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Haunsheim

09.06.2018

Ehemaliges Gasthaus Adlersteht vor dem Abriss

Eine Untersuchung zeigt: Das Gebäude in Haunsheim ist in einem katastrophalen Zustand. Nun überlegt die Gemeinde, wie es weitergeht.

Man muss nicht in das Gebäude hineingehen, um zu sehen, dass es seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat. Fenster sind kaputt oder fehlen komplett, Kabel hängen aus der Wand, neben dem Eingang breiten sich die Spinnweben zentimeterdick aus. Das ehemalige Gasthaus Adler in Haunsheim steht seit Jahren leer und ist komplett verwahrlost. Und nicht nur das: Die Bausubstanz des historischen Gebäudes ist in einem katastrophalen Zustand. Das ist das Ergebnis einer denkmalpflegerischen Voruntersuchung. Die hat die Gemeinde Haunsheim im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und dem Landesamt für Denkmalpflege in Auftrag gegeben. Bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend wurden die Erkenntnisse bekannt gegeben.

Demnach macht vor allem die Statik Probleme. „Ein funktionierendes statisches System ist nicht mehr vorhanden“, heißt es im Untersuchungsbericht. Schuld daran ist vor allem, dass bei diversen Umbauten, gerade beim kompletten Umbau in den 1970er-Jahren, statische Belange nicht berücksichtigt worden seien. Diese „unsachgemäß“ durchgeführten Baumaßnahmen seien verantwortlich dafür, dass das gemeindeeigene Gebäude nun sogar einsturzgefährdet ist. Weiteres Problem ist die Nässe. Durch einen Schaden am Dach ist Regen eingedrungen. Das habe die Wände stark durchfeuchtet und zu einer massiven Schimmelbildung geführt, heißt es. Es sei davon auszugehen, dass holzzerstörende Pilze in den organischen Bauteilen vorhanden seien. Ebenso sei damit zu rechnen, dass die Zementplatten an den Fassaden asbesthaltig seien. Wer sich im Gebäude aufhält, braucht laut Expertenmeinung eine Schutzausrüstung.

Auch ein historischer Wert ist in dem Gebäude in der Schulstraße kaum noch zu erkennen. Und das, obwohl der Hauptbau bereits im Jahr 1669 entstanden ist. Die weiteren Anbauten folgten bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Beim Umbau in den 1970er-Jahren seien weitgehend alle historischen Elemente entfernt worden. Denkmalwert besitzen nur noch der Dachstuhl sowie der äußerste Anbau.

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Erhaltenswert ist der Großteil der Gebäudeanlage also nicht mehr. Zumal eine Sanierung das Budget der Gemeinde sprengen würde. 2,5 Millionen Euro würde die Instandsetzung kosten. „Das ist für uns nicht darstellbar“, sagte Bürgermeister Christoph Mettel. Das ehemalige Gasthaus Adler steht deshalb vor dem Abriss. Der Gemeinderat war einstimmig dafür, beim Landratsamt den Abbruch aller Gebäudeteile bis auf den äußersten Anbau zu beantragen.

Für Haunsheim wäre dies ein historischer Schritt. Das Bauwerk gehört zu den ältesten Häusern der Gemeinde. Die Entscheidung, große Teile davon abreißen zu wollen, fiele ihm nicht leicht, sagte Mettel. „Mir tut das im Herzen weh.“ Immerhin handele es sich um eines der zentralen Gebäude der Gemeinde. „Jeder Haunsheimer ist damit aufgewachsen“, betonte der Bürgermeister und erzählte etwa von zahlreichen Faschingsfeiern oder Geburtstagen. Zumal ihm auch etwas anderes Sorge bereite. „Ich will nicht als Abrissbürgermeister in die Annalen eingehen“, sagte er. Bereits das Verschwinden des Gasthauses „Weißes Ross“ im vergangenen Jahr fiel in seine Amtszeit.

Dass die Maßnahme jedoch notwendig ist, davon ist der Gemeinderat überzeugt. Die Mitglieder des Gremiums hatten sich bei einem Vor-Ort-Termin ein Bild vom Zustand des Bauwerks gemacht. „Das Gebäude ist nicht mehr haltbar“, fasste der Zweite Bürgermeister Georg Urban zusammen. Auch der Dritte Bürgermeister Robert Mettel sagte: „Es war ernüchternd, aber wir haben alle gesehen, dass es keinen Sinn mehr macht.“ Er machte dem Gremium deutlich: „Jetzt fängt die eigentliche Arbeit erst an.“

Denn zeitgleich zum Einholen der Abbruchgenehmigung muss die Gemeinde nun ein Konzept erarbeiten, was an dieser Stelle künftig stehen soll. „Wir sollten uns überlegen, wie wir das gesamte Areal nutzen möchten“, sagte Bürgermeister Mettel und nannte verschiedene Ideen: Von einer Wirtschaft über eine Arztpraxis bis hin zu einem Dorfladen. „Alles ist möglich“, so Mettel. Stellvertreter Urban schlug vor, an Senioren zu denken, etwa mit einem Seniorenheim. „Wenn jeder von uns nun in sich geht, bekommen wir ein Gebäude, das das Ortsbild wiederherstellt“, sagte er.

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