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Asyl

25.01.2018

Sitzstreik und lautstarker Protest

Die Asylunterkunft in Donauwörth wurde Schauplatz eines Tumults.
Bild: wwi

In Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth kommt es zu tumultartigen Szenen, ehe sich die Lage beruhigt

In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der ehemaligen Donauwörther Kaserne gab es am Dienstag neben einer Protestaktion (wir berichteten), die friedlich blieb, weitere Vorkommnisse. Dies berichtet die Polizei. Demnach hielt sich vormittags ein 23-Jähriger im Sozialamt im Zentrum des Areals auf und wollte die Räume nicht mehr verlassen. Daraufhin rückten Polizei und Sicherheitsdienst an. Der Mann, der auf dem Boden saß, weigerte sich beharrlich, aufzustehen. Deshalb schafften ihn die Sicherheitskräfte gewaltsam aus dem Gebäude. Der Schwarzafrikaner habe sich dagegen „erheblich gesträubt“, teilt die Polizei mit.

Die Beamten nahmen den Asylbewerber mit zur Polizeiwache in der Erstaufnahme. Nachdem der Sachverhalt abgeklärt worden war, trat der 23-Jährige auch dort in einen Sitzstreik. Erneut musste er mit körperlicher Gewalt weggeschafft werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits 30 bis 40 Flüchtlinge, der Großteil von ihnen Gambier, vor dem Bauwerk versammelt. Grund: Sie hatten erfahren, dass ihr Landsmann festgehalten wurde. „Die Stimmung heizte sich immer weiter auf“, schildert die Polizei. Zwei der Afrikaner, 21 und 24 Jahre alt, versuchten, dem Festgenommenen zu Hilfe zu kommen.

Die Situation konnte den Gesetzeshütern zufolge erst nach dem Eintreffen mehrerer Polizeistreifen, des Sicherheitsdienstes und von Ansprechpartnern der in der Unterkunft vertretenen Sozialdienste beruhigt werden. Ein Polizist und ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma erlitten bei dem Tumult leichte Verletzungen. An der Wache ging eine Glasscheibe zu Bruch. Am Nachmittag zogen dann – wie schon gemeldet – 50 bis 60 Schwarzafrikaner vor das Verwaltungsgebäude am Eingang zur ehemaligen Kaserne, um lautstark ihre Anliegen vorzubringen. Der Protest richtete sich unter anderem gegen die negativ beschiedenen Asylanträge, die einige der Flüchtlinge erhalten hatten. Erneut rückte ein größeres Polizeiaufgebot an.

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Die Protestaktion löste sich aber nach etwa zwei Stunden auf, nachdem Vertreter aus der Gruppe mit Verantwortlichen der Regierung von Schwaben persönlich Rücksprache gehalten hatten und ihre Anliegen vorgebracht hatten. Die Betroffenen hätten wohl das Gefühl bekommen, gehört zu werden, erklärt Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben in Augsburg.

Am Mittwochnachmittag wurde Meyer zufolge eine Nachbesprechung der Vorkommnisse anberaumt. An dem Treffen waren Bedienstete der Stadt Donauwörth, des Landratsamts, der Regierung von Schwaben und der Polizei dabei.

In der Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth sind seit Monaten schwerpunktmäßig auch Afrikaner untergebracht. Ende des vergangenen Jahres waren es etwa 240, darunter viele Gambier. Abgelehnte Asylanträge gehören nach Auskunft von Meyer zum Tagesgeschäft in einer solchen Einrichtung: „Das Bundesamt ist dran, die Verfahren zügig abzuarbeiten.“ (wwi)

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