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Rain

22.08.2020

Was ein Astronom aus Rain mit dem Stern von Bethlehem zu tun hat

Hobby-Astronom Winfried Dumann aus Rain am Okular seines Dobson-Teleskops.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Winfried Dumann durchstreift das Weltall mit dem Teleskop. Er weiß, warum heuer an Weihnachten wieder mit dem Phänomen des Sterns von Bethlehem zu rechnen ist.

Sommer 2020: Während sich die meisten Menschen unserer Hemisphäre zu nachtschlafender Zeit noch einmal im Bett umdrehen, bietet sich – von ihnen unbemerkt – ein extraterrestrisches Schauspiel: Ein Spektakel, das ob seiner Seltenheit anderen den Schlaf raubt. So spannend, so faszinierend ist es. Der Komet Neowise mit seinem deutlich sichtbaren Schweif streift das Gesichtsfeld von uns Erdbewohnern – zumindest aus der Perspektive der nördlichen Erdhalbkugel.

Ein Hingucker war im Juli der Komet Neowise. Seit Hale-Bopp 1997 präsentierte sich keiner so prächtig und mit bloßem Auge sichtbar.
Bild: Uwe Haferland

Einer der wenigen, die jetzt nichts in den Federn hält, ist Winfried Dumann aus Rain. Der Hobbyastronom sitzt Nacht für Nacht in den frühen Morgenstunden auf einsamer Flur an seinem Dobson-Teleskop und ergötzt sich an diesem Phänomen. Er ist „auf Du und Du“ mit dem Kometen und nennt ihn bei seinem offiziellen Namen: C/2020 F3.

Ein Schmetterlingsnebel im Sternbild Schwan. Dabei handelt es sich um ein riesiges Gebiet mit gewaltigen Wasserstoffnebeln, in dem neue Sterne entstehen. Der besonders große, helle Stern rechts ist der Gamma Cygni.
Bild: Uwe Haferland

Sterne waren das erste Mysterium seines Kinderlebens

Um Dumanns Leidenschaft zu verstehen, müssen wir die Zeit um beinahe sechs Jahrzehnte zurückdrehen. Als der kleine Winfried fünf Jahre alt war, begleitet er seine Mutter oft auf den Friedhof zum Grab seines Vaters. Auch zu Zeiten, da es schon dunkel wurde und sich Mond, Sterne und Planeten funkelnd gegen den nachtblauen Himmel abzeichneten. Verzaubert vom Spektakel am Firmament nutzte der Junge die Gelegenheit, sich all das einzuprägen, was er dort sah: grelle Punkte, schwächer leuchtende, gelbliche, rötliche, dann wieder eher staubartige Gebilde ... Millionen von Lichtjahren entfernte Galaxien, die er damals noch nicht zu deuten wusste. „Das war das erste Mysterium in meinem Kinderleben“, erinnert sich Dumann an dieses Schlüsselerlebnis.

„Die Sterne sind die Schäfchen des Monds“, erklärte dem Jungen damals eine alte Frau. Oder auch: „Es sind die Seelenlichter der Verstorbenen.“ Winfried Dumanns Neugierde war geweckt. Er hatte unendlich viele Fragen – und fand keine Antworten. „Selbst der Lehrer in der Schule konnte mir nicht weiterhelfen“, erinnert sich der heute 63-Jährige, der sich davon allerdings in seiner neu entfachten Leidenschaft nicht ausbremsen ließ.

Winfried Dumann mit seinem Dobson-Teleskop in Gitterrohrbauweise. Es ist zerlegbar und von seinen Maßen her gerade noch im Pkw transportabel.
Bild: Barbara Würmseher

Seine Bibliothek umfasst 500 bis 600 Astronomiebücher

Für selbst verdiente zwei Mark kaufte er mit acht Jahren das Büchlein „Himmelskunde“. Als Zehnjähriger erstand er sein erstes Fernrohr. Damit war der Grundstock gelegt für die autodidaktische Beschäftigung mit der Astronomie. Und als er zwölf war, saß er am 21. Juli 1969 die ganze Nacht vor dem Fernseher, um sich ja keinen Moment der ersten Mondlandung einer bemannten Raumfahrtmission – Apollo 11 – entgehen zu lassen. „Damals war ich längst infiziert von dieser Materie.“

Vielleicht hat auch seine Herkunft indirekt einen Anstoß gegeben für die Sternenkunde? „Das kann schon sein, denn ich bin ja in Oettingen geboren – mitten im Rieser Meteoritenkrater“, sagt Winfried Dumann schmunzelnd. Heute lebt der gelernte Landschaftsgärtner in seiner Wahlheimat Rain, wo sich die Fachliteratur vom ersten kleinen Schmöker längst um ein Vielfaches vermehrt hat: 500 bis 600 Astronomiebücher zählt Dumanns private Fachbibliothek und eine Fülle von Zeitschriften, die er längst nicht mehr beziffern kann.

Bild: Uwe Haferland

Die Weite und Schönheit des Kosmos

Es ist das ewige Rätsel, die Frage, was wohl jenseits unserer Erde liegt, das die Astronomen beschäftigt, und womit sich auch Winfried Dumann befasst. „Wir Menschen haben einen natürlichen Drang, die Welt, in der wir leben, zu hinterfragen“, sagt der 63-Jährige. „Die Astronomie, mit der sich ein wesentliches Stück Kulturgeschichte der Menschheit verbindet, kommt diesem Bedürfnis nach Erweiterung des Horizonts entgegen. Es bereitet große Freude, sich der Weite und Schönheit des Kosmos zu öffnen.“

In der Begegnung mit den Sternenwelten findet Winfried Dumann beruhigende, fast meditative Entspannung einerseits – und Spannung andererseits. „Der Sternenhimmel hält das Abenteuer zahlreicher Überraschungen und Entdeckungen für uns bereit. Keine andere Wissenschaft führt uns so sehr die Winzigkeit des Menschen vor Augen und die Grenzen seines Wissens und Verstehens“, sagt Winfried Dumann, der neben der wissenschaftlichen Disziplin auch um die anderen Bereiche weiß, die sich mit dem Universum beschäftigen: um die philosophische, die theologische oder die esotherische. „Die Astronomen als Wissenschaftler haben sich die beschwerlichste Möglichkeit ausgesucht, das All zu erforschen: Sie akzeptieren nur, was durch Beobachtung und Experiment bestätigt ist.“

Feuerradgalaxie im Sternbild Großer Bär. Sie steht über der Deichsel des Großen Wagens.
Bild: Uwe Haferland

Geheimnisse lassen den Sternenforscher grübeln

Zunächst einmal ist es die flimmernde Pracht am dunklen Nachthimmel, die Winfried Dumann in ihren Bann zieht. Dann wiederum sind es die zahlreichen dahinter liegenden Geheimnisse, die den Sternengucker ins Grübeln bringen.

Er hinterfragt, was er durch sein Teleskop beobachtet: Was leuchtet da? So hat er beispielsweise den Schmetterlingsnebel im Sternbild Schwan vor der Linse. „Das ist ein riesiges Sternenentstehungsgebiet mit gewaltigen Wasserstoffnebeln, (H-II-Regionen)“, erklärt der Astronom. „Wasserstoff ist der Hauptbestandteil neu geborener Sterne. Dieser Nebelkomplex ist 5000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Ausdehnung des Nebels beträgt mehr als 150 Lichtjahre.“

Oder aber Winfried Dumann stößt auf das „Auge Gottes“, einen planetarischen Nebel im Sternbild Wassermann. „Planetarische Nebel sind Relikte von alten, massearmen, sterbenden Sternen“, weiß er. „Sie werfen am Ende ihres Lebens ihre Gashüllen ab. Massenreiche Sterne beenden ihr Leben in einer gewaltigen Supernova-Explosion. Nur wenige 10000 Jahre sind diese Objekte sichtbar. Das sind für kosmische Verhältnisse geradezu Eintagsfliegen. Auch unser Heimatstern, die Sonne, geht als massearmer Stern diesem Schicksal entgegen.“

Er wünscht sich eine Supernova-Explosion

Für den 63-Jährigen ist es ein besonderer Wunsch, eine Supernova-Explosion miterleben zu können. „Denn wenn kein Stern explodieren würde, gäbe es auch kein Leben“, schildert er. „Nur so können alle chemischen Elemente entstehen.“

Die Chance auf ein Supernova-Erlebnis sieht Dumann beim Beteigeuze gegeben, einem Stern im Sternbild Orion, den rund 642,5 Lichtjahre von der Erde trennen und der nach momentanem Stand für uns Menschen „sehr ungefährlich“ ist. „Es ist der linke Schulterstern im Orion, der ein wenig rötlich ist. Von ihm weiß man, dass er seinem Ende entgegengeht. Er könnte auch schon längst explodiert sein und die Information ist noch zu uns unterwegs.“ Dumann weiß auch vom Proxima Centauri, der etwa gut vier Lichtjahre von der Erde entfernt ist und einen Radius von 107280 Kilometern hat. „Wenn der explodiert, dann ist allerdings Leben auf der Erde wohl nicht mehr möglich.“

Der Nebel im Sternbild Orion ist rund 1300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er gilt als Paradebeispiel eines galaktischen Nebels.
Bild: Uwe Haferland

Das Weltall ist sicher voller Leben

Apropos Leben auf der Erde: Wie verhält es sich denn mit außerirdischem Leben? – „Das Weltall ist ganz sicher voll von Leben“, schätzt Winfried Dumann ein. „Allein in unserer Milchstraße gibt es 200 bis 300 Milliarden Sonnen. Aber das ist nur eine einzige Galaxie von mindestens 200 Milliarden in unserem bekannten Universum. Laut der Quantenphysik gibt es vermutlich eine Fülle von Paralleluniversen. Der Mensch sieht sich immer als Krone der Schöpfung. Aber es gibt auch anderes Leben. Diese anderen Existenzen zu leugnen, wäre Größenwahn.“

Während er es – dessen ungeachtet – nicht für sehr wahrscheinlich hält, demnächst einem Außerirdischen zu begegnen, steht ein anderes Phänomen in wenigen Monaten bevor: Die strahlend hellen Planeten Jupiter und Saturn nähern sich derzeit auf ihren Umlaufbahnen stetig einander an. Es wird zu einer Konjunktion kommen, sodass man sie fast für einen einzelnen Planeten halten könnte. „Diese Konstellation hatten wir zuletzt im Jahr 7 vor Christus“, erzählt Dumann. „Man nimmt an, dass es dieses Phänomen war und nicht etwa ein Komet mit Schweif, das uns heute vom ’Stern von Bethlehem’ sprechen lässt.“ Und dieses Ereignis tritt laut Dumann heuer am Heiligen Abend ein.

Andromedagalaxie im Sternbild Andromeda. Dort gibt es Sterne in einer Anzahl von 500000 Milliarden bis zu einer Billion.
Bild: Uwe Haferland

„Für uns Menschen ist der Sternenhimmel ein letztes Stück unberührter Schöpfung“, fasst der Hobbyastronom zusammen. „Seine überwältigende Schönheit zu entdecken und die Tradition dieser ältesten Wissenschaft, der Astronomie, zu bewahren, ist ein lohnendes Ziel!“

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