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Donauwörth

08.11.2019

Tanzhaus: Die Sanierung wäre günstiger

Tanzhaus in der Reichsstraße im Januar 2019 bei Schnee.
Bild: Barbara Wild

Plus Architektin Bettina Kandler analysierte, ob ein Neubau oder das Fitmachen des bestandes sinnvoller wäre. Dabei war im Donauwörther Rathaus Überraschendes zu hören.

Das Tanzhaus ist eines der zentralen Donauwörther Themen vor den OB-Wahlen im März. Die Kernfrage: Soll es abgerissen und neu aufgebaut oder aber doch saniert werden? Die Stimmung der Ratsleute vor der Sitzung am Donnerstag tendierte seit Längerem mehrheitlich in Richtung Abriss. Doch nun könnte sich manch einer gezwungen sehen komplett umzudenken: Nach der Präsentation der Machbarkeitsstudie im Rathaus zeigt sich, dass eine Sanierung wohl durchaus umsetzbar und auch bei weitem günstiger wäre als der bis dato favorisierte Neubau.

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Nicht immer sind die Besucherreihen im Sitzungssaal so gut gefüllt wie bei dieser Sitzung. Allein das ein Zeichen, dass es um ein Donauwörther Herzensthema geht, wenn das Tanzhaus auf der Ratsagenda steht. So bezeichnete es auch die Donauwörther Architektin Bettina Kandler, die mit der Machbarkeitsstudie beauftragt war. Sie bot eine ziemlich beeindruckende Präsentation dar, welche der Kernfrage nachgehen sollte, ob ein Abriss mit Neubau oder aber eine Sanierung des bestehenden Gemäuers sinnvoller wären. Eine eindeutige Antwort gab es nicht – wohl aber eine neue Sichtweise, die die Entscheidung über die Zukunft des zentralen, aber derzeit geschlossenen Donauwörther Veranstaltungsgebäudes schwieriger gestalten dürfte.

Option eins: Sanierung des Tanzhauses

Sanierung: Zunächst analysierte Kandler die Option des Stadtsaales im Erdgeschoss (EG). Die Defizite fingen hier bereits auf den ersten Blick an: Stützen im Raum versperrten die Sicht, die Deckenhöhe wäre zu niedrig, die Platzkapazität zu gering (304 Sitzplätze). Auch wenn man bei dieser Option eine Touristen-Info im EG installierte und der Zugang weithin barrierefrei wäre, so sei die Option „Stadtsaal im EG nach der Sanierung“ nicht zu empfehlen.

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Zwei Nutzungsvarianten im Zuge einer Sanierung kämen aber derweil sehr wohl infrage. Hierbei befände sich ein Café mit 148 Plätzen im EG, zudem gäbe es Außenbestuhlung sowie die Touristen-Info im hinteren Teil des Gebäudes. Dort könnten auch Toiletten, Schließfächer und Lebensmittel-Übergabeboxen des Stadtladens angesiedelt sein. Bei zuletzt Genanntem könnten Online-bestellungen aus dem Stadtladen für die Kunden gelagert werden, die diese dann nach Feierabend abholen.

Die zweite Sanierungs-Möglichkeit würde die Unterbringung der Bibliothek im EG vorsehen, die Platzzahl im Café verringerte sich dann aber auf 64 Plätze (bei zusätzlich 48 Plätzen außen).

Beide Varianten sähen im ersten, beziehungsweise zweiten Obergeschoss (OG) den Stadtsaal vor. Dieser wäre mehrfach teilbar, über ein Teleskop-Hebesystem könnte man aus einem großen Ballsaal mit 312 Plätzen im ersten OG (und weiteren 126 im zweiten OG) eine Tribüne errichten. Diese ist über das angesprochene Hebesystem im Boden versenkbar. Auf Barrierefreiheit müsste man bei allen Varianten achten.

Im Dachgeschoss wären indessen Seminar- oder Tagungsräume dankbar. Eine andere Option für das Dachgeschoss wäre ein Hotel, das jedoch nur über höchstens 24 Betten verfügte. Aus den Reihen des Gremiums war im Vorfeld die Möglichkeit von 60 Betten angedacht – das aber funktioniere aufgrund des fehlenden Platzes nicht, wie Kandler erklärte. Das zweite Dachgeschoss könnte als Raum für einen Catering-Service beziehungsweise als Küchenbereich genutzt werden. Von hier würden Catering-Dienste die Tagungen oder öffentlichen Veranstaltungen versorgen – großzügige Lastenaufzüge einzubauen wäre wohl kein Problem.

Option zwei: Neubau des Tanzhauses

Neubau: Sämtliche genannte Varianten könnten auch in einem Neubau umgesetzt werden. Es wurde dabei schnell deutlich, dass sich ein saniertes von einem neu gebauten Tanzhaus in der Struktur kaum unterschiede – zum einen gäbe das Grundstück kaum eine alternative Bauform her, zum anderen müsse die Stadt auf den sogenannten „Ensemble-Schutz“ achten. Will heißen: Die historische Form, das Äußere müsse sich wie gehabt in die Reichsstraße einfügen. Gebäudliche Erweiterungen im Vergleich zum jetzigen Haus wären, so die Architektin, „schwierig“. Die Platzkapazität im Saal könnte bei einem Neubau ein wenig größer ausfallen als bei der Sanierung (350), was allerdings eher eine Marginalie wäre. Gemeinhin könnten die Planer bei der inneren Raumaufteilung etwas flexibler sein, alles in allem würde es sich aber um ähnlich umzusetzende Raumaufteilungen handeln – gleich ob Sanierung oder Neubau.

Der Kostenunterschied ist spürbar

Tiefgarage: Egal, ob Neubau oder Sanierung, bei Bauarbeiten im „Keller“ könnte man auf Wasseradern stoßen. Es fänden sich 38 Stellplätze nach einer Sanierung in der Tiefgarage, in einem neuen Tanzhaus wären es 42.

Kosten und Bauzeit: Hier findet sich in der Tat der wohl entscheidende Unterschied. Eine Sanierung, die gut 20 Monate dauern würde, würde die Stadt gut 17 Millionen Euro kosten, zudem bestünde, so Kandler, die Aussicht auf eine staatliche Förderung von 3 bis 3,5 Millionen Euro.

Ein Neubau verschlänge indessen etwa 20 bis 21 Millionen Euro und dauerte 36 Monate. Fördergelder stünden dabei aller Wahrscheinlichkeit nicht in Aussicht. Und: Nach einem Abriss könnten archäologische Funde den Baufortschritt verlangsamen.

Entscheidung: Eine Entscheidung über Abriss oder Sanierung fassten die Räte noch nicht. Oberbürgermeister Armin Neudert kündigte sie für den 9. Dezember an.

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