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Landkreis Dillingen

13.12.2020

Sie hilft Menschen, die im Landkreis Dillingen keine Wohnung finden

Christina David hat eine Projektstelle – sie besetzt die Stelle Wohnungsnothilfe in Dillingen. Sie hilft Menschen im Landkreis, die keine passende Bleibe finden – sei es aus finanziellen Gründen oder nach Zwangsräumungen.
Bild: Mielke

Plus In Dillingen gibt es eine Wohnungsnothilfe – die Frage ist aber, wie lange noch. Aktuell wird die Stelle von Christina David besetzt. Das sind ihre Aufgaben.

Christina David, studierte Pädagogin, besetzt seit März die erste und bisher einzige Stelle der Wohnungsnotfallhilfe in Dillingen. Die Projektstelle gehört zur Diakonie Neu Ulm und ist aktuell noch auf ein Jahr befristet, um zu sehen, wie sehr das Angebot benötigt wird.

„Meine 20-Stunden-Woche ist seit Anfang Dezember auf 30 Stunden aufgestockt worden. Das ist die Zeit, die ich vorher sowieso schon gearbeitet habe. Auch eine Verlängerung um ein weiteres Jahr wurde beantragt“, sagt Christina David. Zwei Jahre lang finanziert das Dekanat die Wohnungsnotfallhilfe, danach müssen die Kommunen selbst dafür aufkommen, damit die Betreuung für Hilfesuchende weiterhin kostenfrei erfolgen kann. „Wir sind keine Makler, unsere Arbeit geht weit darüber hinaus. Wir helfen auch dabei, die Ursachen für die Wohnungsnot zu beheben. Selbst nach einer erfolgreichen Vermittlung.“

Zusammenarbeit mit Behörden

Dazu gehört beispielsweise die Zusammenarbeit mit Behörden, das Beantragen von Leistungen oder die Beratung von gesetzlichen Betreuern bei komplizierten Wohnungsnotfällen. Sie vermitteln also nicht nur Wohnungen, sondern setzen sich zum Ziel, dass die Klienten auch langfristig in einem guten Mietverhältnis bleiben können.

Die Gründe der Bedürftigkeit im Landkreis sind sehr verschieden. Bereits in den ersten Wochen hat die Pädagogin einem Obdachlosen geholfen in einer Notunterkunft aufgenommen zu werden sowie einer Mutter, sich und ihre Kinder aus massiver häuslicher Gewalt zu befreien. Andere Fälle sind Zwangsräumungen, zu teurer Wohnraum oder Kündigungen. Manche Klienten leben in prekären, unzumutbaren Verhältnissen. Beispiele hierfür: Schimmelwohnungen, beabsichtigt leere Öltanks und dadurch unbeheizte Räume.

Christina David besetzt seit März die erste und bisher einzige Stelle der Wohnungsnotfallhilfe.
Bild: Mielke

Von März bis Oktober wurden im Landkreis 119 Personen aus 37 Haushalten erfasst, die in Wohnungsnot geraten sind. Weniger als 50 Prozent der Fälle konnten bisher vermittelt werden. „Das liegt zum Einen daran, dass die Mieten in Dillingen durchschnittlich über dem Wert liegen, den das Jobcenter für Hartz IV-Empfänger zahlt“, erklärt Christina David. Gerade Personen ohne Auto oder Familien mit Kindern wollen oftmals nicht außerhalb der Kreisstadt wohnen, darum müssen auch Kita- und Arbeitsplätze berücksichtigt werden.

Wettsegeln ist ihre Leidenschaft

„Wohnungsnot kann alle treffen“, das weiß die gebürtige Münsteranerin aus Erfahrung. Aufgewachsen in einer gut bürgerlichen Familie, war schon seit ihrer Kindheit das Wettsegeln ihre Leidenschaft, sogar mit Teilnahme an Weltmeisterschaften. Nach dem Lehramtsstudium war sie hauptamtlich als erste weibliche Trainerin im Deutschen Segler-Verband in Hamburg und Berlin tätig. In Berlin war sie außerdem im Bereich der Gemeindepädagogik zuständig. „Mein Mann und ich hatten beide gut bezahlte Jobs und mussten uns keine finanziellen Sorgen machen. Bis er nach mehr als 20 Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt wurde“, erzählt sie. In einer solchen Zeit müsse man sich gut überlegen ob man mit seinen Kindern „Nudeln mit Tomatensoße oder Tomatensoße mit Nudeln“ esse. Erst nach zahlreichen Bewerbungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz habe ihr Mann schließlich einen Job in Dillingen gefunden. Sie selbst kam einige Zeit später mit den vier Kindern nach.

„Der Bedarf an Beratung und Hilfe in diesem Bereich übersteigt meine 30-Stunden-Woche. Aktuell müssten es zwei Vollzeitstellen sein“, denn die Stelle erfordere immer wieder zeitliche Flexibilität. Auch spätabends und an Sonn- und Feiertagen arbeitet David zur Not: „Wenn akut Hilfe benötigt wird und die Zeit drängt, ist es nicht möglich zu sagen: Das ist jetzt außerhalb meiner Arbeitszeit.“

Nicht alle sehen Bedarf

Der Erfolg und die damit verbundene Verbesserung der Lebensqualität der Klienten mache für sie einen Großteil des Mehraufwands jedoch wieder wett. „Es ist sehr schön, den Menschen weiterhelfen zu können.“ Obwohl schon einige Bürgermeister in der Region die Notwendigkeit der Stelle erkannt haben und diese auch nach Ablauf der zwei Jahre beibehalten möchten, hätten wohl noch nicht alle Gemeinden ihre Zustimmung geäußert. „Nicht alle sehen den Bedarf“, darauf baut Christina David jedoch. Denn sonst falle eine, wie sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, wichtige Anlaufstelle für Menschen in Wohnungsnot weg. Da viele der Wohnungen über Kontakte und Hinweise der Bevölkerung vermittelt werden konnten, hoffe sie weiterhin auf die Mithilfe der Menschen aus der Region. „Wenn man bereits länger weiß, dass man auszieht oder bald eine freie Wohnung zu vermieten hat und etwas Gutes tun möchte, kann man uns sehr gern kontaktieren.“

Die Wohnungsnothilfe ist per E-Mail an c.david@diakonie-neu-ulm.de erreichbar.

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