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Wertingen

21.10.2019

Unglaublich, was so ein Storch alles hinterlässt

So viel Schmutz im Nest: Das Storchennest auf dem Nordturm der Wertinger Stadtpfarrkirche vor der Reinigungsaktion von Freiwilliger Feuerwehr und Johannes Strodl.
Bild: Andreas Dengler

Plus Johannes Strodl und die Feuerwehr Wertingen reinigen einen Horst. Ein Knochenjob. Und dann muss die Feuerwehr auch noch zu einem Einsatz.

Graue Wolken hängen am Himmel über Wertingen. Auf dem Marktplatz geht es am Samstagvormittag noch gemächlich zu, nur ganz langsam kommt Leben in die Stadtmitte. Von der Martinskirche her ist das Piepen eines Rückfahrwarnsystems zu hören. Dort rangiert das Drehleiterfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Wertingen. Bergsteiger Johannes Strodl, Feuerwehrkommandant Rudi Eser und der zweite stellvertretende Einsatzleiter Moritz Link machen sich bereit, um das Storchennest auf dem Nordturm der Stadtkirche zu säubern.

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Die Bilanz der Wertinger Aktion ist wuchtig

Über zwei Zentner, mehr als 100 Kilo Schmutz fallen im Laufe der knapp dreistündigen Räumaktion an, schätzt Strodl. Der Horst und die Turm-Ballustrade werden gereinigt, damit auch im kommenden Frühjahr wieder das Klappern des Storchs über die Dächer der Zusamstadt zuhören ist. Fast bis zum Knie reicht der Schmutz, der vom Turm heruntergeschafft wird.

Insgesamt drei Anläufe braucht es, bis die Drehleiter perfekt steht. Millimeterarbeit ist angesagt. Bei solchen Einsätzen machen sich die vielen Fahrtrainings bezahlt, sagt Kommandant Eser. Gekonnt lenkt er das große Gefährt in die enge Zufahrt zwischen Martinskirche und Seelenkapelle. „Ich weiß, was mein Fahrzeug kann“, sagt Eser zufrieden. Die Drehleiter ist einsatzbereit. Link und Strodl klettern sofort in den Wagenkorb und lassen sich in die Höhe befördern.

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Johannes Strodl (vorne) und Feuerwehrmann Moritz Link fahren mit der Leiter den Turm hoch, um dort sauber zu machen.

Knapp 30 Meter sind die beiden Männer über dem Boden. Ausgestattet mit Besen, Kehrschaufel und Spaten machen sie sich an die Arbeit. Zunächst reinigt Strodl die Ballustrade und befreit sie von Ästen, Tannennadeln, Lehm und Storchenmist. Danach bringt er den Horst wieder in Form und reinigt auch das Nestinnere.

Drei Mal fährt die Drehleiter in Wertingen rauf und runter

Drei Mal muss Link mit der Leiter runterfahren und die ersten Säcke abladen. Strodl bleibt derweil oben und schaufelt weiter. Leichter Nieselregen setzt ein.

Der zweite stellvertretende Einsatzleiter Moritz Link (links) und Kommandant Rudi Eser von der Freiwilligen Feuerwehr Wertingen laden Säcke voller Storchenmist ab.

Wegen des Regens muss die Aktion aber nicht abgebrochen werden, da kann nichts passieren, versichert Kommandant Eser. Vom Boden aus behält er den Überblick. In der Zwischenzeit versammeln sich immer mehr Leute und schauen gespannt nach oben.

Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen an dem Aufgebot am frühen Morgen interessiert. „So ist’s recht, wenn sie wieder alles sauber machen“, sagt eine ältere Dame, nachdem sie sich erkundigt hat, was denn die Feuerwehr am Turm machen muss. Freundlich erteilt Kommandant Eser den Zaungästen Auskunft. Dabei verliert er aber die Drehleiter nie aus den Augen.

Schon zwei Mal in diesem Jahr war die Wertinger Wehr in Sachen Storch unterwegs. „Leute befürchteten, dass das Nest runterfällt“, erinnert sich Eser. Mit einer Drohne prüfte die Feuerwehr daraufhin den Zustand des Horstes. Eingreifen musste sie aber nicht.

40 Jahre lang nistete kein Storch in Wertingen

Das Storchenpärchen auf der Martinskirche gehört inzwischen wieder fest zum Wertinger Stadtbild. Das war aber nicht immer so. Fast 40 Jahre lang war der Storch auf dem Kirchturm ausgeblieben. Auch als das Stahlgerüst für das Nest erneuert wurde, wollte sich der Vogel nicht niederlassen. Immer wieder hielten Störche zwar Ausschau, konnten sich aber nicht entschließen, sich dort anzusiedeln. Das änderte sich erst im Jahr 2011. Damals hatten Stadtrat Ludwig Klingler, Markus Eser und Johannes Strodl dem Ziehvogel auf die Sprünge geholfen und den Horst noch storchenfreundlicher gestaltet. Und auch die Reinigung des Nestes geht von Umweltreferent Klingler aus.

Dass jedoch die Feuerwehr die alljährliche Säuberungsaktion unterstützt, findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Seit der Storch sich wieder in Wertingen niederlässt, pflegt der Reatshofener Rentner und Hobby-Kletterer Strodl das Nest. „Ich werde jedes Jahr freundschaftlich gebeten, den Horst zu säubern“, erzählt Strodl.

Johannes Strodl aus Reatshofen reinigt das Storchennest auf der Martinskirche. Über 20 Säcke Schmutz schafft er vom Turm runter.
Bild: Andreas Dengler

„Ich bin sozusagen der Storchen-Beauftragte“, ergänzt er scherzend. Solange sich niemand anderes findet, will der Hobby-Kletterer auch in den kommenden Jahren das Storchennest sauberhalten. Statt sich die unzähligen Stufen auf den Turm hochzuhieven und dann anschließend den aufgesammelten Schmutz per Lastzug abzuseilen, wird dieses Mal alles bequem mit der Drehleiter an den Boden geschafft. Trotz dieser Erleichterung sagt Strodl nach getaner Arbeit: „Es war ein Knochenjob.“ Über 20 Säcke voller Schmutz, Dreck und Geäst hat er gemeinsam mit Link befüllt. „Aber das Klettern hält mich fit“, sagt der 67-Jährige.

Gerade ist der letzte Müllsack aus dem Wagenkorb gepackt, muss plötzlich alles ganz schnell gehen. Die Feuerwehr wird zu einem Einsatz gerufen. Blitzschnell fahren Eser und Link mit Blaulicht und Martinshorn davon, zurückbleiben Strodl und die vielen Säcke voller Storchenmist.

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