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Unterfranken

24.06.2017

Warum es in Unterfranken jetzt eine Udo-Lindenberg-Schule gibt

Udo Lindenberg ist nun Namenspatron einer Schule in Unterfranken.
Bild: Christian Charisius (dpa)

Eine Mittelschule in Unterfranken trägt seit dieser Woche den Namen von Udo Lindenberg. Wären dann auch eine Lukas-Podolski-Schule oder ein Günther-Jauch-Gymnasium möglich?

Am Ende seiner Videobotschaft zieht Udo Lindenberg die Sonnenbrille aus. Die Schüler der Mittelschule im unterfränkischen Mellrichstadt seien „echte Pioniere“, sagt der Musiker. Sie gehen seit dieser Woche ganz offiziell in die Udo-Lindenberg-Schule. Der stolze Namenspatron stellt fest: „Das gab es ja noch nie.“ Denn die Lindenbergschule in Kempten ist nicht nach ihm benannt – und heißt genau genommen Mittelschule auf dem Lindenberg. Die Verantwortlichen in Mellrichstadt erklären, sie hätten den Musiker ausgewählt, wegen der Werte, die er verkörpert: Individualität, Weltoffenheit und Mut. Die Idee entstand, als mehrere Flüchtlinge an die Schule kamen, erklärt Konrektor Achim Libischer. „Wir hatten wirklich ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit.“ Lindenberg habe immer für Toleranz gestanden, sei ein Pionier in Sachen politischer Texte. Andere Namen waren daher gar nicht im Gespräch.

Schulnamen sorgten schon manches Mal für Diskussionen

Besonders ist der Fall schon deshalb, weil eine Schule nach einer lebenden Person benannt wurde. Das ist unüblich, in Bayern war es sogar lange nicht möglich. Erst 2005 wurde die Richtlinie abgeschafft. Ähnlich ist das auch in anderen Bundesländern, Ausnahmen gibt es aber. Besonders häufig bei Helmut Schmidt. Nach dem – mittlerweile gestorbenen – Altkanzler wurden bereits zu Lebzeiten mehrere Schulen benannt.

Die Namenswahl einer Schule löst immer wieder Streit aus. In Pullach bei München etwa, als die Gemeinde ihr Gymnasium 2013 nach dem kurz zuvor gestorbenen Ottfried Preußler benannte. Mehrere Gemeinderäte empfanden einen Kinderbuchautor für ein Gymnasium als unpassend. In Neu-Ulm sorgte der Name der Mark-Twain-Grundschule, die im September 2018 öffnen soll, für Kritik. Die Schule entsteht in einem Areal, in dem einst die US-Armee stationiert war – daher soll sie nach dem amerikanischen Autor benannt werden. Kritiker wünschten sich den Namen einer lokalen Berühmtheit, im Idealfall einer Frau. Und das ehemalige Wernher-von-Braun-Gymnasium heißt seit 2014 nur noch Staatliches Gymnasium Friedberg – denn der Raketenpionier von Braun war an NS-Verbrechen beteiligt.

Die Namensgebung hat einen ernsten Hintergrund

Die Namensgebung von Schulen ist in Bayern im Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen festgelegt. In Mellrichstadt seien die nötigen Zustimmungen von Lehrerkonferenz, Schülermitverantwortung und Elternbeirat „keine große Hürde“ gewesen, sagt Konrektor Libischer. Danach muss die entsprechende Kommune ebenfalls ihr Okay geben – weil die Schule in Mellrichstadt zu einem Schulverband gehört, waren es sogar elf Gemeinden. Doch die Entscheidung fiel einstimmig aus. Zuletzt wird der Schulträger gefragt. Bei der staatlichen Mittelschule ist das die Regierung von Unterfranken. Bei einem staatlichen Gymnasium würde hingegen das Kultusministerium entscheiden. Das teilt mit: „Was im Einzelnen als Name verwendet werden kann, ist gesetzlich nicht geregelt.“ Vonseiten der Regierung von Unterfranken heißt es, die Regierung entscheide „nach schulischen und öffentlichem Interesse“. Man habe keine Gründe gesehen, die Schule nicht so zu nennen.

Libischer sagt, bei einer lebenden Person sei das ein Vertrauensvorschuss. Man müsse sicher sein, dass die Person ihre Einstellungen und ihr Auftreten nicht ändert. Bei Lindenberg sei das aber keine Gefahr: „Er kämpft seit 45 Jahren für die gleiche Sache.“ Doch zeitweise war unklar, ob sich der Musiker mit Drogen- und Alkoholvergangenheit als Namenspatron eignet. Weil am Flughafen eine Pistole in seinem Koffer gefunden wurde, ermittelten die Behörden. Lindenberg sagte, die Waffe gehöre seinem Bodyguard. Die Umbenennung lag auf Eis, bis das Verfahren eingestellt wurde.

In Mellrichstadt war Lindenberg bisher noch nicht – aber bei einem Treffen mit einigen Schülern erklärte er, er wolle bald vorbeikommen. Auch wenn Libischer der Besuch freuen würde, erklärt er: „Das steht nicht im Vordergrund.“ Ziel der Aktion sei ja kein Konzert. Die Namenswahl sei etwas Nachhaltiges.

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