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Zuwanderung

27.04.2016

Flüchtlinge lernen in 80 Tagen Deutsch

Diese Flüchtlinge haben in einem enormen Tempo die deutsche Sprache gelernt.
Bild: Helmut Bissinger

Es ist ein Kurs, den es in Bayern sonst nirgendwo gab: ein Schnell-Lerner-Kurs  für Asylbewerber. Trotz des Erfolges ist fraglich, ob es je wieder einen solchen Kurs gibt

„Deutsch ist viel schwieriger als Englisch.“ Abd Aijan ist einer von sieben Flüchtlingen, die sich dieses Urteil erlauben können. In seiner syrischen Heimat hat der 28-jährige Elektroingenieur studiert. In Deutschland bringt ihm das im Moment nicht viel. Aber er hat wie seine Mitstreiter eine wichtige Hürde genommen: in nur 200 Stunden die deutsche Sprache auf dem Niveau von B1 erlernt.

„Das Ziel war ehrgeizig“, räumt sogar Olga Geppert sein. Sie unterrichtete „Deutsch als Fremdsprache“ bei der Volkshochschule, aber ein solcher Crash-Kurs hat auch sie gefordert. Normalerweise sind für die in der Abschlussprüfung geforderten Anforderungen 600 Stunden notwendig – „und dann schaffen längst nicht alle die Prüfung“. „Mit großem Ehrgeiz habt ihr gelernt“, freute sich Gudrun Reißer, die Geschäftsführerin der Volkshochschule in Donauwörth. Sie hatte das Pilotprojekt initiiert, nachdem die Zeitarbeitsfirma AvJS aus Bäumenheim als Sponsor eingesprungen war.

In 80 Tagen haben die Absolventen nun ein Deutsch-Niveau erreicht, das dem hiesigen Realschulabschluss entspricht. 13 Schüler waren es zum Start, sieben haben das Ziel erreicht.

Flüchtlinge lernen in 80 Tagen Deutsch

Abdd Aijan strahlt an diesem Nachmittag, hält sein Zertifikat ganz fest in den Händen. Noch schwieriger als Deutsch sei nur die arabische Sprache. Er habe viel gelernt und sei am Ende „schrecklich aufgeregt“ gewesen. Der Deutschtest für Zuwanderer besteht aus einem schriftlichen Teil mit den Kategorien Hören, Lesen und Schreiben und einem mündlichen mit Konversation.

Lehrerin Olga Geppert bekannte, dass sie am Anfang schon ihre Zweifel gehabt habe. „Aber es waren alle sehr motiviert. Man merkt, dass sie gut gebildet sind“, blickt sie zurück. „Der Kurs ist in einem sehr schnellen Tempo durchgeführt worden. Nun haben sie das Zertifikat, das einen direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt gewährleistet“, fügte Gudrun Reißer an.

Abd Aijan, der von der früheren Schönheit seiner Heimatstadt Aleppo schwärmt, möchte gerne als Elektroingenieur arbeiten. „Das Leben in Deutschland gefällt mir“, sagt er. Jetzt werde er sich überall bewerben, um möglichst bald einen Arbeitsplatz zu finden.

Derzeit ist er Asylbetreuer für die Malteser in der Donauwörther Erstaufnahme. Bis Ende des Jahres läuft sein Kontrakt. Was danach kommt, das wisse er nicht. So geht es allen seinen Schulkollegen. Die Sponsorenfirma hat ihnen schon mal ein Angebot gemacht. Dort könnten sie als Zeitarbeiter tätig werden oder sich auch um einen Ausbildungsplatz bewerben.

Ob es jemals wieder einen solchen Schnellkurs in Donauwörth geben wird, ist trotz des Erfolges aber fraglich. Dazu würde man einen Sponsor benötigen – und wohl auch hochbegabte Schüler mit großem Integrationswillen.

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