Konzert

11.09.2019

Vom Zauber der Musik

Die Künstler überzeugten das Publikum in Mertingen – emotional und musikalisch hochwertig brachten sie zahlreiche Stücke zu Gehör.
Bild: Hampp-Weigand

Klassik mit Jugendfrische gab es in Mertingen zu hören

„Lieder und so!“ Unter diesem Titel war in Mertingen ein „Streifzug durch die Jahrhunderte mit Solisten der Oper Erfurt“, dem Tenor Julian Freibott, der Flöstistin Norina Bitta und dem Pianisten Ralph Neubert, Studienleiter dort, angekündigt. Aber diese doch sehr prosaische Überschrift und das, was den Besuchern am Abend dann kredenzt wurde, hätte unterschiedlicher nicht sein können.

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Einen großen Galaabend der Kammermusik, des Liedes eröffnete der jugendfrische, mit schön timbrierter Stimme begabte Tenor Julian Freibott: kaum mehr gesungene Arien aus dem Barock von Antonio Caldara und Alessandro Scarlatti – gekrönt von Rezitativ und Arie aus G. F. Händels Oper „Xerxes“ – „Frondi tenere – Ombra mai fu“.

Hier schon konnte man den güldenen Klang hören, der in Folge immer wieder begeisterte. Im wunderbar durchsichtig gespielten Präludium und Fuge in a-Moll aus dem ersten Teil von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperierten Klavier“ ließ Ralph Neubert aufhorchen. Eine kluge Rast auf dem Weg – kam dann doch mit fünf Beispielen aus seinem 600 Lieder umfassenden Werk Franz Schubert zu Gehör und die Klassik zu ihrem Recht: „Die Forelle“, „Liebhaber in allen Gestalten“, „Der Traum“, „Der Musensohn“ und „Trockene Blumen“ aus dem Zyklus der „Schönen Müllerin“.

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Interpretiert von dem jetzt schon großartigen Liedsänger Julian Freibott. Das Publikum hing an seinen Lippen, er betörte, verzauberte und schrie als dem Tode zutaumelnder Müllersbursch seine Verzweiflung und Not heraus.

Norina Bitta und Ralph Neubert ließen es sich in dieser „Schubertiade“ dann angelegen sein, die einzigen Variationen Franz Schuberts zu den „trockenen Blumen“ spielerisch, am Klavier fast gewalttätig und dann doch wieder fast tänzerisch durchzuexerzieren: Superb beide!

Völlig unprätentiös, ganz und gar schlicht sodann fünf der 49 “Volks“-Lieder von Johannes Brahms: Julian Freibott glaubte man den Verliebten, Verlobten, Eifer- und Rachsüchtigen – „Mein Mädel hat einen Rosenmund“, “Schöner Augen schöne Strahlen“ bis zu „glaub ihr nicht“ und darauf setzte der Pianist mit einer furiosen „Etude“ von Sergej Rachmaninov aus dessen „Etudes tableaux“ op. 39, Nr. 9 in D-Dur, ein Ausrufezeichen, aber mit richtigem Aplomb. Allein schon dieses fulminante, abwechslungsreiche und höchst unterhaltsame Programm wäre abendfüllend gewesen.

Kurzes Durchatmen für alle, dann träumte der unglaubliche Pianist Frédéric Chopins Ballade Nr. 3 As-Dur, op. 47 – durchsichtig und elegant. Und schlug sogleich auch den Bogen zu den „schlichten Weisen“ von Richard Strauß, die Julian Freibott, mehrfacher Preisträger aus dem gleichnamigen Salzburger Wettbewerb, sang. „All mein Gedanken“, „Du meines Herzens Krönelein“, „Ach Lieb, ich muss nun scheiden!“, „Ach weh mir unglückhaftem Mann“ und „Die Frauen sind oft fromm und still“ – hinreißend in Artikulation, Vortrag und Laune. Und wieder kongenial begleitet; ein Fest für jeden Besucher.

Mit der traumschönen „Sonatine für Flöte und Klavier“, mit den flirrenden Klängen des französischen sonnenheißen Südens, von Henri Dutilleux begeisterte Norina Bitta, und noch einmal der jungenhafte Sänger, nun tiefernst, todtraurig, aber mit bezwingend großer Stimme in Liedern von Henri Duparc aus Mélodie: „Lamento“, „L’invitation au voyage“, „Chanson triste“.

Riesengroßer Beifall für mehr als zwei Stunden tief empfundener, wunderbarer Musik, von ganz uneitlen, sympathischen Interpreten bezwingend dargeboten: Schöner kann Musik nicht sein.

Ein Sahnehäubchen gab es trotzdem noch obenauf: Julian-Tamino sang seiner flötenden Norina-Pamina seine Arie aus Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte „Wie stark ist doch dein Zauberklang“ – in strahlendem Belcanto.

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