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Donauwörth

18.09.2020

St. Johannes stark auf Expansionskurs in Donauwörth

Völlig neue Gebäudekomplexe sind in den vergangenen Jahren an der Zirgesheimer Straße in Donauwörth entstanden, die eine „soziale Meile“ in Donauwörth geworden ist: Hier befinden sich neben vielen Einrichtungen der Stiftung St. Johannes auch solche der Caritas.

Plus Die Stiftung aus Schweinspoint, die auf Behindertenarbeit spezialisiert ist, ist viel stärker in Donauwörth präsent als früher. Das hat einen Grund.

Der Termin im Garten hinter der neuen Metzgerei an der Zirgesheimer Straße in Donauwörth ist diesmal eigentlich nur ein kleines Treffen – die Stiftung St. Johannes aus Schweinspoint hatte zuletzt in Donauwörth weitaus größere Einrichtungen eingeweiht. Doch die konstante Ausweitung des Programms der katholischen Sozialinstitution hat beileibe nicht nur wirtschaftliche Gründe. Es geht vielmehr auch ums Grundsätzliche.

Jüngstes Projekt: die "Schlossmetzgerei" in Donauwörth

Doreen Paus erklärt im Rahmen der jüngsten Filialeinweihung, eben jener Eröffnung der Metzgereifiliale in der Zirgesheimer Straße 37, dass auch eine soziale Einrichtung möglichst wirtschaftlich arbeiten müsse; dies sei aber nur die eine Seite der Medaille. Es sei schlichtweg zeitgemäß und gesellschaftlich angebracht, dass die traditionsreiche Stiftung sich von Schweinspoint aus verstärkt in Richtung Donauwörth – Richtung Stadt – orientiere, so die stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung. Sie erklärt das auch im historischen Kontext: Früher seien Behinderteneinrichtungen eher „weit draußen“ gebaut worden und nicht in den Städten, wo viele Menschen zusammenkämen. Der inklusive Gedanke, den die Stiftung weitgehend verfolgen wolle, habe jedoch den Anspruch, dass behinderte Menschen als Teil der Gesellschaft „ganz normal“ mitleben und arbeiten.

Zuletzt ist viel gebaut worden an der Zirgesheimer Straße in Donauwörth

Weithin sichtbar, wenn man aus Zirgesheim in Richtung Donaubrücke steuert, sieht man, just nach der neuen „Schlossmetzgerei“, einige größere Komplexe: das Donauforum. Hier sind Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung angesiedelt, ein Wohnzentrum für geistig Behinderte, eine Tagesstätte sowie das Kaufhaus SinnSalabim in Kooperation mit dem Caritasverband für den Landkreis Donau-Ries. Vor einigen Monaten startete man in jenem Komplex, wo früher die Kleiderkammer der Bundeswehr-Standortverwaltung untergebracht war und der aufwendig saniert wurde, ein besonderes Projekt, das die Begegnung von behinderten und nicht behinderten Menschen bereits in frühen Jahren fördern soll: Das Jugendzentrum Donauwörth ist quasi mitten in das Donauforum gezogen.

Angemietet wurden die Räumlichkeiten hierfür von der Stadt. Weitere Werkstätten sind bereits vor einiger Zeit nach Donauwörth gekommen: An der Zirgesheimer Straße 23 und 25 produzieren 110 Mitarbeiter mit psychischer Behinderung neben Holzeinrichtungen für den Mertinger Wohnwagenhersteller Fendt Caravan auch Textilien für die Filmbranche. Ebenfalls findet sich hier eine Elektromontage und eine Textilpflege. Fast schon alteingesessen im Vergleich zu vielen noch recht jungen Einrichtungen hier an der Zirgesheimer Straße ist das Wohnheim Donaublick, dessen Name im wahrsten Sinne des Wortes Programm ist für die 24 Bewohner mit geistiger Behinderung. Des Weiteren liegt in der Nachbarschaft ein Heim mit 13 Plätzen für Menschen mit psychischer Behinderung.

Kerngedanke: ein Miteinander von behinderten und Nichtbehinderten in Donauwörth

Da ein Kerngedanke der Inklusion das gelebte Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten ist, wurde neben dem Juze auch der Engelkeller aufgebaut. Er ist eine Frühstückspension, in der auch Behinderte arbeiten. Der Biergarten und der Eventkeller wurden im März dieses Jahres an das Restaurant Freche Erbse untervermietet. Spielt also im Zuge der stärkeren Präsenz des Behindertenwerks in Donauwörth der Traditionsstandort Schweinspoint fortan eine geringere Rolle? Nein, dem sei nicht so, meint Paus. Nach wie vor sind dort große Werkstätten sowie die Landwirtschaft, die ja auch für die Metzgerei produziere. Auch viele Menschen wohnen dort vor Ort – aber es müsse vieles weiterentwickelt, verbessert werden: Man wollte weg von Mehrbetträumen hin zu Einzelzimmern, was auch mehr Freiraum und Lebensqualität verspreche. Deswegen müsse man erweitern – und diese Expansion solle eben auch hinein in die Stadtgesellschaft erfolgen. Damit behinderte Menschen stärker als bislang als ganz normaler Teil der Gesellschaft angesehen werden.

Wohnheim-Projekt in Oberhausen ist ins Stocken geraten

Etwas ins Stocken geraten ist zuletzt dagegen das Wohnheim-Projekt in Oberhausen im benachbarten Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Dort war ein Standort in einem Gewerbegebiet angedacht, gegen welches sich eine Bürgerinitiative wehrt. Obwohl also noch nicht jedes der zahlreichen Projekte bereits in trockenen Tüchern liegt – Ziel und Richtung stehen fest für die Stiftung St. Johannes: behinderte Menschen als ein sichtbarer, normaler und geachteter Teil der Gesellschaft.

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