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Weltkindertag

20.09.2014

Anwälte der Schwächsten

Eine Mitarbeiterin des Jugendamts erzählt aus ihrer Arbeit

Kinder halten manchmal viel aus, sagt Bianca Egger. Besonders die, die von ihren Eltern nicht gut behandelt werden, haben paradoxerweise in vielen Fällen eine richtig starke Bindung an Mama und Papa. „Deshalb dauert es oft sehr lange, bis sie sich öffnen und erzählen, wie es eigentlich wirklich ist.“ Bianca Egger ist Diplomsozialpädagogin. Seit zehn Jahren arbeitet sie beim Amt für Jugend und Familie in Dillingen, sprich beim Jugendamt. Dabei wird sie immer wieder mit schlimmen Schicksalen konfrontiert, mit Familien, die nicht funktionieren, in denen Kinder missbraucht, verprügelt und psychisch gequält werden.

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So wie beispielsweise das übergewichtige Mädchen, das vom eigenen Vater immer wieder als „fette Sau“ beschimpft wurde und jetzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist. Oder das Kind, das zur Strafe stundenlang schreiben musste. Bianca Egger und ihre Kollegen sind es, die in solchen Fällen die Anwälte der Kinder sind, die sich selbst oftmals nur schwer wehren können. Sie und ihre Kollegen vom Allgemeinen Sozialen Dienst gehen in die Familien, wenn die Eltern sich selbst melden, wenn sie über die Polizei, die Schulsozialarbeit oder die psychologische Beratungsstelle eingeschaltet werden – aber auch, wenn etwa besorgte Nachbarn anrufen. „Wir gehen jeder Meldung nach.“

Gerade die Anrufe aus der Bevölkerung haben in den vergangenen Jahren, nachdem in den Medien immer wieder von schlimmen Fällen die Rede war, zugenommen, sagt Egger. Und damit auch die Fälle, in denen das Jugendamt bei einer Familie vorbeischaut. „Die Menschen schauen genauer hin. Das ist gut. Lieber ruft man einmal zu früh als einmal zu spät an.“ Schließlich bedeute ein Besuch vom Jugendamt nicht, dass der Familie das Kind gleich weggenommen wird. Ein Kind aus einer Familie herauszunehmen sei stets der allerletzte Schritt. So etwas werde immer im gesamten Team besprochen und letztlich vom Familiengericht entschieden.

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„Viele haben Angst, meinen, wenn ich einen Fuß ins Jugendamt setze, dann ist mein Kind weg. Dabei können wir viele Hilfen anbieten.“ Das kann eine Vermittlung zur Schreibabyambulanz oder zur psychologischen Beratungsstelle sein. Oder aber der Einsatz einer Fachkraft, die zu Hause mit der Familie arbeitet. Denn Kinder und ihre Eltern, das könne man nicht getrennt voneinander betrachten. „Nicht umsonst gibt es beim Kinderschutzbund einen Kurs mit dem Namen ‚Starke Eltern, starke Kinder.‘“

Als Anwälte der Kinder wachen Bianca Egger und ihre Kollegen besonders über drei der zehn von der Unicef formulierten Kinder-Grundrechte. Das ist zum einen das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. „Ein Kind zu schlagen, ihm auch nur eine Ohrfeige zu geben: das darf nicht sein. Da muss es auch andere Wege geben. In der Schule wird auch nicht geschlagen, und da kann man auch Grenzen setzen.“

Daneben hat beim Jugendamt das Recht, gehört zu werden und sich mitzuteilen, eine große Bedeutung. „Bei uns kann jedes Kind kommen und sich beraten lassen.“ Eine Möglichkeit, die durchaus einige in Anspruch nehmen – oft nach Zuspruch von der Schulsozialarbeit. Und dann ist da natürlich noch das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause. Die meisten Kinder, sagt Bianca Egger, haben das alles heute noch. Und allen anderen wollen sie und ihre Kollegen dabei helfen, dass sie das auch von sich behaupten können.

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