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Höchstädt

23.05.2019

Von Höchstädt ins britische Crewe

20 Schüler der Höchstädter Berufsschule durften besondere Unterrichtsstunden erleben. „Von Höchstädt nach Europa“ lautete der Titel des Programms „Erasmus Plus Mobilität“ der Schule, das es den jungen Frauen und Männer ermöglichte, in die englische Stadt Crewe zu reisen.
Bild: Gerhard Weiß

Höchstädter Schüler haben erste berufliche Erfahrungen gesammelt – und das gleich in England. Wie der besondere Schüleraustausch ablief.

Weg von der Schulbank. Von Theorie zu Praxis – und das mit dem Flugzeug. 20 Schüler der Höchstädter Berufsschule durften besondere Unterrichtsstunden erleben. „Von Höchstädt nach Europa“ lautete der Titel des Programms „Erasmus Plus Mobilität“ der Schule, das es den jungen Frauen und Männer ermöglichte, in die englische Stadt Crewe zu reisen und dort berufliche und kulturelle Erfahrungen zu sammeln. Gerhard Weiß, stellvertretender Schulleiter, erklärt: „Wir sind das erste Mal beim Erasmus-Programm dabei. Das ist ein richtiger Papierkrieg, wir mussten auf 40 Seiten alles bis in das kleinste Detail berichten.“ Auch die Rücksprache mit den Betrieben sei keine leichte Aufgabe gewesen. Man habe erst überprüfen müssen, ob die Schüler für den vorgesehenen Zeitraum wegfahren konnten. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Gemeinsam mit Englischlehrerin Daniela Sailer entstand schließlich die Kooperation mit dem britische Cheshire College South and West.

"Eine tolle Erfahrung, nicht nur beruflich, sondern auch kulturell"

30 Schüler bewarben sich für das Programm. Die 18-jährige Magdalena Grasegger gehörte zu den 20 auserwählten Schülern, die mit nach England durften. Magdalena wollte unbedingt mitmachen. Sie erzählt: „Es war für mich eine tolle Erfahrung, nicht nur beruflich, sondern auch kulturell.“ In England sei sie noch nie gewesen, deshalb habe sie unbedingt die tolle Möglichkeit nutzen wollen. Einen Kulturschock habe es in England nicht gegeben. Man habe bereits ein sehr gutes Bild von den Briten, erzählt sie.

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Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts von Ende April bis Anfang Mai waren die Schüler in Gastfamilien untergebracht. „Alle waren sehr herzlich und offen im Umgang mit uns“, sagt die 18-Jährige, die die Baumschule im beruflichen Schulzentrum besucht. Besonders beeindruckt habe sie, dass der Garten in Großbritannien einen ganz anderen Stellenwert habe. Auch dass sie mit der Sprache keine Probleme hatte, freut die 18-Jährige. Sie sagt: „Nur die ersten 15 Minuten mit meiner Gastmutter hatten mich Überwindung gekostet, danach ging es wie von selbst.“ Bevor es zum Praktikum in die Betriebe ging, hatten die Schüler einen einwöchigen Sprachkurs absolviert, erzählt sie weiter. „Ich möchte die Erfahrung nicht missen und plane für die Zukunft vielleicht sogar zu studieren und dann noch einmal im Rahmen eines Praxissemesters zurück nach England zu gehen.“

Auch soziale Aspekte wurden in die Entscheidung einbezogen

Nicht alle Schüler aus Höchstädt waren aus der Baumschule. Sie kamen aus den verschiedensten Bereichen – Kinderpflege, Sozialpflege Ernährung und Versorgung, Technikerschule, Garten- und Landschaftsbau oder Friseurinnen. Wer beim Auswahlverfahren überzeugte, durfte mitfahren. „Zuerst mussten die Schüler in einem Motivationsschreiben erklären, wieso sie am Programm teilnehmen wollten“, erzählt Weiß. Bei der Auswahl habe die Schule darauf geachtet, dass nicht nur Schüler, die sich gut auf Englisch ausdrücken konnten eine Chance bekamen. Stattdessen wurde auch der soziale Aspekt in die Entscheidungsfindung miteinbezogen. „Wir wollten die Tür für alle Schüler öffnen“, sagt der stellvertretende Schulleiter. Ein Aspekt, der auch Englischlehrerin Daniela Sailer am Herzen lag. Besonders am Projekt sei der Umstand, dass viele Berufsschüler aus Schullaufbahnen kämen, wo ein solches Programm nicht möglich gewesen wäre. „Keiner von unseren Schülern war bisher richtig im Ausland“, sagt sie. Das Schwierige am Programm sei allerdings gewesen, dass für die verschiedenen Berufe passende Praktikastellen gefunden wurden. Vorab der Reise nach England habe man gemeldet, welche Ausbildungsberufe mit nach England fahren würden, erzählt der stellvertretende Schulleiter weiter. „Wir bekamen daraufhin eine Liste mit möglichen Firmen und Einrichtungen, die wir bei einem Besuch vor Ort angeschaut und anschließend ausgewählt hatten.“

Der Brexit bereitet den Höchstädtern Sorge

Auch die Diskussionen um den Brexit hätten das Projekt immer wieder zum Wackeln gebracht, erzählt der Pädagoge. „Wir haben jedes mal gezittert, wenn das britische Parlament sich getroffen hat“, erinnert er sich. Da der Antrag über zwei Jahre geht, will die Schule noch vor dem Austritt Großbritanniens weitere 20 Schüler im Oktober wieder nach Crewe an das Cheshire College South and West schicken. „Mit unserer Teilnahme am Programm wollten wir den Schülern ermöglichen, über ihren Tellerrand hinauszublicken“, so Weiß weiter und fügt hinzu: „Für Europa muss man nicht immer nur zahlen, man bekommt auch viele tolle Möglichkeiten“.

16 Tage konnten die Schüler des Höchstädter Schulzentrums genau das erleben. Ein Großteil der Kosten ist durch die Fördergelder der EU abgedeckt gewesen. Nur eine geringe Eigenbeteiligung für die Lebenshaltungskosten vor Ort haben die Schüler berappen müssen. „Für die Zukunft der Schüler ist es ein großartiges Projekt, weil es Barrieren abbaut, und die ersten beruflichen Schritte im Ausland ermöglicht.“ Und es sind erste Kontakte mit Europa.

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