Newsticker

Gesundheitsminister Spahn rechnet mit ersten Corona-Impfungen noch in diesem Jahr
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Eine märchenhafte Stunde

Kulturtage

22.10.2020

Eine märchenhafte Stunde

In Mertingen gab es einen Wohlfühlabend der besonderen Art: Eine musikalische Lesung eines Werks von Theodor Storm

Ein Abend im Saal der Alten Brauerei in Mertingen mit einem Märchen von Theodor Storm, den man in der Literaturkritik den letzten Romantiker genannt hat, gelesen von dem früheren Radiomoderator Stephan Schäfer aus Köln, mit irischen und schottischen Traditionals sowie eigenen Kompositionen, gespielt von Nadia Birkenstock auf ihrer keltischen Harfe – so die Erwartung. Das Ergebnis aber war ein märchenhafter kultureller Wohlfühlabend. „Einen so heißen Sommer, wie nun vor hundert Jahren, hat es seitdem nicht wieder gegeben. Kein Grün fast war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern ....“ So, fast apokalyptisch, beginnt das Kunstmärchen von der „Regentrude“.

Einfühlsam, empathisch wurden im Vortrag Schäfers die handelnden Figuren lebendig – der dicke schlaue Wiesenbauer, der die Not seiner Nachbarn unter dem Deckmantel von Mildtätigkeit ausnützt, die Nachbarin Frau Stine, ihr kluger Sohn Andres, entschlossen, sein Glück mit des Wiesenbauers tapferer Tochter Maren zu erfechten. Dann der böse Gnom, der alles verdorren machende Feuermann Eckeneckepenn, und die sanfte, Leben spendende gute Fee, die Regentrude – die, von Maren erlöst, mit ihrem Erwachen die Rettung vor Hitze, Dürre und Tod bringt. Sie wurden so anschaulich und lebendig, bis zum glücklichen Ende mit Andres und Marens Hochzeit, vorgestellt, dass man beinahe atemlos zuhören mochte.

Ein Kindermärchen? Eine Parabel eher mit einerseits sehr realen, dann wieder mystischen Naturschilderungen, expressiven Personenschilderungen, manchmal leise untermalt, dann wieder verstärkt durch hinreißendes Harfenspiel. Kann Stephan Schäfer den Figuren durch seine ausdrucksvolle und Spannung erzeugende Darstellung Leben einhauchen, so ist Nadia Birkenstock, die auf unzähligen internationalen Festivals Furore macht, eine Meisterin auf diesem schon im 15. Jahrhundert als Nationalinstrument der keltischen Staaten Irland, Schottland, Wales und der Bretagne geltenden Instrument. Ihr weiches, volltönend und schmeichelnd klingendes Instrument lässt in sanft perlenden Arpeggien das Rieseln des Wassers fühlen, den lebenspendenden Regen schmecken. Wenn sie ihren gesanglichen Vortrag klangschön auf der Harfe begleitet, klingt ihr unprätentiöses Singen, ihre warme Stimme so natürlich und atmosphärisch, als erzähle sie die Geschichte von der Regentrude ein-fach in einer anderen, überhöhten Form weiter. Dass ihre Technik grandios ist, dass sie eine Meisterin auf ihrem Instrument ist, sie ihre Hörer zu fesseln, und dabei auf das Beste zu unterhalten versteht, ist dabei eine Selbstverständlichkeit.

Mit diesem Abend hat das im Rahmen der Donauwörther Kulturtage mehrfach vorgestellte Format „Lesung“ eine sehr gelungene Facette gefunden. Das Publikum wusste den sowohl sprachlich wie musikalisch hochklassigen Vortrag entsprechend zu würdigen – und erklatschte sich dann auch eine, natürlich musikalische, Zugabe. (uhw)

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren