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Marxheim-Schweinspoint

22.02.2015

Experte räumt mit Mythen auf

Martin Stegmair (rechts) und Gabriele Buck-Baumann haben den Info- und Diskussionsabend mit Professor Christian von Hirschhausen (links) in Schweinspoint mitorganisiert.
Bild: Manfred Dittenhofer

Professor Christian von Hirschhausen widerlegt die Argumente von Politik und Energieunternehmen zu den Stromtrassen

von Manfred Dittenhofer

Wenn Anwohner ein Großprojekt, wie die geplante Gleichstromtrasse quer durch Bayern, nicht direkt vor der Haustüre haben wollen, ist das die eine Sache. Wenn aber ein ausgewiesener Experte und neutraler Wissenschaftler mit den Mythen von Politik und Energielobbyisten aufräumt, hat das gleich noch einmal ein ganz anderes Gewicht. Und Christian von Hirschhausen, seines Zeichens Professor und Leiter des Fachgebiets Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin sowie Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, hat in der vollen Diepoldhalle in Schweinspoint mit einigen Mythen rund um die geplante Stromtrasse von Thüringen nach Schwaben aufgeräumt.

lMythos 1: Für die Energiewende muss diese Gleichstromtrasse gebaut werden.

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Falsch, sagt Hirschhausen. Der Netzausbau befördere die Energiewende nicht, er behindere sie. Energiewende bedeute vielmehr, regenerative Energien zu verwenden, Speicherkapazitäten auszubauen, den Strom flexibler zu nutzen und als Deckungslücke Erdgaskraftwerke in Betracht zu ziehen.

lMythos 2: Wenn die Trasse nicht kommt, gehen mit dem Abschalten der Atomkraftwerke in Bayern die Lichter aus.

Nein, meint der Professor. Bayern stehe bereits mit den vorhandenen Netzen in einem europäischen Stromverbund. Und derzeit gebe es eher eine Überkapazität an Strom.

lMythos 3: Erdgaskraftwerke sind teurer als die Stromtrasse. Daher sollen Gaskraftwerke abgeschaltet werden.

Wer wisse heute schon, was ein Großprojekt am Ende koste, fragt Hirschhausen. Eines aber sei klar: Der Einfluss auf die Umwelt sei bei einem ortsgebundenen Bau, wie dem eines Erdgaskraftwerks, weit geringer als der Einfluss einer Hunderte von Kilometer langen Stromtrasse. Dazu kämen laut Hirschhausen noch Umgebungskosten. Was werde in die Kosten für die Trasse eingerechnet? Die Enteignungen? Die Proteste? Die Zwangsabsiedlungen von ganzen Dörfern in Thüringen, um den Braunkohleabbau zu forcieren.

l Mythos 4: Im Norden und Osten Deutschlands gibt es ein Überangebot an regenerativem Strom, der nicht nach Süden transportiert werden kann.

Na ja, meint der Wissenschaftler. Deutschland habe das wohl beste ausgebaute Stromnetz der Welt, das sich im europäischen Verbund befinde. In den vergangenen fünf Jahren seien zudem knapp 500 Kilometer Stromtrassen ausgebaut worden. Schon heute reichten die Netze für den Transport.

l Mythos 5:Der Strom wird teurer, wenn die Trasse nicht kommt.

Quatsch, sagt Hirschhausen. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Preisdifferenz vernachlässigbar gering sein würde. Die teuren Netze aber zahle der kleine Mann, da die energieintensiven Unternehmen vom Netzentgelt befreit seien. Wann wohl werde der Strom teurer – mit oder ohne Trasse?

Hirschhausen räumte kräftig auf - und das völlig unaufgeregt und rational. „Die Eckpunkte der bayerischen Energiepolitik schließen Kohlestrom explizit aus. Und auch weltweit wollen Staaten vom Kohlestrom weg. Viele sind weiter als wir, wie die USA oder Dänemark“, sagte der Referent.

Hirschhausen bereitete die vielen Gegner der Stromtrasse auf einen langen Weg vor: „Ende 2016 wird der Bundesbedarfsplan neu aufgestellt. Dann wird die Trasse wieder diskutiert werden. Ich sehe das Thema die nächsten fünf Jahre auf der Agenda.“

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