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Buttenwiesen

26.07.2020

Der richtige Weg zum eigenen Bienenvolk

Markus Greiner ist Schriftführer im Imkerverein Wertingen. Die Imkerei fasziniert ihn seit vielen Jahren, er selbst besitzt etwa 14 Bienenvölker. Ein Volk besteht aus bis zu 35000 Bienen.

Plus Das Interesse an den faszinierenden Insekten sei seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ stark angestiegen, sagt Imker Markus Greiner. Wer sich selbst in dem Hobby versuchen will, der muss einiges beachten.

Bevor Markus Greiner seinen Bienen persönlich guten Tag sagt, macht er sich die Imkerpfeife an. Ein Gerät, das in der Wirkung der Tabakpfeife nicht so unähnlich ist. Doch Greiners Paffen beruhigt nicht ihn selbst, sondern die Bienen – oder besser gesagt es stellt sie ruhig. Denn auf den Rauch der Pfeife reagieren sie, indem sie sich mit möglichst viel Honig beladen. Daraufhin sind sie derart träge, dass sie den Elan zum Angriff auf den Störenfried nicht mehr aufbringen können.

So erzählt es Markus Greiner, der so seelenruhig mit seinen Bienen hantiert, als könnten die kleinen Tierchen überhaupt nicht stechen. 14 Völker mit jeweils bis zu 35000 Bienen besitzt der Wortelstettener, der eigentlich IT-Fachmann ist. Nach der Arbeit schaut er gerne nach den emsigen Tierchen, die ein komplexes Sozialgefüge innerhalb der sogenannten Völker aufbauen. Nur eine einzige Königin hat ein solches Volk. Diese wird von tausenden weiblichen Arbeiterbienen umsorgt und gefüttert. Auf Störungen reagieren die Arbeiterinnen oft recht aggressiv und stechen auch einmal zu. In die Bienenwaben lagern sie den Blütenstaub ein, einen Mix aus Honig und Pollen. Dieser dient als Energiequelle für die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, welche die Königin quasi am Fließband legt.

Der Wortelstettener Imker Markus Greiner gibt Tipps für den Start

Soweit die Theorie. Das Basiswissen über die westliche Honigbiene kann sich jeder auf Portalen wie Wikipedia oder Youtube im Internet aneignen, weiß der IT-Fachmann Greiner. Der Experte sieht darin auch eine Gefahr. „Wir sehen Tendenzen, dass durch den allgemeinen Trend ‘Rettet die Bienen’, Menschen einfach mal Bienen im Internet kaufen und versuchen, diese auf eigene Faust zu halten“, sagt Greiner. Davon raten er und seine Kollegen des Imkervereins Wertingen dringend ab. Das hänge nicht einmal primär von den Angeboten im Internet ab, sagt Greiner, es gebe dort durchaus seriöse Anbieter. Ein Einsteigerset mit allen nötigen Utensilien und Bienenvolk sei ab etwa 400 Euro zu haben.

Greiner und seine Kollegen sehen das Problem eher in der Selbstüberschätzung der Selfmade-Imker. „Es gibt einfach viele Dinge bei der Imkerei, die kann man nicht über das Internet oder in kleinen Videos lernen“, sagt er. Beispielsweise, wie man Krankheiten wie die amerikanische Faulbrut erkennt. Diese ist für die Bienen hochansteckend und muss beim Veterinäramt gemeldet werden. Oder die Bienen richtig einzuschätzen, ob sie einen stechen werden oder nicht. Vor allem aber, wie man sie über den Winter bringt. „Nach unserer Erfahrung wird der Käufer – ich sage bewusst nicht Imker– es jedoch nicht schaffen, die Bienen über den ersten Winter zu bekommen“, sagt Greiner.

Die Vernetzung mit erfahrenen Imkern ist essentiell wichtig

Es sei denn, er mache einen Imkerkurs und vernetzt sich mit erfahrenen Imkern. Neben Wertingen gibt es in der Region auch in Höchstädt, Lauingen, dem Kesseltal, dem Bachtal, Gundelfingen und Holzheim.

Beim Wertinger Imkerverein werden seit drei Jahren strukturierte Ausbildungskurse angeboten, die ein Jahr, manchmal auch zwei Jahre dauern. Der Praxisanteil sei dabei hoch, ein Teil der Ausbildung bestehe aber auch aus Kursen der Imkerschule Schwaben in Kaufbeuren-Kleinkemnat. Pro Jahr würden hier zehn Jungimker ausgebildet – normalerweise. Denn wie überall hat auch bei den Imkern Corona die üblichen Abläufe durcheinandergebracht. Lediglich drei Jungimker durchliefen heuer die Ausbildung, sagt Greiner. Auch gestützt von moderner Technik wie Video-Konferenz-Tools wurden die Imker-Einsteiger in die Geheimnisse dieses faszinierenden Hobbies eingeweiht.

Für den Einstieg brauche man neben Equipment im Wert von ein paar hundert im Idealfall einen Garten, in dem die Bienen Nahrung finden – sprich, in dem verschiedene Blumen blühen. Was weniger bekannt sei: Bienen benötigen auch Wasser, sagt Greiner. Ein kleiner Teich sei ideal. Ist ein solcher nicht vorhanden, könne es schon mal passieren, dass die Bienen vermehrt den Swimmingpool des Nachbarn besuchen.

Kein Garten vorhanden? Imker kann man trotzdem werden

Wer keinen Garten hat, der muss den Traum vom eigenen Bienenvolk noch nicht aufgeben, sagt Greiner. Prinzipiell sei es auch möglich, ein solches auf einer Dachterrasse oder einem Balkon zu halten. Das einzige Ausschlusskriterium sei eine Allergie gegen Bienenstiche. Denn gestochen werde selbst der vorsichtigste Imker einmal, sagte Greiner – er selbst ungefähr 20 Mal pro Jahr. Während des Gesprächs mit unserer Zeitung sticht ihn eine Biene in den Finger, woraufhin er aber kaum eine Miene verzieht. Der Finger schwillt ein bisschen an, mehr passiere aber kaum noch, sagt er, wie viele andere Imker habe er mittlerweile eine Resistenz gegen das Gift der Bienen aufgebaut.

Wer die warmen Sommermonate noch damit verbringen will, sich ein eigenes Bienenvolk anzuschaffen, dem sagt Greiner: Er ist zu spät dran. Wer jetzt noch auf eigene Faust und gegen den Rat der erfahrenen Imker ein Volk über das Internet kauft, der werde dieses nicht über den Winter bringen. Wer jedoch schon einmal in das Hobby hineinschnuppern wolle, der könne sich schon einmal mit einem Imkerverein in seiner Nähe kurzschließen – und sich deren Arbeit aus der Nähe anschauen.

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