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29.07.2010

Mit Bangen auf die Lateinnote gewartet

Etwa 10 000 Schülerinnen und Schüler erhalten heute im Kreis Dillingen ihre Jahreszeugnisse. Rektorin Sabine Klimesch hat gestern Schülern in Schwenningen ihr Viertklasszeugnis präsentiert, das sehr gut ausgefallen ist. Gleichzeitig legte die Schulleiterin ihr Zeugnis der fünften Klasse vor, um zu zeigen, dass die Noten beim Übertritt ins Gymnasium schlechter werden. Fotos: Veh
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Etwa 10 000 Schülerinnen und Schüler erhalten heute im Kreis Dillingen ihre Jahreszeugnisse. Rektorin Sabine Klimesch hat gestern Schülern in Schwenningen ihr Viertklasszeugnis präsentiert, das sehr gut ausgefallen ist. Gleichzeitig legte die Schulleiterin ihr Zeugnis der fünften Klasse vor, um zu zeigen, dass die Noten beim Übertritt ins Gymnasium schlechter werden. Fotos: Veh

Landkreis Die großen Überraschungen werden am heutigen Freitag ausbleiben, denn die Noten sind meist vorher bekannt. Wenn allerdings in der Bemerkung steht, dass das Verhalten des Schülers "im Großen und Ganzen keinen Anlass zu Tadel" gab oder er sich "seinen Fähigkeiten entsprechend mehr im Unterricht einbringen sollte", dann dürften bei einigen Eltern dennoch die Alarmglocken schrillen. Etwa 10 000 Kinder und Jugendliche erhalten heute im Landkreis ihr Jahreszeugnis. Auch für die Lehrer ist dies etwas Besonderes, sagt die Rektorin der Schwenninger Volksschule, Sabine Klimesch: "Die Zeugnisvergabe ist immer noch ein seltsamer Tag. Ich bin heuer richtig traurig, dass ich meine Viertklässler hergeben muss."

An den Tag, als sie erstmals ein Jahreszeugnis in Händen hielt, kann sich Klimesch nicht mehr erinnern. Später, auf dem Anna-Barbara-von-Stetten-Gymnasium in Augsburg, sah die heutige Schulleiterin immer mit Sorgen der Zeugnisvergabe entgegen. "Ich habe mit Bangen auf die Lateinnote gewartet, das war für mich ein Albtraum." Ihr Vater sei massiv dahinterher gewesen, dass die Leistungen stimmen, erinnert sich die Wertingerin. Da konnte es passieren, dass erst nach der Lateinstunde beim Onkel zum Geburtstag gratuliert wurde. Heute ist Sabine Klimesch ihren Eltern dankbar: "Der eine oder andere Tritt in den Hintern war für mich Gold wert." Später habe sie im Übrigen Latein sehr gut gebrauchen können, gesteht Klimesch. Denn die Pädagogin studierte auch Spanisch.

Der Direktor des Lauinger Albertus-Gymnasiums, Hans Lautenbacher, hat 1961 in der Grundschule in der Günzburger Rathausgasse sein erstes Jahreszeugnis erhalten. Von der Vergabe selbst hat Lautenbacher keine Eindrücke mehr im Gedächtnis, wohl aber von seiner ersten Lehrerin: "Fräulein Graf war eine strenge, aber sehr gute Lehrerin." Angst- und Schweißausbrüche habe er an Zeugnistagen nicht gehabt, es habe keine negativen Überraschungen gegeben. Heute überprüft der Schulleiter vor der Zeugnisvergabe, wie viele Schüler das Klassenziel nicht erreicht haben. Auch im Albertus habe sich die Durchfall-Quote auf weniger als drei Prozent reduziert.

"Der Zeugnistag ist ein besonderer Tag", sagt auch der Leiter der Gundelfinger Hauptschule, Dieter Wedding: "Schüler bekommen ihre Noten schwarz auf weiß." Zudem stehe ja auch eine Bemerkung im Jahreszeugnis. Wedding weiter: "Fleißige Schüler bekommen bestätigt, dass sich die Mühen gelohnt haben." Der Rektor der Höchstädter Volksschule, Georg Brenner, weiß noch, dass er am Zeugnistag nicht immer froh nach Hause gegangen ist. "Ich hatte auch mal schlechte Noten", gibt Brenner zu. Heute sei der Druck aus dem Tag der Zeugnisvergabe genommen, denn die Noten seien vorher bekannt. Auch für die Konrektorin der Dillinger St.-Bonaventura-Realschule, Petra Schiele, war die Zeugnisvergabe immer aufregend, obwohl man ungefähr wusste, was bei den Noten herauskommt: "Es gab dann meist positive Überraschungen." Wenn die Lehrerin heute Zeugnisse vergibt, spürt sie immer noch ein wenig Aufregung: "Man hofft, dass bei den Noten alles passt und die Eltern adäquat reagieren." In kritischen Fällen wie dem Nichterreichen des Klassenziels würden die Angehörigen vorher informiert.

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Ein Zehnerle für den Einser

Der Direktor der Lauinger Berufsschule, Werner Wittmann, hat 1958 sein erstes Jahreszeugnis an der Gundelfinger Volksschule abgeholt. Und er hat noch den damaligen Lehrer Franz Schneider im Gedächtnis: "Er brachte uns nahe, dass Noten nichts mit dem Wert der Persönlichkeit zu tun haben." Mit seinem Vater hatte Wittmann eine Vereinbarung: Für jeden Einser gab es ein Zehnerle, für jeden Zweier ein Fünferle. Und für einen Dreier musste Wittmann ein Zehnerle an seinen Papa bezahlen. Das Geschäft habe sich rentiert, sagt Wittmann: "Ich habe immer noch Geld bekommen."

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