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Ausstellung

26.04.2019

Mit tiefer Religiosität und frechem Humor gesegnet

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5 Bilder
Walter Uptmoor von der Mayer’schen Hofkunstanstalt München montiert Glasfenster im Gempfinger Pfarrstadel.
Bild: Hofgärtner

Josef Oberberger (1905-1994) war ein vielseitiger Künstler. Im Gempfinger Pfarrhof sind Zeichnungen und Glasbilder zu sehen.

Die Chorfenster des Donauwörth Liebfrauenmünsters zeigen die Geheimnisse des Freudenreichen und Glorreichen Rosenkranzes. Im Hauptbild ist die Krönung Mariens zu sehen. Die Gottesmutter steht zur Rechten Christi, der sie segnet. Beide tragen eine Krone und sind einander zugewandt.

Im Scheitel des Spitzbogens ist Gottvater als rotes Dreieck erkennbar. Diese himmlische Szenerie wird von Engeln begleitet. Die Fenster stammen von Josef Oberberger (1905-1994). Der Künstler konnte damals schon Arbeiten für die Dome von Augsburg, Luxemburg, Naumburg und München sowie für große Kirchen in Speyer und Berlin vorweisen und genoss einen hervorragenden Ruf als Glasmaler.

Mit den Farben der Donauwörther Fenster beschränkte sich der Künstler ganz auf Blau, Rot und Gelb, wie man sie bei mittelalterlichen Domen und Kathedralen findet. Mit der gotischen Kunst kam der junge Oberberger zum ersten Mal als Regensburger Domspatz in Berührung. Die sechs Jahre, die er dort verbrachte, legten in ihm den Grundstein für seine lebenslange Verbundenheit zum Regensburger Dom.

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Von der Musik zur Malerei

Das tiefe Erleben ließ in ihm den Wunsch reifen, Glasmaler zu werden. So kam er von der Musik zur Malerei. Nach einer Glasmalerlehre wechselte er 1925 nach München, wo er an der Akademie der Bildenden Künste seinem Lehrer Olaf Gulbransson begegnete. Der berühmte Künstler und „Simplicissimus“-Karikaturist war sein großer Mentor und lebenslanger Freund. Über ihn lernte Josef Oberberger die Münchner Kulturszene kennen und schloss Freundschaft mit Eugen Roth, Karl Valentin, Liesl Karlstadt und anderen.

Im Jahre 1937 unternahm er seine erste Studienreise nach Frankreich, wo ihn die Kathedralen von Paris, Chartres und Les Mans tief beeindruckten. Er schöpfte aus dem mittelalterlichen Motivfundus, dem er dort begegnete. Oberberger fand aber stets zu einer eigenen Formensprache, die sich nie in einen Gegensatz zur alten Sakralarchitektur stellte. Unter diesem Eindruck entstanden die Glasfenster in Bobingen (1937) und Buchloe (1939).

Mit großer Erzählfreude

Der Künstler gestaltete die Themen figurativ und mit großer Erzählfreude. Zur Bobinger Wendelinskapelle entwickelte er eine besonders enge Beziehung. Hier heiratete er 1939 Mathilde Schmeckenbecher. Im Bild des Pfingstwunders hat er sich selbst als Apostel neben Maria gestellt, die die Züge seiner Frau trägt. Unter der Schar der abgebildeten Jünger findet man ebenfalls Olaf Gulbransson, der als Trauzeuge zur Hochzeit nach Bobingen gekommen war.

Der Krieg bedeutete einen tiefen Einschnitt im Schaffen des Künstlers. Die Glasgemälde, die Josef Oberberger danach schuf, unterscheiden sich stilistisch von früheren Arbeiten und nähern sich in einzelnen Elementen der Abstraktion. Die Donauwörther Fenster sind dafür ein treffendes Beispiel. Überwiegend sind sie aus geometrischen Formen (unregelmäßige Rechtecke, Dreiecke, Rauten) aufgebaut.

Im Augsburger Dom verewigt

In diese Schaffensperiode datiert auch eines seiner Hauptwerke: Es sind die großflächigen Fenster, mit denen er sich im Chor des Hohen Domes zu Augsburg verewigt hat. Die Arbeiten beschäftigten ihn mit Unterbrechungen 15 Jahre. Schon beim ersten Auftrag, den Oberberger 1952 erhielt, wird der Stilwandel deutlich. Das Ostchorfenster zeigt die Darstellung Mariä Heimsuchung, die Begegnung Mariens mit ihre Base Elisabeth. Die abgebildeten Personen werden nur mehr sehr stilisiert dargestellt.

Auch sein letzter Glasfensterauftrag führt Oberberger noch einmal nach Schwaben. Für die Ursula-Kirche in Schnuttenbach bei Gundremmingen fertigte er im Jahre 1989 die Zyklen der Schöpfung, Passion und Auferstehung. Er schuf diese in einer Weise, die für sein Schaffen technisch und stilistisch singulär ist. Nach Art von chinesischen Tuschezeichnungen entwirft er eine reduzierte Bilderwelt, die mit einem Minimum an Gestalten und Gesten auskommt.

Keine Signatur

Gerade die schwäbischen Arbeiten spannen also einen weiten stilistischen Bogen und dokumentieren seine künstlerische Entwicklung in besonderer Weise. Übrigens hat Oberberger keine seiner Kirchenfenster signiert. Sein Grundsatz lautete: „Mein Auftraggeber ist das Gotteshaus und seine Architektur. Also: Anonymität!“

Oberberger war nicht nur ein bedeutender Glasmaler sondern ein ebenso begnadeter Zeichner. Die Grafiken sind von einer großen thematischen Vielfalt und zeigen, dass er mit einer gehörigen Portion hintersinnigem und frechem Humor gesegnet war. Im Jahre 2008 erhielt der Förderverein Gempfinger Pfarrhof ein Konvolut von 60 Grafiken dieser Art.

Im Gempfinger Pfarrhof ist der ideale Rahmen

Vor zwei Jahren wurde nun die in München ansässige Oberberger-Stiftung auf den Gempfinger Bestand aufmerksam. Nach einer Ortsbesichtigung waren sich die Mitglieder des Kuratoriums schnell einig, dass der Gempfinger Pfarrhof den idealen Rahmen für eine große Oberbergerausstellung bietet. Einen Glücksfall stellte es dar, dass die renommierte Mayer´rsche Hofkunstanstalt in München für das Projekt begeistert werden konnte. In dieser Werkstätte hatte Josef Oberberger alle seine Glasfenster gefertigt. Der Firmeninhaber Michael Mayer besitzt zudem eine Fülle von Oberberger-Glasbildern, die er für das Gempfinger Projekt großzügig zur Verfügung stellte.

Die Scheiben werden im Pfarrstadel gezeigt und stellen einen besonderen Glanzpunkt dar. Begleitend zur Ausstellung wurde unter dem Titel „Himmlisch – irdisch – bayrisch“ ein Katalog erstellt. Der Bildband wird durch Betrachtungen von Schülern, Weggefährten und Freunden ergänzt. Unter anderem kommt auch Helmut Christian Walter zu Wort, der einige Episoden aus seiner Studienzeit bei Josef Oberberger beisteuerte.

Die Ausstellung wird am Freitag, 3. Mai ,zusammen mit der Buchpräsentation eröffnet und ist an den darauffolgenden Sonntagen (5. Mai, 12. Mai, 19. Mai, 26. Mai) sowie am 30. Mai 2018 (Christi Himmelfahrt) jeweils von 14 bis 17 Uhr, außerdem nach den Veranstaltungen geöffnet.

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