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Donauwörth

11.04.2015

11. April 1945: Der Tag, als Donauwörth brannte

Das schwer beschädigte Fuggerhaus des Landratsamtes an der oberen Reichsstraße/ Pflegstraße. 
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Das schwer beschädigte Fuggerhaus des Landratsamtes an der oberen Reichsstraße/ Pflegstraße. 

Vor 70 Jahren bombardierten die Alliierten die Stadt, als Hitlers Reich bereits in Schutt und Asche lag

Von Thomas Hilgendorf

11. April 1945, 12.30 Uhr. Die amerikanischen Bomber haben Donauwörth erreicht. Marianne Guhl vom außerhalb liegenden Schwarzenberger Hof erinnert sich an ein „heulendes Geräusch“ der Fliegerformation. Sie hat auch noch zwei weitere Szenen vor Augen: die langsam wie Trauben herabfallenden Bomben, plötzlich die enormen Rauch- und Staubwolken, die die beiden markanten Kirchtürme des Liebfrauenmünsters und Heilig Kreuz umhüllten.

Es war Donauwörths „schwärzester Tag der Stadtgeschichte“, wie Oberbürgermeister Armin Neudert den 11. April 1945 heute im Rahmen eines Gedenkens nennen wird (ab 12.30 Uhr im Liebfrauenmünster, danach Schweigemarsch).

Die beiden alliierten Luftangriffe am 11. und 19. April forderten zahlreiche Opfer: 285 Menschen verloren nach Recherchen des Stadtarchivs ihr Leben – die meisten davon waren Zivilisten. Die städtische Bausubstanz wurde zu 75 Prozent vernichtet: 258 Häuser waren total zerstört, 253 schwer beschädigt, ganze 520 Familien waren ausgebombt und mussten bei Verwandten oder bei anderen Bürgern in der Stadt beziehungsweise im Umland unterkommen. Etwa 700 Menschen ohne Obdach waren ein Resultat der letzten Kriegstage. Ein Inferno.

Noch vier Tage vor dem ersten Angriff war Donauwörth von der Leitung des Wehrkreises VII in München zu einem Schwerpunkt der Donauverteidigung ernannt worden. Auch dieser Korpsbefehl liefert einen Einblick in die verheerende Lage, ist dort von der notwendigen „Sammlung versprengter Soldaten“ an der Donau die Rede.

Man sprach dennoch gemeinsam mit Städten wie Ingolstadt, Dillingen und Günzburg martialisch von der „Donaufront“. Der Begriff war eine weitere Lüge des nationalsozialistischen Regimes in den letzten Tagen vor dessen Ende: Nur einige wenige Grenadier-Ersatz- und Ausbildungsbataillone, oftmals „Kindersoldaten“, wie Archivar Ottmar Seuffert erklärt, sollten die Panzer- und Flugzeugflotten der Amerikaner aufhalten, auch um Augsburg als potenzielles Bollwerk zu schützen. Dazu wurden Schüler und alte Männer des Volkssturms als letztes Aufgebot für den in seinem Berliner Bunker kauernden „Führer“ Adolf Hitler vergattert. An der Organisation maßgeblich beteiligt war SS-Führer und Donauwörther Ratsherr Friedrich Arlt (1888-1946). Die Donau war ein wichtiges Etappenziel der Amerikaner – nach der Rheinüberquerung der US-Truppen schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie es erreichen sollten.

Den Panzern voraus flogen die Bomber – so auch in Donauwörth an jenen zwei Tagen: dem 11. und dem 19. April 1945. Diese Angriffe seien nicht, so Seuffert, als Bombardement zum Brechen der Moral gedacht gewesen (wie etwa in Dresden), sondern als „Strategic Bombing“ mit den Hauptzielen Bahnhof und Brücken. Mit welcher Motivation auch immer: Das Hauptleid trug die Zivilbevölkerung. Auch nach den schweren Bombenangriffen leisteten Soldaten in und um Donauwörth Widerstand, trotz offensichtlich völlig aussichtsloser Lage.

Indessen war das Kriegsende in der Region furchtbar für die Bürger als auch für diejenigen, die lange schon systematisch unter dem Tyrannenregime zu leiden hatten – wie die KZ-Häftlinge. Zwei sogenannte „Evakuierungsmärsche“ durch Donauwörth sind registriert, in Bäumenheim bestand zudem ein Außenlager des KZ Dachau mit 300 bis 600 Häftlingen. Bereits ab März befand sich fast alles in Auflösung.

Am 25. April um die Mittagszeit erfolgte der Angriff der US-Panzer auf den Brückenkopf Donauwörth. Die „Donaufront“ der Nazis war da längst Geschichte. Das Kriegsende in Donauwörth wurde am 1. Mai besiegelt, als die US-Militärregierung in Donauwörth einen neuen Landrat und Bürgermeister einsetzte. Es folgten Aufbaujahre nach der Schreckenszeit. "Kommentar Seite 23

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