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Dillingen

07.09.2019

OB Frank Kunz: „Wir können ein Parkhaus nicht einfliegen“

Die Fotomontage zeigt, wie das Haus der Wirtschaft Nordschwaben der IHK (Vordergrund) und das angrenzende Parkhaus einmal aussehen sollen. Inzwischen laufen die Bauarbeiten für das IHK-Bildungszentrum. Im Frühjahr wird das Kommunalunternehmen der Stadt den Startschuss für das Parkhaus geben.
Bild: Koenen

Oberbürgermeister Frank Kunz spricht über seinen Familienurlaub, die Millionenprojekte in Dillingen und die nächste Großveranstaltung. Bei einem Punkt bittet er um Verständnis.

Die Millionenprojekte in der Großen Kreisstadt Dillingen sprießen förmlich aus dem Boden. Auch die nächste Großveranstaltung steht in den Startlöchern. Trotzdem muss auch mal ein Oberbürgermeister Urlaub machen. Wir haben Frank Kunz zum Interview getroffen.

Wie geht es Ihnen, Herr Kunz? Konnten Sie sich im Urlaub etwas erholen?

Ja. Ich war mit meiner Familie samt Wohnwagen auf der Insel Krk in Kroatien. Da konnte ich gut entspannen und die freie Zeit mit meiner Familie sehr genießen. Bei einem Ausflug mit dem Boot hat uns eine Schar von Delfinen begleitet. Das sind Erlebnisse, aus denen man Kraft schöpfen kann.

Was haben Sie gedacht, als Sie wieder das Dillinger Schloss in den Blick bekamen?

Wenn ich von Süden auf Dillingen zufahre und die Stadtsilhouette sehe, spüre ich, dass dies meine Heimat ist. Und ich freue mich auf die kommenden Aufgaben.

Dillingen ist in diesen Monaten eine Baustellenstadt. Überall sind gigantische Baugruben zu sehen.

Es ist nahezu unglaublich. Gegenwärtig laufen viele Millionenprojekte – öffentliche und private. Dillingen zieht an, Dillingen entwickelt sich. Das fängt an beim Neubau der Mittelschule, mit 23,5 Millionen Euro die bisher größte städtische Investition. Es geht weiter beim Haus der Wirtschaft, den Wohn- und Geschäftshäusern in der Kapuzinerstraße. Unsere beiden großen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Regens Wagner und die Lebenshilfe, investieren ebenfalls Millionen. Die Regens-Wagner-Stiftungen bauen eine Verwaltungszentrale in der Prälat-Hummel-Straße, die Lebenshilfe errichtet ein Wohnheim für Menschen mit Autismus am Hofweiherweg und einen Wohnkomplex in der Alberthalstraße. Zudem beginnt die Sanierung des Altbaus der Werkstätten in Hausen.

Was ist das wichtigste Projekt, das Sie jetzt anpacken wollen?

Es ist nicht möglich, ein wichtigstes Projekt herauszufiltern. Ist der Wiederaufbau des Rathauses weniger wichtig als der Neubau der Mittelschule? Es ist so, dass der Stadtrat und die Verwaltung alle an einem Strang ziehen, um diese Millioneninvestitionen zu begleiten. Und es kommt ja ständig Neues und Unerwartetes hinzu.

Oberbürgermeister Frank Kunz
Bild: Veh

Sie meinen vermutlich den neuen Kindergarten am Karolinenweg.

Ja, den haben wir in einer Rekordbauzeit von drei Wochen hingestellt. Ein bisschen mehr Vorlauf wäre da schon wünschenswert gewesen. Durch die Neuregelung bei den sogenannten Korridorkindern sind die Kommunen unter Druck geraten, schnell Kindergartenplätze zu schaffen. Eltern können ihre Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September geboren sind, ohne Begründung ein Jahr später in die Schule schicken. Wir hatten so mit einem Schlag 27 Anmeldungen mehr für die Kindergärten.

In den sozialen Netzwerken gab es zuletzt Kritik, weil Autofahrer in Dillingen Umleitungen in Kauf nehmen müssen.

Niemand freut sich, wenn er eine Umleitung fahren muss. Aber es ist wichtig, dass sich die Infrastruktur einer Stadt weiterentwickelt. Ich würde mir Sorgen machen, wenn niemand bei uns investieren würde. Und da bitten wir die Bürger und Bürgerinnen um Verständnis, wenn sie gelegentlich zeitliche Verzögerungen in Kauf nehmen müssen. Unser Grundsatz ist, wo immer es geht, im Zentrum nachzuverdichten und möglichst nicht auf der grünen Wiese Flächen zu versiegeln. Das geht aber einher mit verkehrlichen Einschränkungen.

Auch beim Bau des Parkhauses, angrenzend ans IHK-Bildungszentrum (Haus der Wirtschaft), wird mit Behinderungen zu rechnen sein.

Ich habe schon öfter gesagt, dass wir das Parkhaus nicht einfliegen können. Wir wollen im Frühjahr mit dem Bau beginnen, das wird voraussichtlich sieben Millionen kosten. Dann fallen in der Bahnhofstraße etwa 150 Parkplätze weg. Während der Bauzeit wollen wir einen Bus-Shuttleservice vom Festplatz ins Zentrum einrichten. Er soll kostenlos sein.

Sie sprechen davon, dass Dillingen anzieht. Werden die Einzelhändler mit ihren Geschäften vor Ort überleben?

Davon bin ich fest überzeugt. Dillingens starke Wirtschaft hat hier viel zu bieten. Kunden wünschen sich nach wie vor eine persönliche Beratung und möchten die Waren vor dem Verkauf anfassen. Der Einkauf wird immer mehr zu einem Erlebnis, dies kann das Internet nicht bieten. Wir haben in Dillingen tolle, inhabergeführte Geschäfte. Das Gros des täglichen Bedarfs ist hier zu haben. Ich würde mir meine Brille oder den Anzug nie im Netz kaufen.

Ihre Nominierung für eine dritte Amtsperiode ist bereits vollzogen, Sie bekamen dabei 100 Prozent der Stimmen. Vor einem Gegenkandidaten müssten Sie wohl keine Angst haben. Sind Sie vor den Kommunalwahlen am 15. März schon im Wahlkampfmodus?

Ehrlich gesagt fehlt mir momentan die Zeit, mich mit Wahlkampf zu beschäftigen. Ich hänge mich jeden Tag in meinem Job rein. Und da würde es mich freuen, wenn die Menschen sagen: Es passt mit Frank Kunz. Im Übrigen sehe ich meine Arbeit nicht als Ein-Mann-Show, sondern als eine Gemeinschaftsleistung von Oberbürgermeister, Stadtrat, Verwaltung, den Ehrenamtlichen, der Wirtschaft – ja der gesamten Bürgerschaft.

Die Dillinger Festtage im Juli sind vorbei. Was gibt´s in den nächsten Wochen zu feiern?

Ich freue mich jetzt schon sehr auf die Dillinger Nacht am 27. September. Es ist bereits die zehnte Dillinger Nacht, und wir erwarten wieder etwa 10000 Besucher. Da werden wir zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung und den Händlern wieder für einige Attraktionen sorgen und die Nacht zum Tage machen. \u0009 Interview: Berthold Veh

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