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Kulturkreis

12.05.2015

Spitze Zungen und brillante Klänge

Angriffslustig wie eh und je zeigte sich Hans Well in Mertingen. Tochter Sarah und Stefan trugen noch zusätzlich zum Elan auf der Bühne bei.
Bild: Helmut Bissinger

Gelungene Mischung aus kabarettistischer Lesung und Musik der Wellbappn

Hans Well hat viele Facetten. Der Kabarettist ist mit 60 Jahren mit allen Wassern gewaschen. So schmeißt er das Programm fast alleine, wenn seine „Wellbappn“ nicht vollständig sind. In Mertingen wurde Tabea, die an der Musikhochschule vorspielen musste, durch Stefan ersetzt und Tochter Sarah (20) rockte mit dem Altmeister so perfekt die Bühne in der Antonius-von-Steichele Grundschule, dass sich das übliche „Very Well“-Gefühl einstellte.

Als nach dem überraschenden Ende der alten Familienformation Bayern die Biermösl-Öde drohte, währte der Kulturschock nicht lange. Was mit den Brüdern so recht offensichtlich nicht mehr klappen wollte, funktioniert im familiären Verbund mit den eigenen Kindern ganz vorzüglich. Dass voran Hans Well es war, dem die alte Blosn zu ruhig, gediegen und brav wurde, glaubt man jedenfalls sofort, hört man ihn aktuell. Die Jugend an seiner Seite trägt zusätzlich Elan bei, die Angriffslust ist wieder unbändig und Bayern das Gott gesegnete Land, wo der Stoff fürs Kabarett so schnell nicht ausgeht.

Das Repertoire scheint unermesslich. Die Kombination zwischen Musik und Liedern und den Erzählungen Hans Wells ist perfekt. Amüsant und voller Hintersinn liest er aus seinem Buch, bindet die Vergangenheit geschickt ein, präsentiert so ein Stück bayerischer Kabarettgeschichte.

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Die Bahngewerkschaft kommt ebenso vor wie das „Bavarian Feeling“, ausgelöst vom FC Barcelona. Well spricht mit Hochachtung von seinen Freunden: seinem Mentor Dieter Hildebrandt und den Panitz-Brüdern. Er erinnert sich an viele gemeinsame Treffen in Buttenwiesen mit den „Mehlprimeln“, an die schöne Zeit mit Fredl Fesl. Fast spürt man Wehmut. Zuvorderst bekommen die üblichen Verdächtigen zu spüren, dass die Wellbappn neuerdings auch beißen können: die CSU, die Bundeswehr, die Kirche, die Schützen und, und, und.

Auf der Bühne wirkt manches improvisiert, es gibt schon mal einen Hänger, oder alle drei müssen so über sich lachen, dass sie ins Stocken kommen. Und wird der Vater mal zu lang, dann ergreift Sarah, die Indologie studiert hat, die Initiative. Aber eigentlich könnte man Hans Well lange zuhören: Einfach genial waren seine Bemerkungen zu einem Auftritt der Biermösl-Blosn in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, als sie noch während des Auftritts packen mussten, um nach einem Putsch schnell das letzte Flugzeug zu erwischen.

Papa Hans muss da durch

Musikalisch bewegte sich das Trio zwischen volkstümlichen Couplets und urigenGstanzln.Auch einwenig groovigere Klänge werden im Programm abgestimmt, da muss Papa Hans dann durch, ob er will oder nicht, denn so langsam ist die Jugend am Zug. Mehr als einer Lesung oder einer konzertanten Darbietung glich der Abend, vom rührigen Mertinger Kulturkreis zum Muttertag organisiert, einem gemeinsamen fröhlichen Feiern, dann da und dort bezog Sarah Well das Publikum mit ein, wenn sie es etwa mit dem Singen des „Refrähs“ beauftragte.

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