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Syrgenstein

10.07.2019

Feuerwehr Syrgenstein: Das gemeinsame Gerätehaus kommt

Die Feuerwehren der Syrgensteiner Ortsteile werden zusammengelegt.
Bild: Symbolfoto: Benedikt Siegert

Plus Der Gemeinderat Syrgenstein beschließt, die drei Ortsfeuerwehren zusammenzulegen. Die Diskussionen verstummen wohl trotzdem nicht. Wie es jetzt weitergehen soll.

Es gibt an diesem Abend mehrere Momente, die deutlich machen, dass diese Sitzung des Syrgensteiner Gemeinderates keine normale ist. Etwa, als Gemeinderat Maximilian Brenner wütend mit dem Finger auf Bürgermeister Bernd Steiner zeigt. „Das ist unglaublich“, ruft er. „35 Jahre haben Sie alles vor sich hergeschoben, und in Ihren letzten Jahren wollen Sie nun alles durchdrücken.“

Oder etwa, als auch der ansonsten ruhige Bürgermeister die Fassung verliert und schimpft: „Das grenzenlose Misstrauen stört mich maßlos.“ Oder, als sich ein Zuschauer zu Wort meldet und verkündet: „Ich könnte erklären, woher dieses Misstrauen kommt.“

Der Plan der Gemeinde Syrgenstein, ein gemeinsames Gerätehaus für ihre drei Ortsfeuerwehren aus Syrgenstein, Landshausen und Staufen zu errichten, weckt Emotionen. Das Thema sorgte in der Bachtalgemeinde für viele Diskussionen in den vergangenen Monaten. Widerstand regte sich in Landshausen und Staufen. Jetzt ist die Entscheidung getroffen. Der Gemeinderat hat mit 12:4 Stimmen für das gemeinsame Gerätehaus gestimmt.

Es gibt offene Fragen

Bevor es zur Abstimmung kommt, schildert Bürgermeister Steiner die Argumente, die aus seiner Sicht für den Neubau sprechen. „Die bauliche Situation in den drei Gerätehäusern ist zum Teil mangelhaft bis ungenügend“, sagt er. Die Gemeinde habe eine Sorgfaltspflicht gegenüber den Ehrenamtlichen. Die Sicherstellung des Feuerwehrwesens sei eine Pflichtaufgabe, man stehe in der Verantwortung. „Die Bürger erwarten Hilfe, wenn es brennt.“ Deshalb dürfe man nicht länger mit einer Entscheidung warten – auch wenn es innerhalb der Wehren offene Fragen gibt. Steiner betont: „Viele Antworten müssen wir gemeinsam erarbeiten.“ Nach jetzigem Stand plane man mit einem Standort am Kreisverkehr in Ballhausen. „Wenn sich der als nicht machbar herausstellt oder es einen besseren Standort gibt, können wir die Planung jederzeit revidieren.“

Der Bürgermeister spricht einen Punkt an, der viele umtreibt: die Florianstuben. So mancher sorgt sich, dass durch das neue Gerätehaus die Gemeinschaftsräume in den bisherigen Gerätehäusern aufgelöst werden. Laut Beschluss des Gemeinderates gibt es eine Zusicherung, dass die bestehenden Stuben weiterhin zur Verfügung stehen, so lange sie tatsächlich genutzt werden.

Ein Gemeinderat wünscht sich eine Zusicherung

An diesem Punkt starten die Diskussionen. Ein Mitglied des Gemeinderats wünscht sich, statt einer „Zusicherung“ eine handfeste Vereinbarung zu treffen. Das erzürnt den Bürgermeister, der „grenzenloses Misstrauen“ beklagt: „Wir haben das von Anfang an gesagt und sichern es zu, das muss doch ausreichen.“ Zustimmung erhält Steiner unter anderem von Birgit Rieß-Halkidis, die eine Zusicherung für ausreichend hält. Außerdem betont sie, dass man gerade den Jugendfeuerwehren „Top-Material“ bieten muss, um so leichter neue Mitglieder werben zu können.

Indiz für die angespannte Stimmung ist die Wortmeldung von Maximilian Brenner. Er wirft dem Bürgermeister vor, sich jahrzehntelange nicht gekümmert zu haben und jetzt, kurz bevor seine Amtszeit endet, große Projekte „durchzudrücken“. Brenner stellt den Antrag, die Entscheidung über das Gerätehaus von der Tagesordnung zu nehmen und neu anzusetzen. Der Gemeinderat lehnt dies mit 12:4 Stimmen ab. Ralf Kindelmann betont, dass es die vorhandenen Ängste und Spannungen nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten gibt. Dies spiele jedoch keine Rolle für die Entscheidung. Er hoffe, dass man nun gemeinsam mit den Feuerwehren die Zukunft gestalteten kann.

Appell an die Feuerwehren

Auch der Zweite Bürgermeister Norbert Bach meldet sich zu Wort. „An einer Zusammenlegung führt kein Weg vorbei“, sagt er. Drei Standorte zu sanieren, sei mit einem vernünftigen Umgang mit Haushaltsmitteln nicht vereinbar. In den negativen Rückmeldungen erkenne er kein kategorisches Nein, sondern offene Fragen, die im konstruktiven Dialog gelöst werden könnten, so Bach, der Verständnis für die vorhandenen Ängste und Befürchtungen äußert. Die Gemeinde müsse sich der Kritik stellen, dass nicht alles optimal gelaufen sei. Bach appelliert an die Wehren, dies abzuhaken und sich konstruktiv einzubringen.

Laut Beschluss gründet die Gemeinde für die weitere Projektentwicklung einen Planungsausschuss. Dieser besteht aus dem Bau- und Umweltausschuss sowie jeweils zwei Vertretern der örtlichen Wehren. „Dieser Ausschuss soll das weitere Vorgehen koordinieren“, sagt Steiner. Außerdem soll unter der Federführung der Gemeinde ein Feuerwehrförderverein entstehen, der sich um die Belange einer gemeinsamen Syrgensteiner Feuerwehr kümmert. Nachdem der Gemeinderat dem Projekt zustimmt, zeigt sich Steiner erleichtert. „Wir hören auf, uns im Kreis zu drehen und gehen nach vorne. Das erwarten die Bürger.“

Lesen Sie den Kommentar unseres Autors:

Misstrauen in Syrgenstein muss verschwinden

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