31.01.2019

Debatten um Heißesheim

Damit Heißesheim auch bei einem hundertjährlichen Hochwasser der Donau nicht überschwemmt wird, sind diverse Maßnahmen geplant. Diese sorgen in dem Mertinger Ortsteil für Diskussionen.
Bild: Helmut Bissinger

Hochwasserschutz Das Wasserwirtschaftsamt plant mehrere Maßnahmen. Deren Notwendigkeit wird angezweifelt. Kann auch der bestehende Deich schützen?

Mertingen-Heißesheim Wie kann der Mertinger Ortsteil Heißesheim bei einem hundertjährlichen Hochwasser geschützt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Experten des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) in Donauwörth seit Jahren. Die ursprünglichen Pläne für Maßnahmen wurden immer wieder differenziert. Nun glaubt man, eine Lösung gefunden zu haben. Die jedoch gefällt nicht allen.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit beschäftigte sich deshalb der Mertinger Gemeinderat mit dem Thema.

Bürgermeister Albert Lohner stellte den Maßnahmenkatalog vor: Beim Sportplatz in Heißesheim soll demnach ein Schutzdeich entstehen. Außerdem wolle die Behörde den Rücklaufdeich der Zusam durch eine Verlegung des sogenannten Gumpengrabens verbessern und eine Retentionsfläche für Oberflächenentwässerung in den Moosgraben schaffen.

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Ortsbeauftragter Wolfgang Kurka bedauerte die Verzögerungen, „entstanden im Wesentlichen durch die gemeindliche Umplanung“. In der Sitzung habe er, wie er gegenüber dieser Zeitung sagte, seine Fragen nicht stellen können, weil diese „abrupt beendet“ worden sei. So habe er Zweifel, ob der bestehende Deich, von einigen Sommerdeich genannt, und seine Wirkung im hydrostatischen Modell des WWA überhaupt berücksichtigt worden sei. Außerdem sei ihm unklar, von welcher exakten Wasserhöhe im Fall eines hundertjährlichen Hochwassers ausgegangen werde. Diese Fragen, so Kurka, habe er nun den Experten des Wasserwirtschaftsamtes in Donauwörth gestellt.

Bürgermeister Lohner betonte in der Sitzung des Gemeinderats, dass einige wenige Eigentümer ihre Grundstücke, die zur Umsetzung der Maßnahmen notwendig seien, nicht verkaufen wollten, andere wiederum die Entnahme von Bodenproben zur weiteren Planung nicht zuließen. Wolfgang Kurka nennt dies „Vorwürfe gegen die Heißesheimer Bürger“. Er habe, so sein Hinweis, bereits vor mehr als zwei Jahren die Einverständniserklärungen der Grundstücksbesitzer am Gumpengraben im Rathaus abgegeben.

Bürgermeister Lohner zitierte aus einem Brief von Regierungsdirektor Bernhard von Roda vom Wasserwirtschaftsamt, der darin ausdrücklich versichert, dass „ein Rückbau des sogenannten Sommerdeichs nicht vorgesehen sei“, obwohl er nicht den heutigen Anforderungen an einen Schutz vor einem HQ 100 entspreche. Im Gegenteil: Durch die Verlegung des Gumpengrabens könne dieser Deich danach gefahrloser unterhalten werden. Bernhard von Roda: „Gäbe es Absichten, diesen Deich zurückzubauen, würden entsprechende Investitionen nicht mehr vorgenommen werden.“

Vize-Bürgermeister Hans Mair (SPD) erklärte, er finde es gut, dass das WWA den Deich am Gumpengraben erhalten wolle, wenngleich er „bei einem HQ 100 für die Häuser und Anwesen nichts bringt“, aber die landwirtschaftlichen Flächen durchaus schützen könne. Ortsbeauftragten Kurka forderte er auf, aktiv die Bürger von der Notwendigkeit der Maßnahmen zu überzeugen und kein Misstrauen zu schüren.

Artur Thomas (CSU) zeigte kein Verständnis dafür, „dass der Ortsbeauftragte ständig gegen den Gemeinderat und den Bürgermeister“ agiere. Wenn alle mit Nachdruck hinter den Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung stünden, könne ein solches Projekt zügig vorangebracht werden, wie sich im Ortsteil Druisheim bei einer Hochwasserschutzmaßnahme gezeigt habe.

An den Zusammenhalt in Heißesheim appellierte Ulrike Hampp-Weigand (SPD, „denn es geht um die Sicherung des Eigentums der Bürger“.

„Rechtlich völlig in Ordnung, aber nicht zwingend notwendig.“ So bewertet Ortsbeauftragter Kurka ein Scharmützel am Rande. Einem Heißesheimer wurde in der Sitzung kein Rederecht eingeräumt.

Kurka berichtet unterdessen von einem Treffen von Heißesheimer Bürgern, bei dem auch Höhenmessungen des sogenannten Sommerdeichs vorgelegt worden seien: „In Kenntnis dieser Daten entstand der Eindruck, dass der Deich selbst nach den aktuellen Höhendaten tauglich sein müsste.“ Dazu sei es aber notwendig, den Deich zu erhöhen, „wie es auf Donauwörther Seite geschehen ist“.

Dieses Recht beanspruchten auch die Bürger von Heißesheim. Kurka befürchtet, dass der Deich nach einer möglichen Sanierung niedriger als jetzt sein könnte. Das wiederum „könnte die Möglichkeit eröffnen, um Heißesheim herum eine möglichst große Überschwemmungsfläche zu schaffen, um Donauwörth zu entlasten“.

Bürgermeister Lohner will, wie er sagt, nun weiter versuchen, die noch fehlenden Flächen für das Wasserwirtschaftsamt zu erwerben.

Ortsbeauftragter Kurka erhofft sich baldige Antworten des WWA, um dann in Heißesheim zu einer Informationsveranstaltung einzuladen, „bei der der Bürgermeister eingeladen sei, aber nicht moderieren wird“.

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