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Höchstädt

19.02.2019

Millionen Schadpflanzen in Höchstädter Seen gefunden

Das ist ein Bild von der sogenannten Carolina-Haarnixe, eine schädliche Unterwasserpflanze. Millionenfach kommt sie in Gewässern in Höchstädt vor und muss dringend bekämpft werden.
Bild: Landesamt für Umwelt

Plus Die gefährliche Wasserpflanze muss dringend bekämpft werden. Das ist europaweit bisher nur einmal geglückt.

Man nennt sie Carolina-Haarnixe. Oder auch Cabomba. Botaniker wissen, dass es sich hierbei um eine Unterwasserpflanze handelt. Eine, die aber im besten Fall nicht in unseren Seen und Weihern vorkommt, sondern ausschließlich hinter Glas zu betrachten ist. Sie ist nun millionenfach in Höchstädter Gewässern entdeckt worden. Was das bedeutet, erklärt Dr. Andreas Zehm, Botaniker am Landesamt für Umwelt in Augsburg.

Die Wasserpflanze wird auch als Aquarienpflanze verwendet. So kann sie keinen Schaden anrichten. Denn das Gewächs ist ein sogenannter invasiver Neophyt. Heißt: Eine Neupflanze, die laut Definition Strecken zurücklegt, die sie aus natürlichen Möglichkeiten nicht schaffen würde. Im Fall der Carolina-Haarnixe handelt es sich zudem um eine Art, welche die heimische Ökologie schädigt. Dr. Andreas Zehm beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr intensiv mit dieser Pflanze. Vor allem mit deren Ökologie und Bekämpfung. Denn bei einer Kartierung in Höchstädter Gewässern wurde die Haarnixe gefunden – und muss dort dringend entsorgt werden, bevor sie einen größeren Schaden anrichtet. „Es muss schnell etwas passieren, damit sich die Pflanze nicht noch mehr ausbreitet. Mit dem ‚Wie’ haben wir uns ein Jahr beschäftigt und ein Konzept erarbeitet, das in diesem Jahr hoffentlich erfolgreich in Höchstädt umgesetzt wird“, sagt Fachmann Zehm. Auch die Mitglieder des Höchstädter Fischervereins sind besorgt. Wie berichtet, war das Problem der Schadpflanze auch bei ihrer Jahresversammlung ein großes Thema. Vor allem stand die Frage im Raum: Wie geht es weiter?

Andreas Zehm
Bild: Landesamt für Umwelt

Herr Zehm, warum genau ist diese Pflanze so gefährlich?

Zehm: Die Pflanze ist nicht giftig. Trotzdem ist sie weltweit gefürchtet. Dort, wo sie wächst, wächst langfristig nichts anderes mehr. Das gesamte Ökosystem gerät aber aus den Fugen. Es gibt weniger Gewässerlebewesen. Zahlreiches Kleingetier findet nichts mehr zu fressen. In Australien ist es beispielsweise ein großes Problem, weil die Wasserpflanze sehr lang werden kann und so die Wasserwege blockiert.

Wie viele Gewässer sind in Höchstädt betroffen und wie wurde es entdeckt?

Zehm: Die Haarnixe ähnelt anderen Pflanzen, darum wurde sie erst jetzt gefunden. Ein Auftragnehmer des Wasserwirtschaftsamtes hat sie 2017 entdeckt. Vermutlich ist die Pflanze schon viele Jahre in den betroffenen Gewässern.

Von wie vielen Pflanzen reden wir?

Zehm: Es sind viele Einzeltriebe – genau lässt sich das nicht zählen. Ein Trieb hat einen Durchmesser von circa fünf Zentimeter, die im Gewässer dicht nebeneinanderstehen.

Gibt es solch ein Vorkommen noch woanders?

Zehm: In Deutschland aktuell nur noch einmal in Nordrhein-Westfalen.

Sie sagen, dass Sie die Wasserpflanze bekämpfen müssen. Ist das vorgeschrieben?

Zehm: Ja. Weil die Art, als eine von 23 Arten, auf der sogenannten Unionsliste steht. Das ist eine Verordnung der EU, die besagt, dass für alle Arten auf der Liste Management-Maßnahmen ergriffen werden müssen. Bei der Cabomba gibt es noch keine etablierte Bekämpfungsmaßnahme. In Mitteleuropa gab es bisher nur eine erfolgreiche Aktion. Unser Ziel ist dennoch klar: Wir wollen und müssen die Pflanze schnellstmöglich zurückdrängen, damit sie keine anderen Gewässer besiedelt. Wir haben hier auch eine Berichtspflicht gegenüber der EU.

Das heißt konkret für Höchstädt?

Zehm: Die Gewässer sind direkt an der Donau. Wir müssen verhindern, dass die Pflanze in die Donau und deren Altwasser gelangt.

Wie wollen Sie vorgehen? Wie kann die Wasserpflanze bekämpft werden?

Zehm: Wir werden differenziert vorgehen. Zum einem mit Tauchern, die sozusagen unter Wasser jäten und die Pflanzen einzeln auszupfen. Dann wenden wir ein neues Verfahren an, es heißt Hydro-Venturi. Ich beschreibe es gerne als Kärchern unter Wasser. Die Pflanzen werden aus dem Boden rausgespült und an der Wasseroberfläche eingesammelt. Und in einem Gewässer werden wir Karpfen einsetzen. Die Fische gehen an den Boden und wirbeln das Sediment auf, mit dem Effekt, dass die Pflanze im trüben Gewässer abstirbt. Wir betreten mit diesen Maßnahmen Neuland und hoffen auf eine erfolgreiche Umsetzung, sobald wir die Mittelzusage haben.

Die Höchstädter Fischer sind massiv davon betroffen. Haben sie auch Einschränkungen?

Zehm: Wir gehen davon aus, dass die Nutzungseinschränkungen nur minimal sind. Man darf weiter fischen. Einzig dort, wo wir die Karpfen einsetzen, müssen wir die Fischerei anpassen. Hierbei stehen wir in engem Kontakt mit den Fischern – die Zusammenarbeit ist vorbildlich.

Aber wie kommen denn diese schädlichen Wasserpflanzen überhaupt in die Seen nach Höchstädt?

Zehm: Wir gehen davon aus, dass Aquarienwasser ausgeschüttet wurde. Da reicht eine einzelne Person als Auslöser. So etwas kann aus falsch verstandener Liebe zu den Tieren passieren. Die Fische werden in den See geschüttet und somit werden auch andere Pflanzen dort eingeführt. Wir brauchen das Bewusstsein, dass Aquarien nicht in der Natur entsorgt werden dürfen. Die ökologischen Folgen sind enorm und wären leicht vermeidbar.

Das sagen die betroffenen Fischer: Fischer sorgen sich: In Höchstädter Gewässern ist ein gefährlicher Schädling


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