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Gesundheit

12.06.2019

Mäuse-Virus: Immer mehr Fälle

Andreas Löw ist vom Hantavirus befallen worden. Noch immer muss er regelmäßig seinen Blutdruck kontrollieren. In einigen Wochen wird er voll genesen sein.
Bild: Millauer

Plus Die Zahl der Infektionen am Hantavirus nimmt im Landkreis zu. Ein Betroffener erzählt, wie er das Virus bemerkt hat und warum es noch schlimmer hätte enden können.

Als der Ebermergener Andreas Löw mit Kopfweh, Gliederschmerzen und leichtem Fieber aufwacht, denkt er an nichts Böses. Es wird halt eine Grippe sein oder eine Erkältung. Er ahnt noch nichts davon, dass er wenige Tage später um sein Leben kämpfen muss. Auch die Ärzte wird er vor eine ungewöhnliche Herausforderung stellen.

Als die Beschwerden schlimmer werden, geht Löw zum Arzt. Seine Hausärztin vermutet zunächst einen gewöhnlichen Infekt und verschreibt ihm die üblichen Schmerzmittel.

Doch seine Schmerzen nehmen zu, das Fieber steigt rasant auf 40 Grad. Schließlich geht Löw ins Donauwörther Krankenhaus. Sein Blut wird untersucht, die Ärzte rätseln: Haben ihn Zecken befallen? Auch Leukämie können die Ärzte zunächst nicht ausschließen. Beides stellt sich als falsch heraus. Am dritten Tag erhält Andreas Löw endlich Klarheit: Er ist mit dem Hantavirus infiziert.

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Seine Situation verschlimmert sich: „Dann ging es erst richtig los“, erinnert er sich. Die Nieren arbeiten immer schlechter, bis sie fast nicht mehr funktionieren. Löw kommt auf die Intensivstation. „Ab diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich nicht mehr Herr des Verfahrens bin“, sagt er. Er rechnet mit dem schlimmsten. Vier Tage wird er auf der Intensivstation versorgt, schläft zwischen 18 und 20 Stunden am Tag. Seine Kräfte schwinden zusehends. Zehn Kilogramm nimmt er ab. Erst zehn Tage nach Ausbruch der Erkrankung geben die Ärzte erste Entwarnung. Die Nierenwerte normalisieren sich, es geht bergauf.

Gegen das Hantavirus kann man sich nicht impfen

Löw hat es vergleichsweise schlimm getroffen – in West- und Mitteleuropa, also auch in Deutschland, tritt das Virus meist in einer eher milden Form auf. Acht Menschen sind im Landkreis Donau-Ries in diesem Jahr bisher an dem Virus erkrankt. Die Fallzahlen sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen – im April wurde ein Befall mit dem Hantavirus gemeldet, im Mai zwei, im Juni fünf. Bayernweit sind in diesem Jahr bisher 55 Fälle bekannt. 2018 waren es im gleichen Zeitraum acht Fälle. Durch Nagetiere wie Mäuse oder Ratten wird der Erreger auf den Menschen übertragen. Die Tiere scheiden das Virus mit dem Speichel, Kot oder Urin aus. Um sich mit dem Erreger zu infizieren, reicht es aus, diesen einzuatmen. Auch durch einen Biss oder wenn kontaminierter Staub auf verletzte Haut trifft, kann das Hantavirus übertragen werden.

Oft bleibt es bei den grippeähnlichen Symptomen. Bei anderen kann die Krankheit zu akutem Nierenversagen und hohem Fieber führen – das kann lebensbedrohlich sein. Impfen kann man sich gegen das Virus nicht, es können auch nur die Symptome therapiert werden.

Der Metallbauer Löw pflegt nebenberuflich den Stadtwald in Harburg. Möglicherweise dabei könnte er sich das Virus eingefangen haben. Sicher ist das aber nicht. Genau so könnte er sich den Erreger bei Arbeiten im heimischen Stadel eingefangen haben. Auch hier nisten die Mäuse gerne. In Bayern wird der Erreger insbesondere durch die Rötelmaus übertragen. Sie lebt vor allem im Wald oder waldnahen Gebieten. Besonders betroffen sind also Menschen in der Forstarbeit.

Fälle von Hantavirus schwanken stark

Panik will Andreas Löw dennoch nicht verbreiten. „Ich sehe es es ein Stück weit als Pech an, dass die Maus und ich so zusammengetroffen sind“, sagt er. Löw kannte die Erkrankung nicht – bis er selbst davon betroffen war. Die Ärzte hätten ihm gesagt, dass dieses Jahr ein neues Rekordjahr an Hantavirus-Erkrankungen werden könnte.

Die Zahlen schwanken teilweise extrem. Hatten sich etwa 2015 über 100 Menschen in Bayern mit dem Virus infiziert, waren es 2016 28 und 2017 über 300 Fälle. Im Landkreis Donau-Ries bewegt sich die Zahl der Infektionen seit 2015 im einstelligen Bereich, teilt das Landratsamt mit. Der Höchstwert wurde 2017 mit neun Fällen erreicht. Das könnte in diesem Jahr übertroffen werden, schließlich sind bereits jetzt acht Übertragungen gemeldet.

Seit 2001 ist eine Infizierung mit dem Hantavirus meldepflichtig

Auch Löw musste nach seinem Krankenhausaufenthalt zum Gesundheitsamt und seine Infizierung mit dem Hantavirus melden. Seit 2001 sind solche Fälle in Deutschland meldepflichtig. Sind mehr Mäuse unterwegs, ist auch die Zahl der Infektionen höher. Deswegen schwanken die Zahlen so stark. Besondere Vorsicht sollte man also bei Arbeiten in Schuppen, Kellern, auf Dachböden oder bei der Kompost- und Holzarbeit walten lassen, mahnt das Landesamt für Gesundheit auf seiner Homepage. Bei sichtbarem Mäusebefall sollten etwa Handschuhe und ein Mundschutz getragen werden, empfiehlt das Landesamt.

Löw dagegen braucht sich keine Sorgen mehr um das Virus zu machen – er befindet sich auf dem Weg der Besserung und ist nun immun dagegen. Und in gewisser Weise sei er auch froh über die Erfahrung: „Die Wertschätzung und mein Respekt vor dem Leben hat sich seitdem erhöht.“

Lesen Sie dazu auch: Was ist das Hantavirus - und wie erkenne ich die Symptome?

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