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04.06.2010

Mit der neuen Lunge ist jeder Tag für sie ein Geschenk

Bissingen Heidi Ostermair hustet. Aber die Bissingerin kann danach gleich wieder lachen, denn sie hat nur eine leichte Erkältung. Noch vor eineinhalb Jahren war dies ganz anders. Da blickte die 35-Jährige bei nahezu jeder Hustenattacke dem Tod ins Gesicht. Heidi Ostermair leidet seit ihrer Geburt an der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose (siehe Daten & Fakten). "2008 war die Lage schließlich aussichtslos, mein Leben hing am seidenen Faden", sagt die Kesseltalerin. Nach einem Darmverschluss hatte sie im Dezember bereits drei Operationen hinter sich, wog nur noch 32 Kilo, lag in der Inneren Abteilung der Münchner Uniklinik auf der Intensivstation und bekam nicht mehr viel mit. Ärzte sagen den Eltern, dass ihre Tochter ohne eine neue Spender-Lunge Weihnachten wohl nicht mehr erleben würde.

Der 11. Dezember 2008 bringt die Wende im Leben der heute wieder heiteren Bissingerin. Heidi Ostermair erhält eine neue Lunge von einem Spender oder einer Spenderin. Den Namen kennt die Kesseltalerin nicht. So viel ist sicher: Der hirntote Mensch hat zuvor einen Organspendeausweis ausgefüllt und Heidi Ostermair auf diese Weise gerettet. "Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen. Und ich empfinde es so, dass jeder neue Tag für mich ein Geschenk ist."

Seit 2004 auf der Warteliste

Seit 2004 steht die gelernte Bürokauffrau auf der Warteliste für eine Lungentransplantation. "Es hatte sich herausgestellt, dass der Zustand meiner Lunge sehr schlecht ist." Heidi Ostermair braucht ein Sauerstoffgerät. Ein unbeschwertes Leben führt die heute 35-Jährige auch zuvor nicht. Beim Treppensteigen oder Gehen gerät sie sofort außer Atem. "Ich hatte ständig diese Hustenanfälle." Und in regelmäßigen Abständen immer wieder Lungenentzündungen.

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Vier Wochen nach der Geburt diagnostizieren Mediziner bei der kleinen Kesseltalerin Mukoviszidose. Ihre Eltern richten sich auf die Krankheit ein. Das tägliche Programm für das Kind: Mehrmals inhalieren, Medikamente schlucken, das Atmen trainieren. Die Ärzte sagen voraus, dass die Lebenserwartung ihrer Tochter wohl nicht allzu hoch sein würde. Als es 2008 zur großen Krise kommt, reisen die Eltern fast ein halbes Jahr lang täglich in die Krankenhäuser nach München.

OP dauerte zwölf Stunden

Den komplizierten Eingriff einer Lungentransplantation im Klinikum Großhadern bewältigt der erfahrene Chirurg und Privatdozent Dr. Paolo Brenner, ebenfalls ein Bissinger. Zwölf Stunden lang dauert die Operation, bei der die linke und rechte Lungenseite nacheinander transplantiert werden. Der Weg zurück in den Alltag ist lang. Fast zwei Monate lang bleibt Ostermair an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Nach dem Liegen über mehrere Monate muss sie anschließend wieder Muskeln aufbauen. Es folgt die Reha in Schönau am Königssee, danach sieht sie nach langer Zeit ihr geliebtes Kesseltal wieder.

Seit Februar diesen Jahres arbeitet die Bürokauffrau wieder. Das sei wichtig für sie, andernfalls hätte sie wohl einer Transplantation nicht zugestimmt. Heidi Ostermair hat die Lebenslust zurückgewonnen. Sie häkelt gerne und liebt Formel- 1-Rennen. Die Aufklärung am Tag der Organspende, der am heutigen Samstag, 5. Juni, begangen wird, hält die 35-Jährige für wichtig. Ein Spender könne mit seinen Organen bis zu sieben Leben retten. Viele Menschen hätten allerdings Angst vor der Organspende. In jungen Jahren denke man nicht gern ans Sterben. Heidi Ostermair hat sich selbst einen Spendeausweis besorgt. "Dadurch kann ich vielleicht einmal einem Menschen das Leben retten", sagt sie. Ein größeres Geschenk gebe es nicht. "Kommentar

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