Newsticker

Corona: 90 Prozent der Deutschen lehnen Demos gegen Corona-Maßnahmen ab
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Wieso will Höchstädt dieses Geschenk nicht haben?

Höchstädt

02.07.2020

Wieso will Höchstädt dieses Geschenk nicht haben?

Diesen Findling wollte Eva-Marie Springer der Stadt Höchstädt schenken, damit er auf dem Dorfplatz in Sonderheim aufgestellt wird.

Plus Eva-Marie Springer von der V-Partei wollte der Stadt einen von ihr gestalteten „Weltverbesserungs-Stein“ überlassen. Die Räte berieten in geheimer Sitzung – und lehnten das Geschenk schließlich ab.

Eva-Marie Springer aus dem Höchstädter Stadtteil Sonderheim ist eine Kämpferin für eine vegetarische und vegane Lebensweise. Die Bundespressesprecherin der V-Partei3 mit deutschlandweit etwa 2000 Mitgliedern hat den Sprung in den Höchstädter Stadtrat eigenen Angaben zufolge nur um 32 Stimmen verpasst. Aber auch ohne politisches Mandat macht sich Springer in diesen Tagen bemerkbar. An vielen Stellen in der Höchstädter Flur finden sich bemalte Steine mit den Botschaften der Sonderheimerin. „Ein Herz für Rinder“ ist da etwa zu lesen. Springer macht gegen Massentierhaltung und Tiertransporte mobil. Jetzt hatte die 64-Jährige die Idee, der Stadt Höchstädt einen Findling zu schenken. Mit klaren politischen Forderungen: „Keine Pestizide“, „Bio fördern“, „Plastik meiden“, „Meere retten“, „Schöpfung ehren“, „Klima retten“, so steht es auf dem Stein, den die Sonderheimerin mit Tieren bemalt hat. Ihren Findling wollte Springer auf dem Dorfplatz in Sonderheim aufstellen. Doch damit ist die Sprecherin der V-Partei3 im Höchstädter Stadtrat abgeblitzt. Und die macht dafür nun Umland-Stadträtin Annett Jung für die Abfuhr verantwortlich. Die Kreisbäuerin habe sich durch den Findling persönlich angegriffen gefühlt.

Am Dorfplatz in Sonderheim sind bereits Findlinge eingelassen

Eva-M. Springer

Seltsamerweise hat das Gremium hinter verschlossenen Türen über den „Weltverbesserungs-Stein“ beraten. Bürgermeister Gerrit Maneth begründet das Vorgehen damit, dass die Schenkende dadurch geschützt werden sollte. Zudem habe er klären wollen, wie die Stadt damit umgehe, wenn sie solche Geschenke für öffentliche Plätze bekomme. Die Mehrheit des Stadtrats habe jedenfalls beschlossen, dass der Findling nicht auf öffentlichem Grund platziert werden soll. Er selbst, so Maneth, sei dafür gewesen, den Stein aufzustellen, aber nicht am Dorfplatz in Sonderheim, sondern an einem anderen Standort – eventuell an einem Kinderspielplatz. Das Abstimmungsergebnis, das Maneth nicht im Detail nannte, sei auch nicht allein durch Stimmen von CSU und Umland zustande gekommen. Künftig würden solche Anfragen öffentlich im Bauausschuss behandelt.

In ihrem Facebook-Auftritt zeigt sich Springer enttäuscht. Sie kritisiert die Ratsentscheidung deutlich. „Der Stadtrat Höchstädt hat unter Federführung der Fraktion, der die Kreisbäuerin angehört, das Aufstellen meines Findlings untersagt! Für mich ist das Behinderung der Meinungsfreiheit beziehungsweise Zensur“, schreibt die Sprecherin der V-Partei3.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Eva-M. Springer

Wer will den Weltverbesserungs-Stein stattdessen?

Für Annett Jung ist dagegen die Sache klar, denn Eva-Marie Springer gehe es um die Profilierung. „Sie macht einen Hype daraus“, sagt die Kreisbäuerin und Sonderheimer Stadtteilreferentin. Springer lege es darauf ihn, „ihre Botschaften gegen die Landwirtschaft“ publik zu machen. Im Stadtrat sei es aber um ein anderes Thema gegangen, erklärt Jung. Auf dem Dorfplatz in Sonderheim seien am Brunnen bereits drei Findlinge eingelassen, und über die Gestaltung habe man sich bei der Dorferneuerung Gedanken gemacht. „Da muss man jetzt nichts dazustellen“, meint die Umland-Stadträtin. Das könne Springer doch gerne wenige Meter weiter vor ihrem eigenen Grundstück tun. Der Stadtrat habe sich in seiner Abstimmung Gedanken darüber gemacht, ob öffentliche Plätze für Hobbykünstler geöffnet werden sollen. Da könnten ja viele etwas bringen, vermutet Jung. Für Hobbykünstler sei aber der Geigerturm ein geeigneter Ausstellungsort. Springer könne gerne ihre Thesen vertreten, sagt die Kreisbäuerin. Den Vorwurf der Behinderung der Meinungsfreiheit wolle sie aber nicht auf sich sitzen lassen, sagt Jung: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eine ganz große Verfechterin der Demokratie bin.“

Eva-Marie Springer sieht ebenfalls Klärungsbedarf. „Ich bin nicht gegen die Bauern, sondern nur gegen Pestizide und Massentierhaltung“, versichert sie. Ihren Weltverbesserungs-Stein will sie jetzt einer anderen Kommune zur Verfügung stellen. Wer Interesse an dem Findling habe könne sich gerne bei ihr melden.

Lesen Sie dazu den Kommentar:

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren