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Kulturtage Donauwörth

12.10.2017

Vom Zauber des Anfangs

Oberbürgermeister Armin Neudert eröffnet im Rahmen eines zauberhaften Konzerts die herbstliche Veranstaltungsreihe. Die Kammerphilharmonie Amadé überrascht

„Europas Einheit statt mit Wirtschaft mit Kultur zu beginnen, wäre besser gewesen“ – mit dieser Erkenntnis Jean Monnets, einer der Gründerväter der Europäischen Union, startete Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert in die 44. Kulturtage. Er betonte das Bindende, Gehaltvolle und Schöne, das der Kultur innewohnt. Nachdenkliche Worte an diesem herbstlichen Abend, doch die identitätsstiftende Funktion von Kultur anmahnend, äußerte er seine Freude über das vielfältige von Bürgern und Vereinen wie auch der Stadt angebotene kulturelle Angebot und dankte Sponsoren und Kultur-Nutzern. Nostalgische Anmut fast atmete der Tanzhaussaal an diesem Abend. War es schon das Wissen um die nur noch kurzzeitige Nutzung? Stand sie ihm an diesem Abend doch hervorragend!

Die Kulturtage begannen mit einem bezaubernden Konzert – die Kammerphilharmonie Amadé, ein sehr junges Ensemble unter Leitung von Frieder Obstfeld, musizierte so anmutig und begeisternd, dass ein gefesseltes Publikum hingerissen lauschte. Dabei gab es doch „nur“ Wiener Klassik – alles so bekannt und oft gehört! Vielleicht lag gerade darin der Zauber dieses Abends.

Joseph Haydns Sinfonie Nr. 43 Es-Dur „Merkur“, 1770/71, komponiert während seiner Anstellung als Kapellmeister beim Fürsten Nikolaus I. Esterházy, stand am Beginn. Von Anfang an musizierte das als Kammerorchester von europäischem Format angekündigte Ensemble elegant, luzide; Horn und Oboe fügten beschwingte Zwischenrufe bei, in voller Harmonie schwelgten die Streicher. Das ausgedehnte Thema im ersten Satz – Allegro – schreitet lange fort, bis es in einer ekstatischen Kadenz abstürzt, die Violinen in Stakkato-Läufen die Tempi vorgeben, das Horn akzentuierend begleitet – durch die unerwarteten Wendungen ein fesselnder erster Satz. Ein adagioreiches Verströmen musikalischer Ideen im Wechsel zwischen Bass, Violinen und Horn; genaues Hinhören erforderte dann das feierliche, lebhaft gespielte Menuett, in dem Oboen, Horn und Violinen sich im Thema spielen; das Allegro noch einmal dann lyrisch, in frischer Durchführung.

Dirigent Frieder Obstfeld stand vor seinem international besetzten, von ihm geschaffenen Klangkörper – fast väterlich dirigierend. Liebevoll lockte er seine Musiker, seine Zuwendung war streichelnd, präzis und aufmunternd: eine wunderbare Einheit formierend, einen schlanken, so mozartischen Klang zaubernd: Genuss, Freude pur.

Dann als „Stargast“ des Abends die junge britische Flötistin Claire Wickes, mehrfach ausgezeichnet, seit 2015 Soloflötistin der englischen „National Opera“. Am Morgen aus London eingeflogen, Daniela Koch zu ersetzen. Ein zauberhaftes Persönchen mit immenser Ausstrahlung. Mozarts Flötenkonzert Nr. 1G-Dur, KV 313, spielte sie mit dem ihr nicht bekannten Ensemble. Vom ersten Ton an herrschte völlige Übereinstimmung, ein so intensives Reagieren auf leiseste Regungen: dieser Mozart klang, und das empfanden wohl sämtliche Hörer so, „zum Weinen schön“. Mozart hat dieses Konzert, in der Besetzung Streicher, zwei Hörner und zwei Oboen, für den niederländischen Flötisten Ferdinand Dejean, nicht sicher 1777 geschrieben – er war auf der Reise nach Mannheim und Paris – möglicherweise aber auch seiner Schwestern Nannerl als Geburtstagsgeschenk.

Mozart gelang in seinem einzigen, original für Flöte geschriebenen Konzert Musik in fast romantischer Anmut. Obwohl er angeblich die Flöte „nicht leiden“ konnte, sind in diesem Konzert alle Lagen der Flöte beansprucht, ihre spieltechnischen Möglichkeiten voll ausgelotet. Wickes spielte wunderbar, „mozartisch“ erzählend, sie lebte die spielerisch hoch anspruchsvolle Themenvielfalt in den drei Sätzen, Allegro maestoso, Adagio ma non troppo, Rondo. Tempo di Menuetto, klang bei stupender Fingerfertigkeit und Flexibilität im reinen Flötenansatz ebenso elegant, wie ausgelassen heiter, kantabel, war expressiv wie leichtfüßig mit einem ruhigen, endlos scheinenden Atem, egal ob – wie im zweiten Satz – bei hohen, oder den voll und rund gespielten tiefen Tönen: Und ihre Kadenzen waren einfach nur schön. In den dankbaren Beifall mischten sich etliche, mehr als verdiente Bravorufe.

Den Abend rundete das etwa 40 Minuten dauernde Divertimento Nr. 17 D-Dur, KV 334 Mozarts für zwei Hörner und Streicher, entstanden 1779-80, in sechs Sätzen, darunter‚ „Thema mit sechs Variationen“, ab. Es gilt als eines der sehr populären, unterhaltenden Gebrauchsmusiken Mozarts. Die teils sehr bekannten Themen mit Ohrwurmcharakter wurden mit lebhaftem Temperament, Eleganz und sichtbarer Freude gespielt. Kollektives Einsinken in diese so zauberische Musik war die nur logische Folge – begeisterter Beifall lohnte letztlich alle Anstrengungen, die in einer Wiederholung des Menuetto mündeten. Den Herbstkulturtagen ist zu wünschen, dass alle Veranstaltungen in gleicher Weise ihr Publikum zu verzaubern geeignet sind!

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