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Bogenschießen

04.07.2018

Zum elften Geburtstag gab es eine Goldmedaille

Leontine Maurer hat Zielwasser: An ihrem elften Geburtstag holte sie sich ihre erste internationale Medaille im 3D-Bogenschießen.
Bild: Hammer-Rehm

Leontine Maurer aus Syrgenstein ist ein echtes Talent in ihrer Sportart. Was ihr so Spaß macht?

Ganze 142 Zentimeter misst sie vom blonden Scheitel bis zu den festen Turnschuhen. Und wenn auf jemanden das Sprichwort „klein, aber oho“ zutrifft, dann auf Leontine Maurer. Genau an ihrem elften Geburtstag gewann die Fünftklässlerin aus Syrgenstein bei den „European Bowhunter Championships 2018“ im deutschen Oberwiesenthal und dem tschechischen Skigebiet Boí Dar die erste internationale Medaille für ihren Verein, den F. C. Ballhausen. 2100 Teilnehmer aus 26 Nationen hatten sich vom 18. bis zum 22. Juni im Erzgebirge eingefunden, um auf zwölf unterschiedlichen Parcours vier Wettkampftage lang ihre Pfeile auf jeweils 28 Tierattrappen abzuschießen. 3D-Schießen nennt sich diese Art des Bogensports, bei dem der Schütze nicht von einer ebenen Fläche aus auf eine flache Scheibe zielt, sondern von Wiesen und in Wäldern mit Steigungen und Neigungen auf die Wölbungen und Kurven eines dreidimensionalen Kunststofftieres.

Das 3D-Schießen erinnert an längst vergangenes Jagen mit Pfeil und Bogen. Der Jäger läuft, sieht seine Beute, legt an und schießt. So machte es auch Leontine. Sie lief. Sie lief viel und lange, bergauf und bergab, an die 70 Kilometer in vier Tagen. Und wenn sie dann schwer schnaufend in bis zu 45 Metern Abstand vor ihrem Ziel stand, dann war Leontine konzentriert bis in die letzte Haarspitze. Dann spannte sie die Sehne ihres Langbogens, hielt die Luft an und schoss sicher ins Ziel. Am ersten und zweiten Wettkampftag durfte sie pro Schaumstofftier drei Pfeile schießen, an Tag drei gab’s zwei Pfeile, und am letzten Tag musste ein Schuss genügen. Ausgerechnet da war das Treffen besonders schwer. Gerade mal ein Grad zeigte das Thermometer, Eisregen und Nebel erschwerten die Sicht. Doch Leontine schlug sich wacker und hatte bei diesen extremen Bedingungen nur 13 Fehlschüsse. Am Schluss hatte sie 1298 Punkte auf ihrem Konto. Das brachte den Dreikäsehoch aus Syrgenstein, der mit Mama Daniela und Papa Mark angereist war (auch sie begeisterte Bogenschützen), den ersten Platz in seiner Altersklasse ‚Longbow Cub female“ der U12. Zugegeben: Es gab nur zwei Mitkonkurrentinnen, aber es ist eine echte Leistung, die Leontine am Fichtelberg in Oberwiesenthal gebracht hat. Die Kinder, zwölf waren es insgesamt, wurden zwar von einem Erwachsenen begleitet, doch den Parcours mussten sie selbstständig meistern.

Da half niemand beim Tragen von Pfeil und Bogen oder trug den Kindern Verpflegung und wetterfeste Kleidung nach. Sich konzentrieren, eigenständig handeln und verantwortungsbewusst mit dem durchaus gefährlichen Sportgerät umgehen – das hat Leontine durch den Bogensport gelernt. „Das Schießen ist mein Ding“, sagt die Elfjährige. „Ich muss den Kopf einschalten, aber dann werde ich irgendwie auch ganz frei im Kopf.“ Dieses Fokussieren kann sie auch gut in der Schule brauchen. Sie ist eine gute Schülerin, und deshalb war es auch kein Problem, dass sie für diesen internationalen Wettbewerb vom Unterricht befreit wurde.

Die Goldmedaille bei diesen Europameisterschaften krönt die bisherige sportliche Laufbahn des selbstbewussten Mädchens, ist aber nicht die erste Medaille, die sie sich erschossen hat. Auch bei Bayerischen und Deutschen Meisterschaften hat sie schon kräftig abgesahnt. Mal sehen, wie sie bei den nächsten Europameisterschaften in zwei Jahren abschneidet. Da hat sie wieder Geburtstag. Diesmal dummerweise aber am ersten Tag des Wettbewerbs. Dann wird sie 13 Jahre alt und kommt in eine höhere Altersklasse. Sie wird höchstwahrscheinlich die Jüngste sein und sich mit Mädchen messen müssen, die dann möglicherweise schon fast 16 Jahre alt sind. Aber so, wie dieses 142 Zentimeter große Mädchen drauf ist, wird sie auch da hoch konzentriert und selbstbewusst ins Schwarze treffen.

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