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Kunstmuseum

20.10.2017

Fantastische Augenblicke

Pfarrvikar Rainer Herteis und Museumsleiterin Annette Steinacker-Holst bei der gemeinsamen Erkundung der Ausstellung.
Bild: Achim Bees

Ein Projekt über Sehen, Nichtsehen und Gesehenwerden. Zwischen Malerei, Musik und Bewegung

Einmal im Jahr veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Offene Behindertenarbeit des Landkreises Donau-Ries (Arge OBA) einen künstlerischen Erlebnistag im Kunstmusem Wemding. Ziel ist es, über die gemeinsame Leidenschaft für Kunst und Kultur Menschen mit und ohne Handicap zusammenzubringen. Heuer hieß das Motto „Augenblicke – Erlebnistag rund ums Sehen und Nicht-Sehen“.

„Ich werde gesehen, also bin ich“ lautet eine Abwandlung des philosophischen Grundsatzes von René Descartes. Gerade in Zeiten von Youtube, Snapchat, Instagram, Facebook und Co. scheint dieser Leitspruch zum Mantra der digitalen Welt geworden zu sein. Man ist nur (wer), wenn man sich sieht. Noch mehr ist man aber, wenn man auch gesehen wird. Doch was genau wird gesehen? Welcher Teil des Selbst wird hier präsentiert? Wo fängt das Sehen an und wo endet das Nichtsehen? Solchen Fragen widmeten sich unter der künstlerischen Leitung von Annette Steinacker Holst, Christine Hubel und Petra Buser die 25 Kunstinteressierten des Erlebnisworkshops.

Sie starteten mit einem Rundgang durch das Kunstmuseum. Gemeinsam mit dem blinden Pfarrvikar Rainer Herteis führte Museumsleiterin Steinacker-Holst durch die Ausstellungsräume. Der 42-jährige Herteis kam bereits mit eingeschränkter Sehfähigkeit zur Welt und erblindete aufgrund einer Stoffwechselstörung fast vollständig im Alter von 25 Jahren. Auf berührende Weise ließ er die Teilnehmer an seinen Erfahrungen teilhaben. Er fasste bildhaft zusammen: „Die Augen sehen leider den Menschen oft nicht so, wie er wirklich ist. Denn oft sind viele gute Eigenschaften im Herzen verborgen, äußerlich nicht zu entdecken. Aber wenn ich einem anderen aufmerksam zuhöre, bringt die Sprache oft das hervor, ja das zum Klingen, was der Schöpfer im Menschen Gutes angelegt hat. Dann sehe ich den Menschen richtig.“

Die Workshopteilnehmer konnten dann zwischen „Malerei“, „Musik & Bewegung“ und „Tasten – Fühlen –Bauen“ wählen. Zentrales Element war eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Sehsinn. Während sich die Tanz- und Bewegungsgruppe dem Thema „Sehen und Nichtsehen“ durch Klänge, Rhythmen sowie mit verbundenen Augen annäherte, widmete sich die „Tasten – Fühlen – Bauen“-Einheit ihren einzelnen Sinnen anhand eines Parcours in einem Dunkelraum. In der Malereiwerkstatt hingegen sind unterschiedlichste Zeichnungen zum Thema „Herbst – wie ich ihn sehe“ entstanden.

Bei der Vorstellung der jeweiligen Gruppenergebnisse herrschte allgemeine Zustimmung: „Nur weil man etwas nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist“, resümiert Carina Augustin, Mitorganisatorin der Veranstaltung, den erlebnisreichen Kunsttag in Wemding. Aufgrund der großen Begeisterung der Teilnehmer soll das Kunstprojekt auch im kommenden Jahr stattfinden.

Zu den Aufgaben der Arge OBA gehören die Beratung von Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, die Koordination, Planung und Durchführung von Freizeit-, Bildungs- und Begegnungsmaßnahmen, die Gewinnung, Schulung und Koordination von ehrenamtlichen Mitarbeitern und vieles andere mehr. (dz)

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