Konzert

10.10.2012

Von der Liebe

Nach neun Monaten in England hat der Donauwörther Bariton Manuel Kundinger im Kaisheimer Kaisersaal wieder ein Konzert in der Heimat gegeben. Begleitet wurde er dabei von dem Pianisten Stéphane Bölingen.
Bild: Fotostudio Ehling

Der Donauwörther Bariton begeistert das Publikum im Kaisersaal mit Liedern, Romanzen und Arien

Kaisheim Wieder einmal hat der Donauwörther Bariton Manuel Kundinger eingeladen, und viele Zuhörer kamen in den Kaisheimer Kaisersaal. Auf dem Programm mit dem Titel „Amorato – Liebe auf Italienisch“ standen Lieder, Romanzen und Arien von Mozart, Bellini, Donizetti, Schubert und Tosti. Außerdem gab der Pianist Stéphane Bölingen Solostücke von Chopin und Liszt zum Besten.

Zunächst machte die Ankündigung des kurzfristig für diese Aufgabe eingesprungenen Stefan Eder den Anwesenden Sorge, den Solisten habe „ein wenig die Influenza erwischt“. Umso gespannter warteten die Konzertbesucher dann auf den ersten Ton des nach einem neunmonatigen Studium an der „Wales International Academy of Voice“ zum ersten Mal wieder in der Heimat auftretenden Donauwörthers. In Cardiff hatte er bei Dennis O’Neill und Nuccia Focile den „Master of Arts“ erworben und seine Technik und sein Repertoire erweitert im Umgang mit Größen wie Kiri Te Kanawa.

Zum Geheimtipp geworden

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Wenn man die Entwicklung von Manuel Kundiger seit seinem Gesangsdebüt vor nicht einmal fünf Jahren betrachtet, so kann man guten Gewissens resümieren, dass er mittlerweile zu einem Geheimtipp geworden ist. Natürlich nicht hier in seiner Heimat, wo er sich seit Langem einer treuen Fangemeinde verbunden weiß.

Hier fragten sich die Zuhörer allerdings schon nach dem ersten Stück, ob sie einen wirklich angeschlagenen Sänger vor sich hätten. Weder in seiner Gestik, weder in seiner wie immer perfekt mit dem Inhalt korrespondierenden Mimik noch in seiner ansatzlos vom Nichts bis zum Fortissimo sich aufschwingenden angenehmen Stimme war auch nur ein Fünkchen von Mangel zu spüren respektive zu hören. Dass er dabei schlicht Schmerzen im Hals hatte, ließ er die in greifbarer Stille lauschenden Zuhörer vergessen.

Die Begeisterung des Sängers für seine Musik vermittelt sich dem Publikum in einer Weise, wie man sie sich nur vorstellen kann, wenn man den Zauber selbst verspürt hat. Manuel Kundinger sang nicht nur von Liebe – wenn auch bisweilen von unerfüllter – er lebte sie. Als Guglielmo kokettierte er und gab den Macho, verging „auf der Bruck“ vor Sehnsucht nach der Geliebten und unterstrich mit seinem fließenden Legato die lyrische Hingabe an die „bella rosa“.

Wie bereits in früheren Konzerten wurde der Sänger kongenial von dem Pianisten Stéphane Bölingen aus Trossingen begleitet, ja gestützt. Beinahe liebevoll streichelte dieser die Tasten des Flügels, um dann wieder kräftig in sie zu greifen, wenn es denn das Pferdegetrappel von Schubert erforderte. Dabei diente er auffallend zurückhaltend immer der Stimme des Menschen, ja er machte das Klavier zu deren Partner. Stellenweise wirkte die Musik auf die Zuhörer wie ein wundersamer Dialog zwischen Stimme und Instrument. Nur in seinen Solostücken ging er mehr aus sich heraus und stellte klar, dass seine Zurückhaltung nichts mit Schüchternheit oder Unsicherheit zu tun hatte, sondern seine Interpretation der Rolle war.

Und alle Musik ging auf und erfüllte sich in der wunderbaren Akustik des Saales, die trotz voller Besetzung keine Wünsche offen ließ.

Am Ende rang das beglückte Publikum dem dann verständlicherweise doch erschöpften Solisten durch seine stehenden Begeisterungsstürme drei Zugaben ab.

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