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Discounter in Donauwörth: Nicht umjeden Preis

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Kommentar Von Thomas Hilgendorf
11.06.2018

Eine Anfrage eines Marktes wurde abgelehnt. Zurecht -  Häuslebauer müssen für Grundstücke blechen, Märkte fordern sie dagegen zum Schnäppchenpreis.

Discountermärkte überschwemmen Europa. Mittlerweile findet sich die gleiche oft gesichtslose Armada für den allerorts ebenso gleichen Konsum nicht nur in Europas Mitte, Westen, Süden und Norden, sondern in schier jedem ehemaligen Ostblock-Staat. Man muss nicht alles daran völlig verdammen, viel hat zweifelsohne erhebliche Vorteile für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit verhältnismäßig günstigen Lebensmitteln. Klar ist aber auch: Der einzelne Standort ist entweder eine profitbringende Nummer denn eine Herzensangelegenheit wie einst bei Tante Emma.

In Donauwörth sucht ein Discounter einen neuen Standort. Und zwar nur wenige Meter entfernt von jenem, den das Unternehmen bereits betreibt und nun offenbar aufgeben möchte. Mehr Parkplätze, mehr Profit. Mehr und mehr. Die Stadt sieht sich bei der Anfrage in einer Zwickmühle. Das Dilemma: Verweigerte man sich dem Ansinnen, vergrätzte die Stadt möglicherweise den Discounter. Einige Bürger aus der Umgebung müssten fortan weitere Wege auf sich nehmen. Sagte man „ja“ zum Grundstückserwerb, so schüttelte mancher Bürger ob der minimalen geografischen Distanz den Kopf. Würde er zudem die unter Verschluss gehaltenen Angebote so mancher Discounter für anvisierte Grundstücke kennen, setzte bei nunmehr verstärktem Kopfschütteln schier die Nackenstarre ein. Der Bürger muss hingegen, wenn er sich’s denn überhaupt noch leisten kann, mittlerweile horrende Summen über Jahrzehnte für das Minigrundstück samt Energiehäuschen aufbringen – der Discounter fordert es zum Schleuderpreis und droht direkt oder indirekt mit Abwanderung. Ja, geht’s noch?

Im oben genannten Fall in Donauwörth hat der Stadtrat jetzt „nein“ gesagt. Alles andere wäre kaum mehr vermittelbar gewesen, zumal die Große Kreisstadt nicht arm ist an Discountern und Supermärkten – wenn auch leider nicht flächendeckend im gesamten Stadtgebiet. Aber alles erwerben zu dürfen und das zum Billigpreis? Nein danke. Auch das unterscheidet den Mittelstand, nennen wir ihn in diesem Fall „Tante Emma“, von europaweit gleich aussehenden und agierenden Discount-Unternehmen: Die einen haben (oder hatten) meist einen existenziellen Bezug zu ihrer Stadt, die anderen brechen die Zelte bei Sturm sehr rasch ab. Ein Beispiel war ein längerer Discounter-Leerstand an der Dillinger Straße. "Seite 25

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