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Wemding

19.10.2017

Schätze sollen an sicheren Ort

Im Wemdinger Stadtarchiv lagern Schriftstücke aus rund 700 Jahren.
Bild: Widemann

Das Stadtarchiv in Wemding ist historisch bedeutend. Weil aber die derzeitigen Räume unzureichend sind, sollen die 60000 Schriftstücke ausgelagert werden.

Die Stadt Wemding besitzt historische Schätze wie kaum ein anderer Ort dieser Größe: Im Archiv der Kommune befinden sich rund 60000 Schriftstücke aus rund 700 Jahren. Das Problem: Die Räume, in denen die Dokumente aus Pergament und Papier lagern, sind für diesen Zweck kaum geeignet. Deshalb sieht sich der Stadtrat nun zum Handeln gezwungen. Zum einen soll das Stadtarchiv vorübergehend ausgelagert werden, zum anderen soll eine langfristige Alternative in Wemding gefunden werden.

Das Thema ist nicht neu, wie Bürgermeister Martin Drexler und andere Ratsmitglieder anmerkten. Bereits seit Jahrzehnten führt das Archiv ein Schattendasein. Es gab Gedankenspiele, die alten Schriftstücke in privaten Anwesen unterzubringen. Dies scheiterte dem Vernehmen nach jedoch unter anderem an den hohen Auflagen.

Routinemäßigen Überprüfung

In die Angelegenheit kam in den vergangenen Monaten wieder Bewegung. Bei einer routinemäßigen Überprüfung – im Amtsdeutsch Gefährdungsbeurteilung genannt – im Mai 2017 stellten Experten fest, dass der Brandschutz nicht ausreichend sei. Dies sei in dem Bericht ausdrücklich vermerkt worden, berichtete Rosalinde Meyer, Geschäftsleiterin im Rathaus. Der Zustand sei demnach nicht mehr tolerierbar. Unter anderem werde bemängelt, dass Elektroleitungen offen verlegt sind. Auch die mangelnde Sicherung der Räume im VG-Gebäude sei ein Problem.

Bürgermeister Drexler bezeichnete das Archiv als „Gedächtnis einer Stadt“, das „absolut notwendig“ sei. Drexler stellte fest: „Wir haben hier einen besonderen Schatz.“ Den gelte es für die folgenden Generationen zu bewahren. Die ältesten Dokumente stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert. Das Archiv sei nie durch Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden: „Wir haben keine Verluste.“ Wertvolle Schriftstücke seien beispielsweise zum Bau der Stadtmauer und des historischen Rathauses vorhanden. Aber auch über „dunkle Kapitel“ (zum Beispiel Hexenprozesse) seien Unterlagen vorhanden. Nach Ansicht von Drexler biete das Stadtarchiv genügend Stoff für Doktorarbeiten und sogar Habilitationen.

Angesichts des momentanen Zustands könne man „nicht weiter zuwarten“. Weil ein neues Archiv nicht von heute auf morgen eingerichtet werden könne, müsse man eine „Zwischenlösung“ finden. Eine solche schlug die Stadtverwaltung vor. Man habe mit der Firma Frankenraster in Buchdorf Kontakt aufgenommen. Die ist auf die Lagerung von Akten spezialisiert. Die Stadt Nürnberg habe dort bereits einen Teil ihres Archivs deponiert.

Ein Konzept spätestens in einem Jahr

Der Wemdinger (Teilzeit-)Archivar Thomas Kleinle, Kreisheimatpfleger Gerhard Beck und die Verantwortlichen des Kulturzirkels Wemding befürworteten diesen Weg. Dokumente könnten in Buchdorf jederzeit eingesehen werden – freilich gegen eine Gebühr. Neben den Kosten für den Umzug von zunächst rund 600 Kartons mit katalogisiertem Archivgut würde eine Lagermiete von 300 Euro pro Monat fällig. Geschäftsleiterin Meyer erinnerte an die Rathausbrände in Dillingen und Straubing in der jüngeren Vergangenheit. Dies habe auch in Wemding aufgeschreckt, sagte Dritter Bürgermeister Gottfried Hänsel. Es sei „rechtzeitiges Handeln angesagt“. Freilich müsse das Archiv dann wieder zurück in die Stadt. Dies solle man „nicht auf die lange Bank schieben“. Sprecher aller Fraktionen sahen dies ähnlich. Werner Waimann (Grüne) meinte, es wäre „eine Katastrophe“, sollte etwas aus dem Stadtarchiv verloren gehen. Werner Waimann hätte – ebenso wie Diana Waimann (Frauenliste) – aber die Entscheidung über die vorübergehende Auslagerung gerne noch vertagt gehabt, um nähere Informationen über die Firma in Buchdorf und die Abläufe zu erhalten. Die übrigen Räte hatten jedoch keine Einwände.

Es wurde auch gleich andiskutiert, wie es weitergehen könnte. Bürgermeister Drexler brachte den Bereich um den Schlosshof als möglichen neuen Standort des Archivs ins Gespräch. Dort hätte man die Chance auf hohe staatliche Zuschüsse aus der Städtebauförderung. Bernd Schneid (SPD) forderte, es müsse bis spätestens in einem Jahr ein Konzept geben.

Der Bauausschuss des Stadtrats will sich nun bereits am kommenden Dienstag über das weitere Vorgehen unterhalten.

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