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Landkreis

29.06.2020

Landkreis will mehr Haltestellen für Mitfahrgelegenheiten

Das „Polsinger Mitfahrbänkle“ steht seit gut einem Jahr in Wemding und soll eine unkomplizierte Form des Vorankommens ermöglichen. Die Idee findet Landrat Stefan Rößle pfiffig. Deshalb gibt es für Kommunen finanzielle Unterstützung, sollte ein solches Bänkle aufgestellt werden. „Wir sehen das kritisch“
Bild: Osterrieder

Plus In Wemding steht bereits ein „Mitfahrbänkle“ und auch andere Kommunen sollen darüber nachdenken. Deshalb gibt der Landkreis nun Geld für diese Transportidee.

Rote Armlehnen und ein roter Pfosten ziegen deutlich: Das hier ist keine normale Sitzbank. Hier nimmt Platz, wer eigentlich gar nicht lange bleiben will. Hier nimmt Platz, wer eine Mitfahrgelegenheit sucht.

In diesem konkreten Fall ist es eine Mitfahrgelegenheit nach Polsingen ins benachbarte Franken.

Die Bank mit den roten Armlehnen steht seit über einem Jahr im Polsinger Weg in Wemding und – so berichtet es Stadt- und Kreisrat Gottfried Hänsel – ein Erfolgsmodell, weil gut genutzt. Wer hier sitzt, zeigt an, dass er gerne bei jemanden mitfahren möchte, der diese Strecke sowieso gerade mit dem Auto fährt. Die Fahrt ist kostenfrei. Zurück kann es auf gleichem Wege funktionieren, denn auch in Polsingen steht ein Pendant des „Mitfahrbänkle“ – so der mehr oder weniger offizielle Begriff für die wohl direkteste und kleinste Form des Nahverkehrs.

Landkreis will mehr Haltestellen für Mitfahrgelegenheiten

Pfiffige Idee

Auch in Wallerstein soll es demnächst es eine solche Bank geben. „Das ist eine kleine, aber pfiffige Idee“, sagte Landrat Stefan Rößle in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Technologie am Montag. Diese bisher unscheinbare Form des Mobilität wolle man deshalb fördern. „Es ist klar, dass mit solchen Initiativen nicht alle Mobilitätsprobleme beseitigt werden können“, so er Landrat. Doch es könne ein weiterer, kleiner Baustein sein, die Menschen mobil zu halten und zudem auch positive, soziale Kontakte zu schaffen.

Der Landkreis wird deshalb Kommunen finanziell unterstützen, die eine solche Mitfahrbank in ihrem Gebiet installieren wollen. Von den geschätzten Kosten von 800 bis 1000 Euro übernimmt der Landkreis pauschal 300 Euro und bietet ein landkreisweites Logo auf dem steht: „Ich nehm Dich mit – Donaurieser Mitfahrbänkle“.

Die Initiative muss von den Kommunen kommen

Insgesamt umfasst der Fördertopf 10.000 Euro. Ein ähnliches Programm gibt es bereits für den Bau und die Sanierung von Bushäuschen. „Die Initiative dafür muss aber von der einzelnen Kommune kommen“, stellt Rößle klar. Man wolle niemanden etwas aufzwingen und die Bürgermeister und Bürger wüssten selbst am besten, ob sich eine solche Mitfahroption überhaupt lohnt und wie diese am Besten im Ort umgesetzt werden kann. Außerdem muss ja die Kommune auch dafür sorgen, dass die Bank nicht kaputt geht und gepflegt wird.

Die Grünen sehen die Idee kritisch

Die Idee des Landrats wurde von der Mehrheit der Kreisausschuss-Mitglieder befürwortet. Überraschenderweise kam klare Ablehnung von der gemeinsamen Fraktion der Grünen mit den Linken und der Frauenliste. „Wir sehen das sehr kritisch“, sagte Eva Münsinger. „Das ist aus der Zeit gefallen und wir fänden es besser, das Geld anders zu investieren – beispielsweise für eine App für den Nahverkehr.“ In ihrem Heimatdorf Blossenau kämen gar nicht so viele Privatautos von Einheimischen vorbei, als dass es sich lohnen würde, auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. „Und wie sieht es mit der Sicherheit aus“, fragte die Kreisrätin. Zudem sei es ihre Erfahrung, dass die Bänke nach einiger Zeit optisch eher ein Schandfleck seien, als eine einladende Sitzgelegenheit. Zusammen mit ihren zwei Fraktionskollegen stimmte sie dagegen.

Gemeinsame Anschaffungen sind nicht geplant

Veit Meggle von der PWG nannte die Bänke hingegen eine „sinnvolle Alternative im kleinräumigen Bereich“. Er regte sogar an, den Kommunen eine gemeinsamen Sammelanschaffung zu ermöglichen, ähnlich wie man es bei dem Förderprogramm für die Wartehallen und Bushäuschen gemacht habe. Meggle war bis zum Mai dieses Jahres Geschäftsführer des Wirtschaftsförderverbandes Donau-Ries und ist deshalb bei diesen Details gut informiert.

Gemeinsame Anschaffungen für mehrere Kommunen seien aber nicht geplant, so Jürgen Kunofsky, der im Landratsamt für den Nahverkehr zuständig ist. Man gehe davon aus, dass jede Stadt und Gemeinde die Optik der Bänke selber bestimmen will. „Wir wollen nichts vorgeben.“

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