Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Rains Bürgermeister Karl Rehm: Freier Schreibtisch statt Papierberge

Rain

04.09.2020

Rains Bürgermeister Karl Rehm: Freier Schreibtisch statt Papierberge

Ein leerer Schreibtisch heißt bei Karl Rehm nicht, dass es keine Arbeit als Bürgermeister in Rain gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Doch mit dem neuen Amtschef begannen auch neue Zeiten: Es läuft jetzt viel mehr digital.
Bild: Barbara Wild

Plus Karl Rehm ist neuer Bürgermeister in Rain. Er hat sich erst einmal alles sortiert. Das ist in seinem Büro bereits sichtbar. Doch es gibt auch etwas, das ihn unzufrieden macht.

Am 1. Mai haben die neuen Bürgermeister ihr Amt angetreten – Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Die Donauwörther Zeitung beleuchtet in einer Serie die Erfahrungen der neuen Rathauschefs in der Region. Heute schließen wir die Serie mit Karl Rehm aus Rain.

Karl Rehm hat gerne die Übersicht. In seinem doch eher historisch anmutenden, grün getäfelten Bürgermeisterbüro im Obergeschoss des Rainer Rathauses steht sein großer Schreibtisch. Zwei große weiße PC-Bildschirme dominieren, daneben liegt das aufgeklappte Tablet.

Nur ein paar wenige Unterlagen liegen an einer Ecke der Tischplatte. Oben eine Tafel Schokolade – es ist ein süßer Gruß eines Bürgers für den Bürgermeister der Stadt Rain, der seit 1. Mai ein neuer ist. 30 Jahre regierte hier Gerhard Martin. Karl Rehm hat erst einmal aufgeräumt – also angefangen, Dokumente zu digitalisieren und den Schreibtisch frei zu fegen. Er mag es gern, wenn am Ende des Tages kein Papier mehr darauf wartet, bearbeitet zu werden.

Rehm: "Für mich war es eine Lebensentscheidung"

„Mir hilft es, wenn ich mich gut sortiere“, beschreibt Rehm sein sich Vorarbeiten in die neue Arbeitswelt zwischen Verwaltung, Personalführung und Ansprechpartner für die Bürger in jeder noch so kleinen Angelegenheit. Die Theorie der Verwaltung ist ihm bekannt, eine entsprechende Ausbildung bringt er ja mit. Doch nach Jahrzehnten in der Verwaltung des Gefängniswesens ist das Bürgermeisteramt natürlich wieder etwas ganz Neues. „Ich muss offen zugeben, dass ich die Fülle an Themen nicht erwartet habe. Das beeindruckt mich schon“, sagt Rehm. Aber er lächelt und gibt klar zu erkennen, wie sehr ihm die neue Aufgabe gefällt, Spaß macht und ihn bewegt. „Für mich war es eine Lebensentscheidung, und ich will es so“, sagt Rehm. Aber ein bisschen weniger „Sprung ins eiskalte Wasser“ wäre ihm lieber gewesen.

Denn eine Schonfrist gab es nicht. Die Pandemie machte wichtige Entscheidungen eines Bürgermeisters notwendig. Die Umsetzung der Richtlinien in Kindergarten, Schule und Co. forderten Zeit und Organisation. Schwieriger ist die Lage in Rain auch deshalb, weil wichtige Posten der Verwaltung nicht besetzt sind. Ein Architekt hat zum 1. September im Bauamt begonnen, das verspricht Erleichterung. Doch eine weitere Stelle im Tiefbauamt ist vakant. Die Leitung des Hauptamtes ist ausgeschrieben, nachdem die bisherige Angestellte gekündigt hat. „Es ist schwer, geeignetes Personal zu finden. Viele Verwaltungen haben das Problem“, so Rehm.

Rains Bürgermeister Rehm pflegt guten Kontakt zu anderen VG-Bürgermeistern

Rehm hat zu Beginn mit jedem der Rathausmitarbeiter gesprochen. Das war ihm persönlich wichtig. Auch das Personal der VG hat er bewusst im Einzelgespräch kennengelernt. „Es ging vor allem darum, die Wünsche und Probleme kennenzulernen und zu priorisieren“, erzählt Rehm, der auch die Zusammenarbeit mit den anderen, ebenfalls neuen VG-Bürgermeistern lobt. „Das ist schon fast freundschaftlich.“ Gemeinsam habe man schon diverse Optimierungen im Ablauf umgesetzt.

Dass aber nicht immer alles rund läuft, hat er in den ersten Wochen auch merken müssen. Bürger kamen mit der Unterschriftenliste gegen die Erweiterung des Kindergartens. „Davon hatte ich im Vorfeld nichts mitbekommen. Da war es schwierig, gut darauf zu reagieren“, so Rehm. Auch in Sachen Jugendtreff kam nicht alles so an, wie er sich das gewünscht hatte. Bei einer Besichtigung eines möglichen Raumes in der Hauptstraße 55 haben sich einige vor vollendete Tatsachen gestellt gefühlt. Bürger befürchten eine Partymeile. Dabei will Rehm das Thema Jugendarbeit grundlegender angehen mit einem Förderverein und Betreuung und auch die Bürger einbinden.

Wie kann man Bürgerversammlungen in Rain abhalten?

Es gibt aber bisher wohl nur eine Sache, die Rehm wirklich unzufrieden macht. Denn er hat sich als großes Ziel gesetzt, den Kontakt zu den Bürgern und in die Stadtteile zu intensivieren. Das aber hat Corona erst einmal gestoppt. „Schon allein die Wahl der Ortssprecher ist organisatorisch eine Herausforderung“, sagt Rehm. Schließlich ist die Stadt als Ausrichter einer solchen Versammlung dafür verantwortlich, dass die Hygieneregeln eingehalten werden können. Das scheitert schon daran, dass es weder Halle noch Saal in den Stadtteilen gibt, die dafür groß genug wären. „Gleichzeitig aber brauchen wir die Ortssprecher als wichtige Kommunikatoren ins Dorf“, sagt Rehm. Ähnlich schwierig wird es bei den Bürgerversammlungen, die in Rain traditionell im Herbst stattfinden. Auch für den Herbst vorgenommen hat sich Rehm die Haushaltsverhandlungen. Der Finanzplan für das neue Jahr soll noch heuer stehen. Einige Investitionen sind gesetzt, wie die Schulbauten oder die Kanalarbeiten. „Wir werden zu Ende führen, was begonnen wurde. Aber dem Bürger muss auch klar sein, dass die Ausfälle der Einnahmen sich bemerkbar machen.“

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren