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Allgäu: Gegen das Wirtshaussterben: So retten drei Dörfer ihre Wirthäuser

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Gegen das Wirtshaussterben: So retten drei Dörfer ihre Wirthäuser

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    Weil die Gemeinde Günzach den Gasthof "Hirsch" kaufte, blieb die Dorfwirtschaft im Ort erhalten. Andreas Brenner betreibt den Gasthof in Günzach erfolgreich.
    Weil die Gemeinde Günzach den Gasthof "Hirsch" kaufte, blieb die Dorfwirtschaft im Ort erhalten. Andreas Brenner betreibt den Gasthof in Günzach erfolgreich. Foto: Felix Ebert

    Das Wirtshaussterben in Bayern geht weiter. Betroffen sind vor allem kleinere Orte, die kaum touristisch geprägt sind. "Es besteht die Gefahr, dass das Wirtshaus seine Funktion als Kulturgut verliert", sagt Prof. Marco A. Gardini, stellvertretender Leiter des Bayerischen Zentrums für Tourismus in Kempten. So habe eine Online-Umfrage mit über 200 teilnehmenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus Orten mit weniger als 10.000 Einwohnern ein klares Ergebnis gebracht. Befragt, ob sie dass neben der Kirche auch die Wirtschaft im Dorf bleibt? Wir stellen drei Beispiele aus dem Allgäu vor.

    In Günzach hat die Gemeinde die Wirtschaft einfach gekauft

    Gemeinde kauft Wirtschaft: Für den Erhalt "ihres" Gasthofes sprang beispielsweise die Gemeinde Günzach (Kreis Ostallgäu) in die Bresche. Der "Hirsch" stand nach der Aufgabe 2009 drei Jahre lang leer. Um ihn als zentralen Anlaufpunkt zu erhalten, kaufte ihn die Gemeinde dem bisherigen Eigentümer für 225.000 Euro ab. Die Entscheidung im Gemeinderat war nicht unumstritten, erinnert sich die heutige Bürgermeisterin Wilma Hofer (Pro

    Die "Traube" in Altusried wird von einer Genossenschaft geführt

    Genossenschaft beteiligt sich: Mit einem Kraftakt gelang es engagierten Bürgern vor zehn Jahren, die "Traube" in Frauenzell, einem Ortsteil von Altusried (Kreis Oberallgäu), vor dem Verfall zu retten. Sie gründeten eine Genossenschaft. Erstaunlich: Über 200 Bürgerinnen und Bürger aus dem knapp 900-Einwohner-Dorf kauften Anteile zu jeweils 500 Euro. Zudem wurde die Gemeinde

    Der Wirt ist angestellt: Diese Lösung funktioniert in Wolfertschwenden

    Gemeinde bezahlt Wirt: Erich Petermichl vom Vereinsheim Wolfertschwenden (Kreis Unterallgäu) ist wohl der einzige Wirt im Allgäu, den die Gemeinde bezahlt. Das bedeutet: Anstellung im Öffentlichen Dienst. Das Vereinsheim ist zugleich die einzige Wirtschaft in dem 2000-Einwohner-Dorf. "Das ist ein Erfolgsmodell, das wir uns als Gemeinde leisten", sagte Bürgermeisterin Beate Ullrich (CSU). Auf den Weg gebracht hatte die seltene Konstellation ihr Vorgänger Karl Fleschhut (Freie Wähler). Als 2018 der damalige Wirt aufhörte, wurde trotz bundesweiter Suche kein neuer Pächter gefunden. So entstand die Idee, einen Wirt und das etwa fünfköpfige Mitarbeiterteam (Minijobber und Teilzeitkräfte) selbst zu bezahlen - und die Wirtschaft zu erhalten. Würde Ullrich das Modell anderen empfehlen? "Ja. Aber man muss es sich als Kommune leisten können. Wir stehen finanziell sehr gut da, deshalb geht es. Rein rechtlich ist wichtig, dass es keine weiteren Wirtschaften im Ort gibt."

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