgekündigt

In ihrer Antwort auf Rosenthals Anfrage listet Müller fünf Therapiephasen auf, für die D. sich jeweils eine knappe Woche lang am Bodensee aufhielt. Allein Fahrt und Unterbringung kosteten demnach 1500 Euro. Auf kritische Fragen des Landtagsabgeordneten Rosenthal zur Qualifikation des Heilpraktikers Axel von Maltitz und zu Exilio, das von seiner Frau geleitet wird, gibt sich die Ministerin ahnungslos.

Auch das zuständige Sozialamt der Stadt Ansbach hat sich demnach nicht nach der Eignung von Exilio als Therapieeinrichtung erkundigt. Die Wahl der Einrichtung sei durch die gesetzliche Betreuerin Mohammad D.s erfolgt. Die Tatsache, dass Heilpraktiker von Maltitz keine Approbation besitzt, spielte dabei offenbar ebenso wenig eine Rolle wie die offene Auseinandersetzung, die sich Landratsamt Lindau und Exilio über Jahre hinweg lieferten. Obwohl der Lindauer Landrat Elmar Stegmann in dieser Sache wiederholt an Emilia Müller geschrieben hat, war der Ministerin nach eigenem Bekunden nicht bekannt, dass der Landkreis jede Zusammenarbeit mit Exilio schon 2015 aufkündigte.

Abgeordneter Rosenthal forderte das Sozialministerium derweil auf, sich verstärkt um ein angemessenes Angebot qualifizierter Therapieplätze für Flüchtlinge zu kümmern.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Prozessauftakt: «Falscher Rechtsanwalt» wegen Betrugs vor Gericht
Prozess

Raubzüge bis ins Allgäu: "Postkartenräuber" in Österreich verurteilt

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen