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Konzert

27.01.2020

Der Rebell von einst ist ein bisschen zahmer geworden

Hans Söllner verbreitet nicht mehr nur ätzende Kritik gegen fast alles, sondern auch Melancholie.

Mehr als 400 eingeschworene Besucher wollen Hans Söllner im Dillinger Stadtsaal hören

Sicher ist es immer noch die Botschaft, die Hans Söllner seit beinahe 30 Jahren in seinen Bühnenauftritten seinem Publikum mitgibt: „Sag deine Meinung, sei authentisch.“ Dies garniert mit deftigen bayerischen Ausdrücken, Geschichten über seinen Kleinkrieg gegen „die da oben“, zu denen für ihn jeder gehört, der den Staat repräsentiert. Ob das der Mitarbeiter des Landratsamtes ist, der ihn „bittet“, nun endlich seinen Führerschein abzugeben, oder die Polizisten, die ihn immer noch mit ihren Fahrzeugkontrollen behelligen.

Solche Geschichten machen beinahe den größeren Teil des zweieinhalb Stunden langen Konzertes in Dillingen aus als seine Lieder. Er kritisiert im Stadtsaal Ungerechtig- und Schlechtigkeiten dieser Welt, schimpft auf Politiker, dass es nur so kracht, prangert die Bauern ob ihrer durch Gift erzeugten Überproduktion mit den Worten an: „Ich will keine Angst davor haben, was ich kaufe.“ Er beschimpft die Massenerzeugung an „Hendln, denen sie kaltherzig die Schnäbel abschneiden und gleichzeitig beteuern, wie lieb sie ihre Tiere doch haben“.

Dabei fordert er die mehr als 400 eingeschworenen Besucher im Dillinger Stadtsaal auf, mindesten die nächsten 365 Tage kein Hähnchenfleisch mehr zu essen. Und er predigt weiterhin freien Marihuana-Konsum, was ihm schon reichlich Ärger einbrachte. Doch dafür lieben sie ihn, den Rasta aus Bad Reichenhall, wo er nun Oberbürgermeister werden will, den bayerischen Freiheitskämpfer aus dem Berchtesgadener Land, der seine manchmal auch scharfsinnigen Texte mit Nachdenklichem und Privatem mischt. Doch irgendwie verfällt er dabei auch in die Melancholie des Älterwerdens. Vielleicht wird alles gut, vielleicht auch nicht. Trostlosigkeit, Leere, Einsamkeit, Liebe, Gott und der gegenseitige Respekt. Auch diesen Themen, widmet sich Söllner in seinen Liedern.

Da kommt Wehmut auf wenn er singt: „Hey liaba Gott, i mecht di heid amal a bissal loben, mecht dankschön songn zu dir.“ Wie einst Bob Dylan verkündet er seine Botschaft mit Gitarre und Mundharmonika an den „voigfressenen“ Joschka. „Ich hab’ dich kennengelernt im Frühling, da warst du aufrecht, frech und laut.“ Und bevor er das Lied Edeltraud intoniert („oh Edeltraud, he du host ein sauguats Gros obaut“), bei dem der ganze Saal mitsingt, scheint sich der Rebell aus Bad Reichenhall mit dem Lied „Manchmoi wenn I aufwach“ wieder so richtig in seiner Welt der Trostlosigkeit zu befinden. Söllner wechselt in Sekundenbruchteilen von derben Scherzen zu ernsten Themen und zurück.

Er singt für ein afrikanisches Mädchen und sammelt Geld für eine Organisation, die sich gegen Genitalverstümmelung einsetzt. Ein Blatt nimmt Söllner auch diesmal im Stadtsaal von Dillingen nicht vor den Mund. Ohne Zugabe geht nichts. Doch irgendwie war Söllner doch anders als vor 20 Jahren. Ein bisschen zahmer.

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