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Lesung

12.11.2018

Die vergessene Revolutionärin

Michaela Dietl begleitete Autorin Cornelia Naumann am Akkordeon.
Bild: Böcker

Cornelia Naumann berichtet in Rain über eine Zeit voller gesellschaftlichem Sprengstoff

Anlässlich des sich im November in Bayern zum 100. Mal jährenden Frauenwahlrechtes und der Räterepublik Bayern luden Hedwig Eser und ihr Team zu einer ganz besonderen Lesung.

Die Autorin Cornelia Naumann las aus ihrem aktuellen Roman „Der Abend kommt so schnell. Sonja Lerch – Münchens vergessene Revolutionärin“. Begleitet wurde sie dabei von Michaela Dietl am Akkordeon, die mit jiddischen und zeitgenössischen Liedern – wie dem Schwur des allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes, dem auch Sonja Lerch angehörte – für eine Intensivierung der dichten Atmosphäre sorgte.

Geschickt wählte die Autorin verschiedene Passagen des spannenden, historisch sorgfältig recherchierten Frauenromans aus, die Einblick in das kosmopolitische und außergewöhnliche Leben der russischen Jüdin geben.

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Sarah Sonja Lerch, die an der Seite von Kurt Eisner dem Ersten Weltkrieg mit friedlichen Mitteln ein Ende setzen wollte, stirbt unter mysteriösen Umständen in Stadelheim. Die Zuhörer jedoch und natürlich auch die Leser konnten eintauchen in ihre ziemlich ferne und wohl gänzlich unvertraute Zeit und Lebenswirklichkeit.

So erzählt die Autorin von bitterer, für uns heute kaum vorstellbaren Armut breiter Bevölkerungsschichten. Sie schildert einen Arbeitslosenmarsch und eine Hunger-Demo in München, die von der Presse als „Weiberkrawall“ betitelt wurde. Cornelia Naumann berichtet von den politischen Versammlungen der Räterepublik, vom verzweifelten Ringen der Pazifisten um Frieden, denn jeder Sieg bringe nur Unterwerfung.

Daneben entfaltet die Autorin auch Kindheitsepisoden Sonja Lerchs in Litauen oder Szenen des jungen Erwachsenendaseins in Konstantinopel.

Ganz deutlich wird so der außergewöhnliche Lebensweg, der mehrsprachig erzogenen Politikerin, die in einer Zeit voller Umbrüche, Chancen und gesellschaftlichen Sprengstoffes lebte. Das Ende des Zarenreiches in Russland (1917) und die Begründung des Freistaates Bayern (1918), Revolution und Pazifismus – Sarah Sonja Rabinowitz, verheiratete Lerch befindet sich inmitten all dieser Geschehnisse. Ein spannungsgeladener Roman, ein tragisches Leben zwischen mehr als zwei Welten.

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