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Prozess in Kempten

19.02.2020

Tödliches Ende einer Geburtstagsfete: Mann zu neun Jahren Haft verurteilt

Der Kasache hatte nach Überzeugung der Kammer in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einer Wohnung in Lindenberg im Kreis Lindau einen 56 Jahre alten Landsmann erstochen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Zunächst wird ordentlich gefeiert auf der Party im vergangenen Sommer im Allgäu. Viel Alkohol fließt wohl von Anfang an. Dann kommt es zum Streit – und ein 56-Jähriger stirbt.

Wegen Totschlags hat die Große Strafkammer des Kemptener Landgerichts einen 43 Jahre alten Mann zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Kasache hatte nach Überzeugung der Kammer in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einer Wohnung in Lindenberg im Kreis Lindau einen 56 Jahre alten Landsmann erstochen.

Die Klinge drang 24 Zentimeter in den Körper ein

Drei Einstichstellen wurden bei der Obduktion festgestellt: in Bauch, Brust und in einen Oberarm. Ein Stich in den Bauchraum des Mannes war so heftig, dass die Klinge 24 Zentimeter in den Körper eindrang. Verschiedene Organe wurden durchtrennt, darunter Lunge, Zwerchfell und Leber.

Am Nachmittag des 13. Juli vergangenen Jahres hatte die Geburtstagsfeier gegen 16 Uhr begonnen. Gleich von Beginn an floss wohl reichlich Alkohol: Wein und auch Hochprozentiges, vor allem Wodka. Bereits am Vormittag dieses Tages habe er auch Bier getrunken, schildert der Angeklagte. Nach Mitternacht – die meisten Gäste waren schon nach Hause gegangen – kam es dann zum Streit zwischen dem 43-Jährigen und dem 56 Jahre alten Stiefvater seiner Lebensgefährtin.

Tödliches Ende einer Geburtstagsfete: Mann zu neun Jahren Haft verurteilt

Den genauen Hergang dieser Auseinandersetzung zu rekonstruieren, war schwer. Denn sowohl Opfer als auch Täter waren erheblich alkoholisiert. Ebenfalls in der Wohnung anwesend war zum Zeitpunkt des Streits noch die Lebensgefährtin des 43-Jährigen. Die aber befand sich auf der Toilette, als der Streit eskalierte und der jetzt Angeklagte zum Messer griff. Während der Angeklagte die Zeitdauer des Streits auf 20 bis 30 Minuten schätzte, dauerte die massive Auseinandersetzung nach Angaben der Frau lediglich etwa zwei bis drei Minuten.

Der Angeklagte räumte die Tat zwar grundsätzlich ein. Er schilderte aber, dass er von dem 56-Jährigen angegriffen worden sei. Aus nichtigem Anlass habe dieser plötzlich angefangen, ihn zu schlagen, er habe ihn getreten und dann würgen wollen. Mit dem Messer aus der Küche stach der 43-Jährige schließlich zu, wie er einräumte.

„Ich bitte um Verzeihung für alles, was passiert ist“

Seine 47 Jahre alte Lebensgefährtin verständigte daraufhin Polizei und Rettungsdienst. Dem gelang es zwar, den Schwerstverletzten zu reanimieren. Doch der 56-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Noch am Tatort wurde der 43-Jährige festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Eine in der Nacht bei ihm entnommene Blutprobe ergab eine Alkoholisierung von 2,34 Promille.

Ein Grund für den Streit war möglicherweise, dass der ältere der beiden Kontrahenten dem 43-Jährigen Vorwürfe wegen dessen Alkoholkonsums machte. Gegenüber den Angehörigen des Verstorbenen entschuldigte sich der Angeklagte: „Ich bitte um Verzeihung für alles, was passiert ist“, sagte er und fügte an: „Ich liebe Euch.“

Laut Anklageschrift ist der Mann alkoholabhängig. „Nicht ausschließbar“ sei die Steuerungsfähigkeit des Mannes durch einen „mittelgradigen Rauschzustand“ erheblich vermindert gewesen. Neben der neunjährigen Haftstrafe für den Mann ordnete das Gericht auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes wegen des starken Alkoholkonsums aus. Einen minderschweren Fall des Totschlags lehnte die Kammer aber ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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