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Glocken

27.04.2011

Die Jahrhunderte überdauert

Zwei Weltkriege hat die Donauwörther Pummerin überdauert. Sie ist ein seltenes Zeugnis der Glockegießerkunst des 19. Jahrhunderts.
Bild: Foto: Maier

Die Geschichte der Pummerin reicht bis ins Jahr 1512 zurück. Die dritte Version ist nun bereits 125 Jahre alt

Donauwörth Das Jahr 1886 ging nicht nur als Todesjahr des bayerischen Königs Ludwig II. in die Geschichte ein, es war auch für das lokale Geschehen von Donauwörth bedeutsam. Die Pummerin, die größte Glocke der Stadtpfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau, des heutigen Marienmünsters – musste damals um- beziehungsweise neu gegossen werden. Sie geht auf eine Initiative des Abtes Bartholomäus Degenhart von Heilig Kreuz zurück. Der der Freien Reichsstadt Schwäbischwerd wohlgesonnene Ordensobere ließ 1512 die Glocke gießen und stiftete sie der Bürgerschaft. Wem Degenhart seinerzeit den Auftrag erteilte, ist unbekannt.

Gesprungen ist sie 1676. Johann Gordian Schlechshorn in Neuburg, wohin die Donauwörther Stadtfischer den Glockenschrott mit zusätzlichen Metallteilen verfrachtet hatten, goss daraus einen neuen Klangkörper, die Pummerin II. Auch sie ist nicht erhalten, denn am 11. Mai 1885 barst sie abermals. Es bedurfte vieler Diskussionen in der Öffentlichkeit und im Stadtmagistrat, bis feststand, dass sie wieder in der ursprünglichen Größe hergestellt wird. Die Angelegenheit fand nicht nur in den lokalen, sondern auch den überregionalen Medien ihren Niederschlag. Letztendlich setzte sich die Forderung der Einwohner – „Wir wollen unsere Pummerin, das Wahrzeichen der Stadt Donauwörth“ – durch.

Das kleine Häuflein der Gegner wurde von Stadtpfarrer Max Beitelrock angeführt. Dieser befürwortete die Anschaffung eines kleineren Geläutes, weil er eine solch große Glocke als Verschwendung ansah. Nach ihrer Abnahme am 22. Mai 1886 reiste die beschädigte Glocke mit der Bahn nach Kempten, wo sich der Glockengießer Johann Georg Wolfart ihrer annahm. Um vorher das Gewicht zu ermitteln, brachte man sie auf die Stadtwaage. Sie versagte aber ihren Dienst, weil die Bronze-Riesin einfach zu schwer für sie war. Das genaue Gewicht von 131 Zentnern und 20 Pfund (6560 Kilogramm) zeigte erst die Bahnwaage an.

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Am 2. Oktober erfolgte der Neuguss der Pummerin (III) und am 28. Oktober kehrte sie wieder zurück. Die Weihe war zwei Tage später, vollzogen durch Dekan Wildegger aus Nördlingen. Stadtpfarrer Beitelrock hatte sich beleidigt zurückgezogen, weil sein Vorschlag, kleinere Glocken zu gießen, kein Gehör fand. Doch war er es, der sich zusammen mit dem Stadtmagistrat vehement für den Erhalt der gerade 20 Jahre alten Pummerin im Ersten Weltkrieg einsetzte. Offensichtlich schien er am Klang der damals größten Glocke Schwabens Gefallen gefunden zu haben.

Keine Zerstörung im Krieg

Dass sie auch im Zweiten Weltkrieg von der Ablieferung verschont blieb, grenzt schon an ein Wunder. Abermals zum Schweigen verurteilt war die Pummerin gleich zu Beginn des Jahres 2006, als der etwa 300 Kilogramm schwere Klöppel an der Aufhängung brach. Neu angefertigt und montiert wurde das Werkstück von einer Passauer Glockengießerei, sodass zum Osterfest wieder geläutet werden konnte.

Parallelen zur Donauwörther Pummerin zeigt die Apostelglocke des Domes zu Bamberg. 1459 entstanden, sprang auch sie im Mai 1885. Im Jahr darauf bewerkstelligte der Augsburger Gießer Fritz Hamm (I) den Neuguss. Dieser hielt den Weltkriegen ebenfalls Stand.

Nur noch der Spruch, der eigentlich auf alle ehernen Rufer zutrifft, erinnert noch an das ebenfalls von 1886 stammende Glöckchen von Vockenhausen (Stadtteil von Eppstein im Taunus). Der lateinische Text „Dum trahor, audite – Voco vos, ad sacra, venite“ lautet übersetzt und etwas prosaisch wiedergegeben: „Werd’ ich geläutet, so höret – ich ruf’ euch, zum Heiligtum zukehret.“

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