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Porträt

29.01.2015

Mehr als nur die Wirklichkeit

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4 Bilder
Wie aus einer anderen Welt – das Foto aber entstand an der B16 bei Buchdorf.

Ulrich Berens aus Donauwörth fotografiert Landschaften – und will mit seinen Aufnahmen etwas zeigen

Ein großer Schrank, moderne, schwarze Ledersofas und zahlreiche abstrakte Gemälde – wer sich mit dem leidenschaftlichen Hobbyfotografen Ulrich Berens trifft, ist überrascht: Seine eigenen Aufnahmen stellt der 53-Jährige zu Hause scheinbar nicht aus. „Doch, meine Fotos hängen vor allem im Gang im ersten Stock“, sagt der Donauwörther. „Ich male aber auch gerne, und meine Gemälde passen hier im Wohnzimmer ganz gut.“ Dann steht der Familienvater auf und holt einen Bildband mit seinen Fotos. Er ist voller Landschaftsaufnahmen. Nur wenige Menschen sind auf den Bildern zu sehen. „In der Natur kann man verschiedene Muster oder Stoffe entdecken, und das versuche ich festzuhalten. Ich finde es zum Beispiel spannend, wie Frost die Welt verändert. Das sieht gleich ganz anders aus.“

Wenn er zur Kamera greift, geht es dem studierten Theologen, der in der Ehe- und Familienseelsorge des Bistums Augsburg sowie als selbstständiger Webdesigner arbeitet, nicht nur darum, die Schönheit der Natur festzuhalten: „Ich suche keine Postkartenmotive, sondern gebrochene Landschaften, die der Mensch geprägt hat“, sagt er, blättert etwas in dem Album und deutet auf ein Foto. Es zeigt eine kleine Festungsinsel an der französischen Atlantikküste, die durch eine Seilbahn mit dem Festland verbunden ist. Dass es sich um ein Schwarz-Weiß-Bild handelt, ist typisch für Berens: „Mir gefällt das. Wenn man die Farbe weglässt, muss man sich auf andere Dinge konzentrieren.“

Ein gutes Foto ist für den 53-Jährigen mehr als nur eine Abbildung der Wirklichkeit. Es rückt etwas in den Fokus und wirft beim Betrachter Fragen auf. Deshalb probiert Berens immer mehrere Perspektiven aus. „Wenn ein Foto einen ungewöhnlichen Blick auf ein Objekt wirft, wird es interessant. Doch um die beste Perspektive zu finden, muss man meistens ein bisschen probieren.“

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Ein teures Equipment ist dagegen für den 53-Jährige keine Garantie für gute Bilder. „Als ich vor zehn Jahren mit dem Fotografieren angefangen habe, fand ich die ganze Technik natürlich furchtbar spannend. Aber man kann auch mit einer einfachen Digitalkamera oder einem Smartphone schöne Fotos machen.“

Amateur- und Hobbyfotografen empfiehlt Berens, sich die Bilder großer Meister anzuschauen. Er selbst hole sich gerne Anregungen vom Isländer Ragnar Axelsson und dem Briten Michael Kenna. Wenn Berens von ihnen erzählt, kommt er ins Schwärmen: „So würde ich auch gerne fotografieren“, meint er.

Wichtig sei es aber auch, einen eigenen Stil zu entwickeln. Er selbst sei zum Beispiel kein Fan von künstlicher Beleuchtung, da die Bilder dadurch eher hart wirken. Bildbearbeitungsprogramme verwendet der 53-Jährige dagegen oft. „So kann ich das Hauptmotiv des Bildes noch stärker unterstreichen. Ein wirklich schlechtes Foto kann ich damit aber nicht retten.“

Wer sich mit dem Theologen über die Grundlagen der Fotografie unterhält, versteht, dass es für ihn nicht das perfekte Foto gibt: „Der Fotograf Helmut Newton hat einmal gesagt, dass es eine große Ausbeute sei, wenn man vier oder fünf gute Bilder im Jahr macht. Ich glaube, er hat recht.“ Ohne den Mut, einfach einmal etwas auszuprobieren, und etwas Geduld scheint es allerdings nicht zu gelingen. Wie viel Zeit Berens mit seinem Hobby verbringt, weiß er nicht. „Ich würde aber gerne noch mehr fotografieren“, sagt der Donauwörther, der noch einen großen Wunsch für die Zukunft hat: „Ich möchte wahnsinnig gerne mal auf den Lofoten und am Nordkap Fotos schießen.“

Fotos von Berens gibt es am 6. Februar ab 19.30 Uhr im Rahmen von „Jazz und Kunst“ im Donauwörther Zeughaus zu sehen. Mehr von ihm kann man unter www.ulrich-berens.de finden.

In unserer neuen Serie „Kultköpfe“ stellen wir Menschen aus dem Landkreis vor, die besonders kreativ sind – sei es als Künstler, Kulturschaffende oder mit einem außergewöhnlichen Hobby und Talent.

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