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Studie

30.12.2014

Die Zukunft hat schon begonnen

„Die Zeitmaschine“ war nicht nur ein wegweisender Zukunftsroman, der mehrfach verfilmt wurde. Unser Bild zeigt „The Time Machine“ von 2002. Der Roman war auch einVorbote für die wissenschaftliche Zukunftsforschung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bild: imago stock&people

Über die Gegenwart hinauszusehen, ist schwer. Trotzdem versuchen es die Menschen immer wieder. Die neue Augsburger Professorin Elke Seefried will wissen weshalb

Man schreibt das Jahr 802 701. Die Welt ist bewohnt von zwei gegensätzlichen Arten von Lebewesen menschlicher Abstammung. Im Lauf von Jahrtausenden haben sich zwei Menschenrassen entwickelt – die oberirdisch lebenden Eloi und die unterirdischen Morlocks. Dieses verstörende Zukunftsszenario hat Schriftsteller H. G. Wells 1895 in seinem Roman „Die Zeitmaschine“ entwickelt.

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Der Klassiker des Science Fiction wurde oft verfilmt. Autoren wie Wells waren aber auch die Vorboten eines damals großen Trends in der Wissenschaft: der Zukunftsforschung. Nach vielen Höhen und Tiefen bekommt dieser Forschungszweig heute wieder Aufwind.

Historikerin Elke Seefried arbeitet zu diesem Thema. Ihre Studie „Zukünfte“ beschäftigt sich mit der Geschichte der Zukunftsforschung seit 1945 bis in die späten 1970er-Jahre. Die herausragende Habilitation hat in diesem Jahr den renommierten Carl-Erdmann-Preis erhalten. Und mit dieser Auszeichnung im Hintergrund ist Seefried nun zur Professorin für Neueste Geschichte in Augsburg berufen worden.

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Mit der neu geschaffenen Professur ist sie zugleich in der Führungsriege des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin aufgerückt – als zweite stellvertretende Direktorin.

Für die gebürtige Ottingerin Seefried ist es eine spannende Frage, wie Zeit in der Historie verstanden wurde und welche Zukunftsentwürfe es schon gegeben hat. Doch warum haben sich Wissenschaftler ausgerechnet im 20. Jahrhundert verstärkt mit der Zukunft beschäftigt? Und hatten sie mit ihren Voraussagen mehr Erfolg als zweifelhafte Wahrsager, die Zukunft aus dem Kaffeesatz lesen?

Fest steht, dass sich im Zweiten Weltkrieg die ersten Forscher verstärkt mit der Zukunft beschäftigten. Ein wichtiger Hintergrund waren die technischen Möglichkeiten der amerikanischen „Großforschung“, welche kriegswichtig war und etwa in der Entwicklung der Atombombe erkennbar wird. Im „Kalten Krieg“ wurden dann aus diesen Grundlagen Konzepte und Methoden für Zukunftsmodelle entwickelt. In amerikanischen Denkfabriken, den „Think Tanks“, ging es um die Frage, wie man komplexe Systeme steuern könnte, nicht nur die militärische Planung, sondern auch Bildungssysteme oder Regierungssysteme.

„Aus der damaligen Technikbegeisterung heraus dachte man, man könne per Computer Daten sammeln und daraus zuverlässige Prognosen erstellen“, sagt Seefried. Diesem kybernetischen Ansatz in der Zukunftsforschung stand aber ein zweiter Denkstil gegenüber. „Intellektuelle wollten eine bessere Zukunft erschaffen, ausgehend von Normen und Werten und unter Einbeziehung der Bevölkerung“, erläutert Seefried. Ein wichtiger Vertreter dieser Richtung war Robert Jungk. In seinem Werk „Die Zukunft hat schon begonnen“ beschäftigte er sich mit den großen Fragen der Menschheit. Sein Denkstil prägte die spätere Friedensforschung.

Heute fragt man sich: Sind die Prognosen der Forscher eingetroffen? Diese Frage lasse sich nicht pauschal beantworten, sagt Seefried: „Jede Zukunftsstudie verändert das, was danach kommt.“ Als einen Meilenstein nennt sie den Bericht über die Grenzen des Wachstums, der 1972 im Auftrag des Club of Rome vorgestellt wurde. Er habe damals den Nerv der Bevölkerung getroffen. Danach seien Umweltprogramme auf europäischer Ebene eingeleitet worden.

Der Stern der Zukunftsforscher begann nach einem Hoch in den 1960/70er-Jahren aber wieder zu sinken. Es gab viele Brüche – vor allem auch deshalb, weil die Wissenschaftler den großen Wurf wollten, dies in der Praxis aber nicht umsetzbar war. So scheiterte beispielsweise ein ehrgeiziger Plan, die Zukunft Westberlins per Computermodell zu errechnen. Aufwind erhält die Branche der Zukunftsforscher erst wieder seit der weltweiten Finanzkrise. Zu diesem Ergebnis kommt nicht nur die Augsburger Historikerin Seefried. An der Freien Universität Berlin wurde eine eigene Professur eingerichtet. Sie soll sich den Zukunftsfragen der Menschheit nun mit neuen Methoden nähern.

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