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Energie

31.01.2019

Durchs Schneetreiben zur Sonnenkampagne

Ein Bürgermeister hat schon das Potenzial seines Hausdaches geprüft. Wo lohnt sich Photovoltaik?

„Ich kenne viele hier im Saal nicht, aber das freut mich umso mehr“, sagte Gerrith Maneth am Montagabend. Was den Bürgermeister von Höchstädt so erbaute, war ein brechend voller Saal in den Pfalz-Neuburg Stuben, wo es für viele nur noch Stehplätze gab. Und dass Gerrit Maneth viele Gäste nicht kannte, zeigte ihm, dass „Interessierte aus dem ganzen Landkreis“ trotz dichten Schneetreibens nach Höchstädt gefunden hatten.

Thema des Abends war aber nicht der Schnee, sondern der Auftakt zur „Sonnenkampagne“ des Landkreises Dillingen. Damit will Landrat Leo Schrell die Energiebilanz im Landkreis verbessern und die Energiewende aktiv vorantreiben.

Dazu ist aber ein „deutlicher Zuwachs an Erzeugungsanlagen notwendig“, so Christian Weber vom Landratsamt. Das höchste Potenzial, um das zu erreichen, biete die Photovoltaik (PV). Mit einem Kataster, also einem Verzeichnis aller Hausdächer im Landkreis, sollen den Hausbesitzern nun deutlich gemacht werden, welche Energiepotenziale auf ihren Hausdächern schlummern.

Auch wenn das Wortungetüm „Solarpotenzialkataster“ eher abschreckend wirkt, das Programm im Internet (www.solare-stadt.de/landkreis-dillingen) ist nutzerfreundlich, übersichtlich strukturiert und bietet handfeste Ergebnisse. Nachdem es erstmals im Umweltausschuss des Landkreises vorgestellt worden war (wir berichteten), „habe ich auch gleich nachgeschaut, über welches Potenzial mein Haus verfügt“, gesteht Maneth.

Wie der Höchstädter Bürgermeister machen es zurzeit viele Menschen im Landkreis. Quasi spielend ertasten sie am PC das Sonnen-Potenzial ihres eigenen Hausdachs: sie konfigurieren und simulieren, berechnen Investitionen, Einsparungen und Renditen und können per Mausklick virtuell sogar Solarpanel auf dem Dach platzieren und verschieben. Sie sehen zum Beispiel auch wie groß Dachfläche und -neigung sind, wie viele PV-Module sinnvoll sind und wie viele Kilowatt pro Jahr erzeugt werden. Auch die Nutzung eines Elektroautos kann man bei der Berechnung berücksichtigen oder sich Ertrags- und Verbrauchs- und Wirtschaftlichkeitskurven beim Einsatz von Solarthermie anzeigen lassen. Dies alles demonstrierte sehr ausführlich Robert Immler vom Energie und Umweltzentrum Allgäu (eza). Immler macht vor allem aber auch deutlich, welche Einsparungspotenziale bei vielen Hausbesitzern langfristig vorhanden sind.

Freilich, das Kataster verzeichnet nur den Altbestand an Häuser. Wer aktuell sein Häusle baut, findet seine Dachflächen im Kataster zwangsläufig nicht. Als Notlösung empfahl Immler einem Zuhörer, die Daten vom Nachbarshaus zu nehmen. Allerdings werden die Geodaten jährlich aktualisiert. Weitere Fragen bezogen sich auf Entsorgung (kostenlos), Stromspeicher-Dimension (Faustregel: Verbrauch geteilt durch 1000) und Haltbarkeit (10000 Zyklen bei 250 Zyklen pro Jahr etwa 20 Jahre), dem Einfluss von Donaunebel (nicht entscheidend), wie die Stromeinspeisung nach 20 Jahren ausschaut, wenn die eeg-Vergütung wegfällt oder welche Steuern bei Eigenverbrauch (Kleinunternehmer: keine) anfallen.

Im persönlichen Gespräch wurden viele weitere Frage geklärt, auch mit Unterstützung durch Firmenvertretern von LEW, Erdgas Schwaben, EnBW und GP Joule. Robert Immler machte allerdings auch deutlich, dass das Kataster nicht die Beratung durch einen Fachmann erspare: „Es bietet aber eine gute Grundlage für das Fachgespräch“. Der Landkreis Dillingen nimmt seit 2015 – mit 45 weiteren Kreisen und 261 Kommunen – am Europäischen Energiepreis eea (engl. european energy award) teil. Ende des Jahres wird es ein „externes Audit“ geben, betonte Christian Weber.

Das heißt, die Anstrengungen des Landkreises Dillingen werden dann von externer Seite unter die Lupe genommen und überprüft. Dann könnte es auf der Internetseite des eea (https://www.european-energy-award.de/) heißen: Landkreis Dillingen „eea-zertifizierter Landkreis“. Foto: Fotolia

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