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Gundelfingen

14.01.2019

Wie die Gundelfinger zu ihrem Necknamen kamen

Der "Linke Geiger" aus Gundelfingen.
Bild: Schinhammer

Bereits die Sage „Der linke Geiger“ weiß es: Wenn die Gärtnerstädter auftreten, dann wird es lustig.

Einige sind einem größeren Leserkreis bekannt, andere kennen nur wenige. Deshalb widmen wir uns den Sagen aus unserer Region. In dieser Folge geht es um den „linken Geiger“ – und wie die Gundelfinger zu ihrem Necknamen kamen. Entnommen sind die Erzählungen aus dem Buch „Sagen des Landkreises Dillingen“, das Alois Marb, Hans Bäuml und Martin Griffig im Jahr 1971 im Selbstverlag herausgegeben haben.

Den Namen verdanken die Gundelfinger dem Geiger Utz

Die Bewohner des freundlichen Donaustädtchens Gundelfingen haben als Linkshänder eine sprichwörtliche Berühmtheit erlangt. In der Tat gibt es Menschen, die mit der Linken geradeso geschickt hantieren wie mit der Rechten. Die Gundelfinger allerdings verdanken diesen Ruhm einzig und allein einem armen Geiger namens Ulrich, kurz „Utz“ genannt, der lebte zu Anfang des 17. Jahrhunderts im Städtchen. Seine linke Hand war so verwachsen und verkrüppelt, dass er damit wohl den Fiedelbogen führen, nicht aber die Saiten greifen konnte. Der begabte Musiker hat sich deshalb von der Jugend auf an das Linksgeigen gewöhnt und verstand seiner Geige so liebliche und lustige Weisen zu entlocken, dass die Beine der jungen Leute bei seinem Spiele ins Tanzen gerieten, sie mochten wollen oder nicht. So ein Künstler war doch eine Seltenheit und verdiente Bewunderung. Diese ward ihm auch im reichsten Maße zuteil. Bei allen festlichen Lustbarkeiten weit und breit war der geschickte Linksgeiger zugegen; er konnte der Aufträge kaum Herr werden. Mit der Zeit richtete er sich deshalb einige junge Leute als Gehilfen ab. Alle mussten auf seine Art das Linksgeigen erlernen.

Ein Ohrenschmaus und eine Augenweide

Es verging kein Jahr, da waren die Gundelfinger Musikanten landauf, landab bekannt; überallhin wurden sie zum Aufspielen geholt. Wenn sie zu Fuß oder auf dem geschmückten Leiterwagen mit ihren Instrumenten anrückten, hieß es: „Hei, die Linken sind da! Jetzt wird es lustig!“ – Ihr Art Musik zu machen war nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Augenweide für die Zuschauer. Ein humorvoller Maler nahm diese Gundelfinger Besonderheit zum Anlass, in der Spitalkirche einen Engel darzustellen, der nach der Art des linken Geigers musizierte. Das Gemälde wurde später übertüncht. Erst bei der Erneuerung der Kirche im Jahre 1894 kam das Bild wieder zum Vorschein und wurde in seiner ursprünglichen Farbenpracht hergestellt. Ein zweites Mal wurde es 1958 renoviert. Gewiss gereicht es den Gundelfingern nicht zur Unehre, einen Sohn besessen zu haben, der mit der linken Hand so Hervorragendes leistete. Darum nehmen „die Linken“ ihren Necknamen auch niemandem übel, ja, sie haben ihn sogar in ihren Faschingsgruß mit aufgenommen.

Wenn sich die Gundelfinger in das närrische Treiben stürzen, ist stolz zu hören: „Glinke auf, hoi, hoi, hoi!“ (dz)

Lesen Sie dazu auch unsere weiteren Sagen-Folgen:

Dillingen: Als die Biberstehler im Kloster Maria Medingen einfielen

Lauingen: Ein großer Schimmel rettet den Bürgermeister

Kesseltal: Eine große Katze und ein totes Mädchen

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