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Auftritt

12.05.2018

Thomas Scheytt rockt die Synagoge

Der Pianist Thomas Scheytt gastierte in der Alten Synagoge in Binswangen, wo der Applaus für ihn keine Grenzen kannte.
Bild: Ruf

Mit Blues und Boogie die Konzertbesucher im Sturm erobert. Ein Pianist mit Leidenschaft und Gefühl

Er ist so schlaksig wie eh und je. Und das Leben hat ihm mittlerweile tiefe Linien ins Gesicht gezeichnet. Doch der Endfünfziger Thomas Scheytt büßte trotzdem nichts von seiner ansteckenden Jugendlichkeit ein. Der Musiker rockte schon das zweite Mal mit Blues und Boogie die Alte Synagoge in Binswangen. Das Publikum lag ihm nach wenigen Minuten buchstäblich zu Füßen. Als Sohn eines evangelischen Pfarrers aus Baden-Württemberg strahlt Scheytt die Heiterkeit eines Christenmenschen aus, aber das muss ja keine schlechte Voraussetzung für eine Musikkarriere sein, die Thomas Scheytt bis heute zweifellos hingelegt hat. Das Programm „Piano Solo“ kam in Binswangen schon bei den ersten Klängen des Gastes aus dem Schwäbischen toll an. Dieser Tastenakrobat präsentiert eine Leidenschaftlichkeit, die für Blues und Boogie geradezu Voraussetzung zu sein scheint. Wenn Scheytt loslegt, schließt er die Augen, sein ganzer Körper vibriert und blickt man auf seine Beine, dann hat man den Eindruck, er sitze nicht am Klavier, sondern laufe so nebenbei einen Marathon. Sein beeindruckendes pianistisches Können und seine Ausdrucksvielfalt gehen eine interessante Symbiose ein.

Thomas Scheytt liebt den Dialog mit dem Publikum. „Schön, dass Sie immer noch da sind“, scherzt er nach gefühlten dreißig Minuten, in denen er in die frühen Jahre des Blues mit bedeutenden Stücken zurückgeblendet hat. Er hat die Seele dieser besonderen Musikrichtung verstanden und beweist dies mit tiefem Einfühlungsvermögen.

Es ist falsch, dass „Blues“ ein trauriger menschlicher Zustand ist. Nein, er ist ein Fröhlichmacher an diesem Abend in der Synagoge. Doch Scheytt hämmert die schnellen Läufe und pumpenden Bässe nicht einfach grob und effekthascherisch in die Tasten. Er nimmt oft Tempo raus, um dann wieder Zwischengas zu geben und modelliert so die Stücke, deren Grundstruktur sehr einfach ist. „Sie sind super drauf, das tut gut“, geht der Pianist auf das heftig applaudierende Publikum ein. Er macht dann einen kleinen musikalischen Ausflug in den „Ragtime“, eine Musikart, die leider heute nicht mehr sehr ankomme, wie Scheytt erklärt. Nach der Pause glänzt der Musiker mit Eigenkompositionen wie etwa einer Liebeserklärung an die Freiburger Blumenstraße („Flower street-Express“), in der er lebt. „Out of the dark“ beschreibt tiefsinnig einen strahlenden Sonnenaufgang. Die Piano-Version des Ray Charles- Liedes „Georgia in my mind“ lässt Beifall aufbranden. Beim berühmten Gospel „Put your hand in the hand“ geht es in der altehrwürdigen Synagoge dann hoch her.

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