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Donauwörth/Landkreis Donau-Ries

13.04.2020

Corona: Ein sonderbares Osterfest

Das Donauwörther Liebfrauenmünster in der Osternacht. Dekan Robert Neuner hält die Liturgie vor fast leerem Haus.
Bild: Helmut Bissinger

Plus Leere Kirchen, vielfach auch leere Straßen. Diese Feiertage sind ganz anders als andere. Sie sind geprägt vom Rückzug der Menschen. Da wird der „Ausflug“ zur Eisdiele schon zum Höhepunkt. Nur wenige Dinge sind noch erlaubt

Hoffnung und Mut in schweren Zeiten spricht Donauwörths katholischer Dekan Robert Neuner am Osterfest den Gläubigen zu. Das hätte er sicherlich auch an einem normalen Gottesdienst zum Hochfest der Auferstehung Christi getan. Doch diesmal ist alles ganz anders: Das Liebfrauenmünster – üblicherweise an Ostern voll von Christen mit ihren Kerzen und ihren Speisenkörben – ist fast menschenleer. Neben dem Mesner lauschen dort nur wenige weitere Geistliche und die Organistin den Worten des Priesters. „Aber im Geiste sind hier alle versammelt“, betont Dekan Neuner im Vertrauen auf die große Gemeinschaft und deren Zusammenhalt.

Keine öffentlichen Liturgien

Wie im Donauwörther Münster, so hält man sich auch in den anderen Pfarrgemeinden in der Region streng an die Vorgaben der Diözesen Augsburg und Eichstätt: keine öffentlichen Liturgien. Wer das Gebet sucht, kann sich ein Stück weit damit behelfen, im Internet auf den Homepages der Pfarreien nach kleinen Videos oder Audiobeiträgen zu suchen. Mitunter wird man fündig. So etwa in der evangelischen St-Michaelsgemeinde in Rain. Dort postet Pfarrerin Friederike Töpelmann seit Tagen schon regelmäßig Botschaften – erst recht jetzt einen kleinen Ostergruß „Christus unser Licht“. Denn auch dort bleibt das Gotteshaus leer.

Bild: Helmut Bissinger

Es fehlen die Begegnungen

„Es ist seltsam, aber nur mit solchen Maßnahmen können wir das Corona-Virus besiegen“, zeigt sich Dekan Robert Neuner überzeugt. Wie so vielen Menschen fehlen auch ihm die Begegnungen, „gerade an Ostern“. Der weitgehende Rückzug in die Privatsphäre, oftmals als Isolation empfunden, ist eine Seite der Krise, die vielen zu schaffen macht.

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Nur wenige sind unterwegs

Da bleibt es nicht aus, den wenigen noch erlaubten Dingen nachzugehen – wie etwa Spaziergängen oder Radeln im Freien. Außerhalb der Ortschaften trifft man in diesen Tagen spürbar vermehrt Menschen an. Doch in Donauwörth sind selbst am Ostersonntag bei prächtigem Frühlingswetter nur wenige Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Die Innenstadt wirkt verlassen, stellenweise menschenleer. „Bei dieser Sonne wären hier unter normalen Umständen Hunderte unterwegs“, sinniert Harald Seubert, der mit seiner Frau und der neunjährigen Tochter einen Fahrradausflug von Altisheim in die Kreisstadt unternommen hat. „Wir machen das, was erlaubt ist“, erzählt er. In Donauwörth habe man sich dann ein leckeres Eis gegönnt. „Das ist unser Oster-Höhepunkt in diesem Jahr.“ Die Ruhe könne sie nicht wirklich genießen, sagt Seuberts Frau. Und er fügt hinzu: „Das liegt einfach daran, weil man nicht weiß, wie es mit den Einschränkungen weitergeht.“

Bild: Helmut Bissinger
Bild: Helmut Bissinger

„Wir müssen diese Situation überstehen“

Christian Dollinger ist schon am frühen Morgen entlang der kleinen Wörnitz mit seinem Border Collie unterwegs. „Wir müssen diese Situation überstehen“, sagt er. Eine knappe Stunde wandert er mit dem Hund durch die Stadt. Für die Ausgangsbeschränkungen hat Dollinger „durchaus Verständnis“, notfalls auch noch ein wenig länger als lediglich bis Ende der Osterferien.

Die Osterbrunnen wollen Stefan und Tamara Dreher aus Rain in Donauwörth fotografieren. Aber eigentlich gehe es hauptsächlich darum, die angenehme Luft und den schönen Frühlingstag zu genießen. Eigentlich hätten die beiden über Ostern zu Tamaras Eltern in der Nähe von Rottweil in Baden-Württemberg fahren wollen. „Aber es bleibt denen ebenso nur ein Spaziergang wie uns“, bedauert Tamara Dreher.

Sie vermissen die Freunde

Ein anderes Paar verbringt den Sonntag in der Kleingartenanlage Weichselwörth. Dimitri und Irina Schadko besitzen hier eine kleine Parzelle. „Die Zeit sei natürlich schwierig“, meint Irina, gerade weil die Tochter jetzt schon einige Wochen zu Hause sei und ihre Freundinnen und Freunde vermisse. Dimitri ist aber glücklich, „dass wir auf dem Land leben und einen Garten haben“. Seit 23 Jahren lebt er in Deutschland. Seine Gedanken sind aber auch in der ehemaligen Heimat Kasachstan, wo Ostern erst am kommenden Wochenende gefeiert wird. Aber auch dort wird Ostern anders sein als gewohnt, denn auch in Kasachstan gibt es coronabedingte Ausgangsbeschränkungen.

Der Geräuschpegel ist gedämpfter als sonst

Wer kann, macht es sich im eigenen Garten gemütlich und vielerorts schwirren an den warmen Ostertagen die Gerüche vom Grillen im Freien durch die Lüfte. Doch auch der übliche Geräuschpegel bei solchen Anlässen ist gedämpfter als früher. In Rain sitzen drei Familienmitglieder am verlängerten Gartentisch auf der Terrasse – der 91-jährige alleinstehende Großvater hat sich am Ostersonntag zum Mittagessen für ein Stündchen dazugesellt. Alles findet streng auf Distanz statt. Keine Umarmung, kein Händedruck. Zwischen den Dreien liegt ein Maßstab auf der Tischplatte zur ständigen Ermahnung – ausgeklappt auf die volle Länge von zwei Metern.

Bild: Helmut Bissinger

„Frohe Ostern“ über den Gartenzaun

Mitunter treffen sich Nachbarn auf Abstand mehr oder weniger zufällig an den Gartenzäunen, um einander „frohe Ostern“ zu wünschen. Ein anderes Mal bleiben sie im Vorübergehen auf der Straße stehen, um einen kleinen Ratsch zu halten – in Corona bedingter Kürze, manchmal schon mit schlechtem Gewissen. Unsere Welt ist ein Stück weit stiller geworden in diesen Tagen, ein Stück weit auch nachdenklicher.


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